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Der Israelit · 1876-09-27 · Heft 39-40 (27.9.1876) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 39-40 (27.9.1876)
Date
1876-09-27
Page
– (sequence 12)
Language
German
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916 dieser Männer erblich verblieben. Diese Geistlichen werden Kajis genannt und gelten mehr als die gewöhnlichen Religionsdiener, welche gegen Besoldung in den Synagogen fungiren. Sie sind Ln gewisser Beziehung gleichsam Hohepriester und bürgerliche Häupter unserer Gemeinde. Alle geistliche und weltliche Angelegenheiten werden von ihnen, mit dem Beistände einer Rathsversammlung, untersucht und geordnet, in manchen Orten, zumal in Bombay, ist dies jedoch jetzt außer Gebrauch gekommen Die geistlichen Functionen werden dort jetzt von einer Person ausgeübt, welche Hasan und nicht Kaji genannt wird. Die richterlichen und sonstigen bürgerlichen Amtshandlungen werden von einer Person, welche Rast oder „Oberhaupt" heißt, mit Zuziehung eines Rathes wahrgenommen. Die Beni Israel haben sich in Bombay seit 150 Jahren — nach Haim Samuel aus Puna aber erst seit etwa 1775 — niedergelassen, die erste Synagoge daselbst wird 1796 erbaut sein, denn diese Jahreszahl findet sich auf unsrer ältesten Synagoge. Diese ist von Samuel Ezekiel, einem eingeborenen höheren Offizier der britischen Armee, welche gegen Tippo Sahib von Mysore kämpfte, erbaut, da sie aber der wachsenden Zahl der Gemeinde nicht genügte, so ist sie in der späteren Zeit vielfach umgebaut worden. Der genannte Offizier war von Tippo Sahib gefangen' genommen worden und hatte ein Gelübde gethan, daß er eine Synagoge bauen wolle, wenn er seine Freiheit wieder erlange. Auf den Gräbern in Naughaum sind keine Inschriften, wohl aber auf denen in Bombay. Hier waren vier Grabstätten, von denen die Lage der ältesten indessen jetzt nicht mehr genau bezeichnet werden kann. Die älteste vorhandene Inschrift auf einem der übrigen trägt die Jahrzahl 5530 (1770.) Wir hahen keine geschichtlichen Beweise dafür, daß unsere Vorfahren eine andere Sprache gesprochen haben, als die Eingeborenen; aber es ist eine sowohl unter letzteren wie unter uns verbreitete Ueberlieferung, daß die ersten Ankömmlinge von den Beni Israel (es waren Schiffbrüchige) eine den Eingeborenen ganz unbekannte Sprache redeten. Man kann nicht sagen, daß viele Mitglieder unserer Gemeinde im Hebräischen wohl unterrichtet sind, obgleich Einige das Hebräische ins Englische und in die Marathi - Sprache übersetzen können. Einer von uns, Herr Joseph Ezekiel, wird jedoch jährlich zur Prüfung im Hebräischen an der Bombayer Universität zugezogen, und ist auch Lehrer an dem von Sassoon gestifteten hebräischen und englischen Seminar. Ein anderer, Namens Schalom Samuel, ist Lehrer bei der Kirchen-Missionsgesellschaft, an ihrer hebräischen und Marathischule. Wir haben nur eine Schule, welche unlängst in Bombay eingerichtet worden ist und ganz durch freiwillige Beiträge unserer Gemeinde erhalten wird. Außer der hebräischen Bibel unterrichten wir aus zwei Elementarbüchern, welche von zwei Beni-Jsrael verfaßt sind, sie heißen pjwnn nj/so und ppann er. Wir haben ferner die Gesänge Salomo's, in Marathi-Verse übersetzt von David Haim, ebenso Uebersetzungen von religiösen und Ritualbüchern, welche von unserm Volke verfaßt sind, und sodann zwei Originalwerke in Marathi, das eine enthält die Geschichte der BeUi-Israel, das andere Beschreibung ihrer Sitten und Gebräuche. Doch haben diese Bücher geringen Werth. Ein drittes ferner ist zum größten Theil eine Uebersetzung der „Kriege der Juden" von Josephus. Am Schluß dieses Buches hat ein moderner Schriftsteller Zusätze, welche bis zum Jahre 1874 gehen, hinzugefügt. Das sefardische tägliche Gebetbuch ist übersetzt worden von Herrn Schalom Samuel und Joseph Ezekiel. — Mehrere von uns haben höhere Regierungsämter bekleidet; die Folgenden habenden höchsten Rang, welchen überhaupt Eingeborne in der indischen Armee bekleiden können, erreicht: Subedar Abraham Davis und Subedar Major Moses Balla-- jee, welcher die höchste Stabsoffizierstelle hatte, welche je ein eingeborner Offizier erlangte. Der früher genannte Samuel Ezekiel, welcher die älteste unserer Synagogen erbaute, hatte außer seinen Verdiensten in der britischen Armee sich auch durch ungewöhnliche, sociale Tugenden hervorgethan. Wir haben besoldete Beamte, welche als Vorbeter und als Vorleser dienen und die Gebräuche bei Beschneidungen, Hochzeiten und Beerdigungen verrichten und schlachten. Wir haben dieselben Gebete, welche bei den andern sefardischen Juden im Gebrauch sind. Heirathen zwischen den Juden (sie!) und uns kommen selten vor. Die Juden von Bagdad und Cochin besuchen unsere Synagogen und wir die ihrigen, und wir speisen zusammen, hatten auch bis vor Kurzem denselben Begräbnißplatz. Wir unterhalten uns mit ihnen in dem Hindostandialekt, welcher aus dem Arabischen, Persischen und Sanskrit zusammengesetzt ist, und „Lingua Franca" in Indien bildet. Es besteht ein Abstand zwischen uns, welcher hauptsächlich durch den Unterschied in Sitte und Sprache herbeigeführt ist. Wir haben in unserer Mitte aber auch eine Klasse von Beni-Jsrael, welche wir als „Kala-Jsrael" oder schwarze Israeliten bezeichnen. Zwischen diesen und uns finden Verheirathungen statt. Sie stammen von Beni-Jsrael

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