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Der Israelit · 1876-09-27 · Heft 39-40 (27.9.1876) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 39-40 (27.9.1876)
Date
1876-09-27
Page
– (sequence 5)
Language
German
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sog tischen Kreisen zu unserem Bedauern häufig hören mußten, daß nämlich unser Verein zu Sonderbildungen Anlaß gäbe, begegnen wir durch den einfachen Hinweis darauf, daß derselbe als Unterstützungsverein durchaus keine geselligen Tendenzen im Auge hat und daß er, wenn er exclusiv jüdische Interessen Pflegt, nur dem Nothstande entspricht, in dem die bedürftigen jüdischen Studirenden hiesiger Universität sich befinden. Wenn wir jedoch den Zwecken unseres Vereins entsprechend weiter wirken wollen, so bedarf es nicht nur der alten Gönner und Freunde; wir müffen neue gewinnen, unsere Mittel müssen größer werden, damit wir auch nur einem Theile der an uns gestellten Anforderungen gerecht werden können. Schweiz. Bern, 21. Sept. Wie alle Jahre richtete ich auch dieses Jahr einige Tage vorn"i an die hiesige Militär-Direction das Gesuch, am 19., 20. und 28. September unserer hohen Festtage wegen, die jüdischen Soldaten meiner Gemeinde vom Militärdienste dispensiren zu wollen; erhielt aber diesmal die abschlägige Antwort: die Militärdirection habe nicht mehr das Recht über derartige Gesuche zu verfügen, sondern das eidgenössische Militär- Departement. Auf Veranlassung von Seiten einiger israel. Gemeinden in der Schweiz an mich ergangenen Gesuche, den Urlaub der jüdischen Soldaten ihrer Gemeinden an genannten hohen Festtagen zu bewerkstelligen, reichte ich beim eidgenössischen Militärdepartement ein Gesuch ein, den israelitischen Soldaten der ganzen Schweiz an erwähnten hohen Festtagen Urlaub geben zu wollen. Da ich am 18. n"i my Vormittags noch keinen Bescheid auf meine Eingabe hatte, ging ich selbst zum Vorsteher des eidgenössischen Militärdepartements, Herrn Bundesräth Scherer, der mich sehr entgegenkommend empfing, und wiederholte ihm mündlich meine Bitte. Nachdem der hochgestellte Beamte der Eidgenossenschaft meinen Vortrag über die hohe Bedeutung unserer Festtage in würdevollster Haltung wohlwollend und freundlich entgegennahm, ließ er sofort an sämmt'.iche Militär-Schulen und Waffenplätze der ganzen Schweiz meinem Gesuche entsprechend telegraphische Befehle ergehen. Nachträglich erhielt ich noch am zweiten Tag n"->, vom schweizerischen eidgenössischen Militär- Departement eine schriftliche Antwort folgenden Inhalts: „Herrn vr. Goldstein, Rabbiner der israelitischen Gemeinde Bern! Mit Zuschrift vom 16. September richten Sie an uns Namens einiger israelitischen Gemeinden das Gesuch, es möchten die der jüdischen Religion angehörenden, im eidgenössischen Dienste stehenden Militärs, für die hohen Festtage am 19., 20. und 28. September gemäß den Grundsätzen ihrer Religion von Verrichtung jeglicher Arbeit befreit werden. Das Departement hat diesfalls die Verfügung getroffen, es sei, zwar unvorgreiflich einer grundsätzlichen Lösung der Frage, für diesmal dem Gesuche zu entsprechen und sollen daher die Betreffenden auf Ihren Wunsch hin von dienstlichen Functionen an den genannten Tagen dispensirt werden. Mit Hochachtung der Vorsteher des eidgenössischen Militär- Departements Scherer." Dieser loyale Akt verdient umso mehr öffentliche Anerkennung, als am eidgenössischen Buß- und Bettag die nichtjüdischen Soldaten Militärdienst verrichten mußten, weil an christlichen Feiertagen nach der christlichen Religion die Verrichtung werkthätiger Arbeiten nicht verboten ist. Ich spreche daher hiermit dem hochgeachteten allgemein beliebten Vertreter der Eidgenossenschaft für dessen, dem Judenthum erwiesenen freundliche Gesinnung, im Namen sämmtlicher israelitischen Gemeinden in der Schweiz, den tiefinnigsten Dank aus, mit dem Wunsche, Herr Bundesrath Scherer möge noch lange für das Wohl und Gedeihen der Eidgenossenschaft, zum Heil und Nutzen der freien Schweiz, zur Erhaltung des Judenthums und Verherrlichung des einzig einzigen Gottes wirken und beitragen. vr. Äk B. G o l d st e i n, Rabbiner in Bern. Rumänien. Bukarest, 8. September. Großes Aufsehen erregt in hiesigen politischen Kreisen die diplomatische Note, welche der frühere Minister des Aeußern, Cogolnitscheanu, kurz vor seiner Demission an alle Agenten Rumäniens im Auslande ergehen ließ Man traut kaum seinen Augen, wenn man dieses etwas langathmige Schriftstück liest; man ist erstaunt ob der Kühnheit — um keinen stärkeren Ausdruck zu gebrauchen — welche in demselben sich ausspricht. Hiesige Blätter berichten, daß die Note ohne Wissen der übrigen Minister, der Ministerpräsident Epureanu mit inbegriffen, von Cogolnitscheanu erlassen wurde. Weiter wird erzählt, daß die rumänischen Agenten nicht den Muth hatten, dieselbe an den Höfen, wo sie accreditirt sind, zu verlesen, weil sie mit Recht befürchteten, daß ihrem Vaterlande daraus eine sehr große Gefahr erwachsen könnte; sie baten

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