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Der Israelit · 1876-09-27 · Heft 39-40 (27.9.1876) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 39-40 (27.9.1876)
Date
1876-09-27
Page
– (sequence 4)
Language
German
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908 Bericht sagt uns, daß diejenigen Zöglinge, die sich dem Lehrfache widmen, die von einem königlichen Seminar-Director geleitete Curs-Prüfung mit recht gutem Erfolge bestanden haben und daß ferner in diesem Jahre der erste sich dem Geschäftsfache widmende Zögling, nachdem derselbe die Schule zwei Jahre besucht, entlassen wurde, und daß derselbe befähigt ist, eine schwierige Abhandlung des Talmud recht gut zu begreifen. Wenn derartige Resultate nur möglich sind bei großem Eifer und bei einer begeisterten Hingebung, wie sie den Vorständen dieses Vereins und namentlich dem nie ermüdenden Leiter derselben, dem'Herrn Rabbiner Hirsch eigen sind, so muß anderseits auch anerkannt werden, daß der Verein den richtigen Boden zu seiner Wirksamkeit gefunden hat. Von allen Seiten wird demselben das reichste und edelste Wohlwollen entgegengebracht und reichliche und kräftige Unterstützung gewährt. Seitdem vor zwei Jahren ein Aufruf erlassen worden, sind an Spenden 10,710 Mk. 96 Pf. eingegangen. Dieselben wurden theilweise zur Bezahlung des angeschafften Hauses, auf das jetzt nur noch 2400 Mk. abzutragen sind, und theilweise zur Honorirung eines eigens für die Talmud - Thora angestellten Lehrers verwendet. Wir wünschen dem schönen und edlen Vereine auch ferner glückliches Gedeihen. Aus Mecklenburg, 5. Sept. Nach dem vom Ministerium bestätigten Verloosungsplan der Großherzoglich - Mecklenburg - Schwerinsche 103. Landes-Lotterie sollte die Schlußziehung 6. Classe mit dem Beginn der jüdischen hohen Festtage zusammenfallen. Da nun die Collecteure drei Wochen nach der Ziehung mit den Auszahlungen der Gewinne bereits fertig sein müssen, so kam der jüd. Haupt-Collecteur R. in S. bei dem Ministerium um Aenderung des Planes, beziehungsweise Verlegung der Ziehung 6. Classe, ein, da er an den jüdischen Feiertagen verhindert sei, und die übrigen Tage bis zum Termine nicht ausreichend seien, die Gewinne aurzuzahlen. R. wurde, wahrscheinlich weil das Gesuch von ihm allein ausgegangen war, zurückgewiesen. Als aber mehrere jüdische Collecteure Mecklenburgs gemeinschaftlich dasselbe Gesuch dem Ministerium unterbreiteten, wurde der Plan dahin geändert, daß die Ziehung 6. Classe später stattfinde, deren Schluß mit dem Schluffe der jüdischen Feiertage zusammenfallen und an den jüdischen Feiertagen selbst mit der Ziehung ausgesetzt werden wird. (Js. Wchschrft.) Leipzig. Dem Bericht des akademisch-israel. Unterstützungsvereins „Humanitas" zu Leipzig in den Jahren 1874, 1875 und 1876 entnehmen wir: Der Verein wurde im Februar des Jahres 1874 begründet, weil bei der wachsenden Frequenz der hiesigen Universität naturgemäß auch die Zahl der Unbemittelten jüdischen Studirenden in hohem Grade zugenommen hatte. (Es studiren durchschnittlich an der Leipziger Universität ca. 150 Juden, von denen sicher ein Sechstel der Unterstützung bedürftig ist.) Es bestanden allerdings bereits damals am hiesigen Orte Vereine mit ähnlichen Tendenzen; aber da ihre Unterstützungen auch anderen zuflossen, so waren die Summen, die ausschließlich den Studirenden zugewendet werden konnten, bei weitem nicht ausreichend, um dem dringenden Nothstande abzuhelfen. Abgesehen hiervon waren und sind die meisten Stipendien der hiesigen Universität statutarisch Juden unzugänglich. Diese Verhältnisse waren es, die den ersten Anstoß zur Gründung unseres Vereins gaben. Von vorne herein jedoch wurde vorausgesetzt, daß die weitaus größten Beiträge nicht von den studentischen Mitgliedern aufgebracht werden könnten, daß vielmehr bei dem bewährten altjüdischen Wohlthätigkeitssinn auch die Aufforderung zur Unterstützung unseres Vereins in den Herzen vieler außerhalb der Universität stehender Glaubensgenossen lauten Widerhall finden würde. Der Erfolg hat, wenn auch nicht ganz, so doch zum Theile unseren Erwartungen entsprochen. Die Thätigkeit des Vereins begann im Wintersemester 1873—74 und aus dem Umstande, daß stn jedem Semester aus Mangel an Mitteln mehrere Gesuche unberücksichtigt bleiben mußten, dürfte wohl am klarsten hervorgehen, wie dringend das Bedürfniß ist, dem unser Verein abzuhelfen sucht. Wir sind bis jetzt im Stande gewesen, 12 Stipendien im Gesammtbetrage von Mark 1191 zu vertheilen; wir haben zu Unterstützungen bisher grundsätzlich nur die uns versprochenen jährlichen Beiträge verwandt, während wir die einmaligen Gaben zu einem Fonds ansammelten, der unserer Humanitas für die Zukunft eine sichere Grundlage bilden soll. Dieser Fonds besteht zur Zeit aus Thlr. 1200 50/0 Pfandbriefen der Leipziger Creditanstalt. Dem lautgewordenen Vorwurfe, es gäbe unsere Verwaltung nicht genügende Garantie für zweckmäßige Verwendung der uns anvertrauten Mittel, haben wir bei Revision unserer Statuten dadurch hoffentlich die Spitze abgebrochen, daß wir eine sog. ständige Commission schufen, die aus Mitgliedern der Leipziger israelitischen Gemeinde besteht und einen wesentlichen Antheil an den Geschäften des Vereins hat, sowie ein unbeschränktes Aufsichtsrecht über die Thätigkeit desselben besitzt. Einem anderen Vorwurfe, den wir aus studen-

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