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Der Israelit · 1876-09-27 · Heft 39-40 (27.9.1876) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 39-40 (27.9.1876)
Date
1876-09-27
Page
– (sequence 3)
Language
German
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907 Dr. jur. Hirsch, sämmtlich Söhne des Jubilars, Herr Goldschmidt, der in gebundener Rede den auswärtigen Gästen ein Hoch ausbrachte, der Herausgeber dieser Blätter, der auf die Frankfurter Religionsgesellschaft toastirte, Herr Emanuel Schwarzschild, der ein sehr schönes Gedicht vortrug, Herr Hackenbrock, Herr Chotzen von Bingen, Herr Rabbiner Fromm, der eines alten Frankfurters, Rabbi Moscheh Sofer b"p"i"L"i, gedachte, Herr Dr. Sulzbach, Herr Dr. Marx von Darmstadt, Herr Rabbiner Dr. Fränkel, der erzählte, daß er seit 40 Jahren ein Freund des Jubilars sei, Herr Eisen mann, Herr Cantor Friesländer und viele, viele Andere. Unterdeß war es 4 Uhr geworden, und wir begaben uns in die prachtvoll decorirte Synagoge. Das große Gebäude war überfüllt; man meint, daß 2000 Menschen anwesend waren. Nachdem der Chor sehr schöne Gesänge — Psalmen in der Ursprache — gesungen, hielt Herr Emanuel Schwarzschild eine Ansprache an den Jubilar. Der Redner gab eine Geschichte der Gemeinde seit 1808, da der Fürst Primas und Großherzog von Frankfurt, Dalberg, einen reformistisch gesinnten Vorstand der Gemeinde aufoctroyirte. Der Redner schilderte dann die trostlosen Zustände, wie sie vor der Trennung und vor der Berufung des Jubilars gewesen; wie dann mit dem Auftreten des Jubilars sich Alles anders und besser gestaltet habe, bis heute wieder frohe und glückliche Zustände geschaffen worden seien. Redner erinnerte dann an die Antrittsrede des Jubilars über das Prophetenwort 'nn: dn o roa «b *£>, „nicht durch Heeresmacht und nicht durch Gewalt, sondern durch meinen Geist," und wie sich dieses Wort so überaus herrlich erfüllt habe. Die Rede, wohl durchdacht und sehr gut vorgetragen, verfehlte ihres Eindruckes nicht und erlangte allseitigen Beifall. Hierauf bestieg Herr Rabbiner Hirsch die Kanzel. Anfangs tief gerührt und kaum eines Wortes mächtig, erstarkte der verehrte Mann ersichtlich während des Sprechens. Nicht sein Jubiläum, sagte er, feiere man, sondern das der Gemeinde; die Führer kommen und gehen, aber die Gemeinde cos» cn« ist das Bleibende. Es folgte dann ein interessanter Rückblick auf die Entwickelung der Gemeinde während des verflossenen Vierteljahrhunderts. Die Rede sprühte von Geistesfunken und ließ uns auf's Neue den wackern Mann bewundern, der überall als einer der ersten Führer und Leiter Israels verehrt wird. Gebe ihm der Allgütige Gesundheit und Kraft, daß es ihm noch lange, lange vergönnt sei, Großes zu erwirken. 1 Nach dem Schlüsse der Rede folgten Gesänge,! von Vorsänger und Chor meisterhaft vorgetragen.! Mit Minchah und Maarib schloß die erhebende j Feier, die Jedem, der ihr beiwohnte, nicht allein unvergeßlich bleiben wird, die vielmehr Allen die unschätzbare Ueberzeugung gewährte, daß das echte, rechte, unverfälschte und unverkürzte Judenthum! wieder in herrlicher Jugendfrische und Jugendkraft! erblüht ist und unter göttlichem Beistände täglich mehr erstarken wird — ein trostreicher Abschluß; des alten Jahres, ein hoffnungsvoller Anfang für i das neue Jahr. Eine große Ilnzahl von Briefen und Tele- > grammen aus der Nähe und der Ferne bewiesen; die Theilnahme des jüdischen Publikums weit und; breit. | Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. J Deutschland.! Aus Unlerfranikerr. Der Talmud-Thora-! Verein in Burgpreppach gibt soeben seinen zweiten! Rechenschaftsbericht aus. Wenn wir bei der Beurrheilung einer für das Gemeinwohl bestimmten ' Institution drei Hauptfactoren als Maaßstab an- : legen, nämlich die Ziele, die sie sich gestellt, die l Leistungen, die dieselbe erzielt, und die Aufnahme,! die diese Institution von Seiten des Publikums! gefunden, so müssen wir beim Durchlesen des er-! wähnten Rechenschaftsberichtes mit freudiger Ge-! nugthuung erfüllt werden und die Ueberzeugung; gewinnen, daß der Verein sehr viel Ersprießliches! leistet. Die Ziele des Talmud-Thora-Vereins sind,! jungen Leuten, die sich dem Lehrfache oder dem i Kaufmannsstande widmen, die für ihren zukünftigen! Beruf notwendige gediegene Vorbildung in der deutschen, französischen und englischen Sprache und in allen nöthigen Wissensgegenständen beizubringen und ihnen aber zugleich und hauptsächlich eine solch gründliche religiöse Bildung zu verschaffen, die sie nicht nur befähigt, selbstständig aus dem reichen Borne der jüdischen Literatur zu schöpfen, I sondern die auch zugleich auf ihren Charakter derart bestimmend einzuwirken sucht, daß aus ihnen dereinst echte von aufrichtiger Gottesfurcht durchdrungene Jehudim werden. Für die Erfüllung dieses großen und erhabenen Zieles hat der Verein im abglaufenen Jahre in sehr anerkennenswerther Weise gewirkt. In der Talmud-Thora-Schule wurden im verflossenen Sommer 35 auswärtige Zöglinge aus den verschiedensten Gegenden Bayerns und des Auslandes unterrichtet. Der Rechenschafts-

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