Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 38 (21.9.1876)
- Date
- 1876-09-21
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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890 Vagabonden spricht, ist es selbstverständlich, daß man nur die Juden meint. In diesem Sinne sind auch die ministeriellen Instructionen unmittelbar daraus von dem Polizeichef von Focschan, H. I. Dimiu, ausgelegt worden; derselbe ließ bei Empfang des Circulars 8 Israeliten, die keinen Paß halten, am Halse aneinander gekettet, nach dem Orte ihrer Bestimmung transportiren; ferner schrieb derselbe an die israelitische Gemeinde, daß sie ihm innerhalb l2 Stunden eine Liste sämmtlicher Israeliten von Focschan mit Vor- und Zunamen einreiche, damit er, wie er sagte, dadurch die Vagabonden unterscheiden könne; die Gemeinde weigerte sich, dieser ungesetzlichen Forderung nachzukommen, und wandte sich mit einer Reclamation an den Minister. H. Vernescu antwortete nicht, und am 5. Juli fanden neue Verhaftungen statt; 9 andere Israeliten, sämmtlich Rumänen oder in Rumänien domilicirt, wurden wie Verbrecher in eisernen Ketten fortgeschleppt; mehrere betrieben ein Handwerk, alle verdienten sich ihr Brvd; einige producirten ihre Quittungen über gezahlte Steuern, Alles vergebens. Diese Thatsachen und das ministerielle Circular, dessen Commemar sie sind, beweisen hinlänglich, wie die rumänische Regierung in Betreff der Israeliten den Handelsvertrag und die in diesem Vertrage erwähnten Polizeigesetze anzuwenden versteht. Diese Gesetze verbieten nämlich ausdrücklich jede Ausweisung, die nicht von den Gerichten erkannt worden ist. Der Art. 2i8 des ländlichen Polizeigesetzes (Lrrafgesetzb. Titel III., Theil II) lautet: „Niemand kann anders als durch gerichtliches Erkenntnis als Vagabond erklärt werden", und der Art. 220 fügt hinzu : „Die Fremden, welche das Gesetz als Vagabonden erklärt, können gleichfalls aus gewiesen werden". Aber wahrscheinlich schützt dieses Gesetz nach Ansicht der rumänischen Regierung die Israeliten nicht, die sie gewohnheitsmäßig auf dem Verwaltungswege austreibt. (Die Israeliten der Türkei.) Eine Tbatsache, die dem Jndenthum von Smyrna zur Ehre gereicht, wird dein C.-Comite gemeldet. Ein vor Smyrna ftationirtes österreichisches Dampfboot bugsirte neulich 2 Barken, die 100 Leute von der Mannschaft trugen; das Wetter war sehr stürmisch, das Boot schlug um und mit ihm die beiden Barken, die es bugsirte. Mehrere Menschen sollten untergehen, als?0 in einem nahe gelegenen Depot beschäftigte israelitische Arbeiter sich sofort, vollständig bekleidet, in's Meer warfen; sie hatten das Glück, 5 Soldaten zu retten. Als hierauf der österreichische Generalconsul, H. v. Herzfeld, sie um Angabe ihrer Namen bat, um sie zu belohnen, schlugen sie jede Remuneration aus, indem sie erklärten , daß ste nur ihre Schuldigkeit gethan, wenn sie ihres Gleichen zu Hilfe gekomme^, und daß sie außerdem nicht vergessen hätten, wie sehr die Israeliten von Smyrna Oesterreich für sein schönes Verhalten gegen sie bei den Erneuten von 1872 zu Danke verpflichtet seien. Das C.-Comit6 hat auf seine, an den Präsidenten der Vereinigten Staaten Amerikas aus Anlaß der Centennialfeier derselben gerichtete Adresse folgende Antwort erhalten: Paris. Gesandtschaft der Vereinigten Staaten, 2. August 1876. Mein Herr! Der Präsident der Vereinigten Staaten hat das Glückwunschschreiben erhallen, das die Central-Commission der israelitischen „Alliance" aus Anlaß der hundertjährigen Feier unserer Unabhängigkeit an ihn gerichtet hat, und ich bin beauftragt, Ihnen hierfür zu danken. Der Präsident ist von den Gefühlen, die dieses Schreiben ausdrückt, gerührt gewesen; es war ihm besonders angenehm, zu sehen, daß die von den Israeliten in den Vereinigten Staaten erzielten Fortschritte und das Gedeihendessen sie sich erfreuen, als ein Beweis betrachte: werden von der polnischen Freiheit, der religiösen Toleranz und jener wahren Gleichberechtigung, die bei uns das Privilegium aller Welt ist. Der Präsident nährt die Hoffnung, daß im zweiten Jahrhundert unserer Geschichte dieselbe Freiheit, dieselbe Toleranz, dieselbe Gleichheit mit allen Consequenzen, die daraus folgen, das Loos Ihrer Glaubensgenossen in der ganzen Welt werden wird. In Ihrer Eigenschaft als Präsident der israelitischen Commission wollen Sie, mein Herr, der Dolmetscher dieser Gefühle bei Ihren Glaubensgenossen sein, und empfangen Sie mit dem Ausdrucke meiner Sympathien für die Sache der Freiheit und Toleranz, deren eifriger und berühmter Apostel Sie sind, die Versicherung der Hochachtung, die mir Ihr Charakter einflößt, sowie meine herzlichsten Grüße. Der außerordentliche Gesandte und bevollmächtigte Minister der Vereinigten Staaten in Frankreich: (Gez.) E. B. Washburn. Feuilleton. Proselyteu. Von Friedrich Rott. XVIII. Es ward ihm in der That nicht schwer, im Hause des Commerzienraths Zutritt zu erlangen;