Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 38 (21.9.1876)
- Date
- 1876-09-21
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Rede sein kann; „Herausgeber" ist, wie bemerkt. das Docentencollegium des Rabbiner- Seminars; die „Wochenschrift" schien demnach dürftig informirt zu sein. Berlin. Herr I)r. Zuckermandel, Herausgeber der Tosefta, ist zum Rabbiner nach Pa sein al! berufen. Türkei. Konstantinopel Der neue Sultan Hamid soll sct'vn eine Verfügung getroffen haben, welche die höchste Anerkennung verdient. Die türkische Regierung bediente sich nämlich bis fetzt amtlich des Ausdruckes: Muselmann und Christen. Das hat ausgesehen, als hätte die Türkei keine jüdische Unterthanen. Nunmehr wurde angeordnet, daß in einem Ausruf an das Volk entweder „Muselmann und Nicht-Muselmann" oder „Muselmann^ Christen und Israeliten" gesagt werden soll, damit die Juden nicht zurückgesetzt bleiben. Konstantinopel. Unter den Deputationen, die den neuen Sultan Hamid zu seiner Thronbesteigung beglückwünschten, befand sich auch eine von den Israeliten in Konstantinopel, mit dem Ober- Nabbiner Chacham Baschi an der Spitze. Sultan Hamid soll bei dieser Gelegenheit die Zusicherung gegeben haben, zur Gleichberechtigung der Juden sein Möglichstes beizutragen. Feuilleton. Thrrcsa ii. Einige Tage nachher machte Baron Hohenacker von der ihm ertheilten Erlaubniß Gebrauch. Herr Bernstein war im Geschäfte thätig; Theresa empfing den vornehmen Gast in Gesellschaft einer Cousine ihres Vaters, die dem Bernsteinschen Haushalte Vorstand. „Mein Fräulein," sogt der Baron, nachdem die üblichen Begrüßungen vorüber, waren und Theresa dem Besucher die Cousine vorgestellt hatte, „ich fühle mich ganz außerordentlich angeregt, durch all' das Neue und Schöne, was Sie mir mitzutheilen die Güte hatten. Ich habe oft und viel mit Künstlern und Künstlerinnen verkehrt und noch nie über das eigentliche Wesen der Kunst so Bedeutendes gehört wie von Ihnen." Theresa schwieg eine Zeit lang. Nach einer Pause sagte sie: „„Soll ich das, Herr Baron, was Sie da Schmeichelhaftes aussprechen, als ein Compliment betrachten und erröthend sagen: Sie beschämen s mich?! Nein, ich fühle eS selbst, daß Alles, was dem Geiste unserer heiligen Religion entspringt, "mag es wiedergeben wer es sei, immer etwas Be- , deutendes ist, wa» seines Eindruckes nie verfehlt."" „O, daß ich sie nicht kenne, diese Religion, von der Sie so begeistert sind!" „ ..Und warum wollen Sie dieselbe nicht kennen lernen?"" „Meinen Sie, daß es mir möglich wäre, mich ' in Fesseln zu schlagen, die zu tragen ich niemals gewöhnt worden bin? Ich hasse überhaupt jede! Fessel, jede; ich liebe nichts mehr als die Freiheit. > Sehen Sie, Fräulein Bernstein, ich bin von früher Kindheit an darauf hingewiesen worden, jede been- 1 gende Fessel zu hassen. Mein armer Vater liebte die Freiheit über Alles; trotzdem hatte er sich überreden lassen, die Fessel der Ehe zu tragen. Meine Mutter war eine schöne, gebildete, geistreiche, liebenswürdige Dame; sie liebte meinen Vater unaussprechlich. Allein, gerade diese allzugroße Liebe wurde die Quelle unsäglicher Zwietracht; denn! noch größer als die Liebe meiner Mutter w x ihre i Eifersucht. In dieser Leidenschaft vergaß sie alle Rücksichten, und sy wurde ich als Knabe schon Zeuge der widerwärtigsten Scenen, die mir die Kindheit verbitterten." > „„Das muß für ein Kind das Schrecklichste sein, Diejenigen entzweit zu sehen, die es mit glei- ' cher Liebe lieben sollte."" „Ich stand stets auf der Seite meines Vaters. Daß dieser die eigentliche Schuld an dem Zer-! würfnisse trug, davon hatte ich damals keine Ahnung; ich sah nur die Ausbrüche der Leidenschaft der Mutter, hörte die bitteren Zornesworte, mit denen sie den Vater überschüttete .... Ich war zehn Jahre alt, als meine Mutter starb — wie die : Leute sagen — am gebrochenen Herzen. Nach ih-! rem Tode ging mit dem Vater eine merkwürdige; Umwandlung vor; er machte sich die bittersten > Vorwürfe und klagte sich an, den frühen Tod seiner Frau verschuldet zu haben. Er siechte dahin und starb drei Jahre nachher. So war ich mit; dreizehn Jahren verwaist, ein Knabe mit verbiti tertem Gemüthe und tristen Lebensanschauungen, der Erbe eines fürstlichen Vermögens. Meine! Vormünder schickten mich weit fort in die Fremde, damit ich einen heiteren Lebensmuth gewinne. Es , gelang. Ich habe in meinen Jünglingsjahren nachl geholt, was ich an Freude und Lust in der Kind-! heit versäumt hatte. Von der Religion der Väter