Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 38 (21.9.1876)
- Date
- 1876-09-21
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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886 Möhringen hätte dieser Reductionsgrundsatz angewendet werden sollen, statt es ein ganzes Jahr vacant zu lassen. — In einer der größeren Stadtgemeinden soll eine Anzahl von Unterschriften zu der Eingabe des Ulmer Lesevereins im Wege der Kolportage nur dadurch erlangt worden sein, daß man den Unterzeichnern darlgte, die Petition bezwecke, das Wahlrecht der Gemeinden bei Besetzung von Rabbinatsstellen zu erringen, unbrauchbare Herren zu entfernen und die Rabbinen mit ihren Stellvertretern aus dem Kirchenvorsteheramte zu verdrängen, in welchem sie ex officio Vorsitz und Stimme haben. Das ist der einzige Puuct, in welchem die radicale Reform mit der württ. Orthodoxie übereinstimmt. Herr Alexander Pflaum, Chef des Bankhauses Pflaum u. Co., Kgl. Sächsischer Consul, Mitglied der Stuttgarter Handels- und Gewerbekammer und der Jsr. Oberkirchenbehörde re. rc. ist von Sr. Maj. dem König zum Commerzienrath ernannt worden. Die Gemeinde Cattttstatt feiert am 's '2? die Einweihung ihrer Synagoge. Nach dem einfachen Programm wird am Freitag der nmc: und Abschiedsgottesdienst im seitherigen Locale stattfinden und Herr Kirchenrath Dr. Wassermann die Festpredigt halten, wach welcher der Freitagabendgottesdienst mit Chorbegleitung folgt. Zu der Feier sind die kirchlichen und bürgerlichen Behörden der Stadt und der Nachbargemeinde Stuttgart geladen. Banket, Reunion und Ball (!!) werden die Tage verschönern und erheitern. — Aus den Synagogenstühlen sollen beim Verkauf 36,000 Mk. erlöst worden sein. Diese Gemeinde existirt erst seit wenigen Jahren und zählt jetzt 60 Familien. Aus Baden. Die isr. Lehrer des Auslandes, welche Lust tragen sollten, um badische Religionsschul- und Vorsängerstellen sich zu bewerben, werden von Folgendem in Kenntniß gesetzt: Durch Beschluß Großherzoglichen Oberraths der Israeliten vom 15. August 1876 Nr. 4^8 j wurde dem Lehrer und Vorsänger Em. Tausig aus i Jungferteinitz auf die Bitte des Synagogenrathes zu Offenburg v. 9. Aug d. I. die 'einstweilige Versetzung der Religionsschule daselbst unter der Bedingung übertragen, daß Lehrer Tausig 1) binnen 6 Mondten sich das bad. Staatsbürgerrecht erwirbt, und 2) die durch den § 30 des Schulgesetzes vom 6. März zum Zwecke der Aufnahme unter die bad. Volksschulkandidaten vorgeschriebene Prüfung besteht. Aus Baden. In Schmie heim ist die Rabbinatsstelle zu besetzen; wie wir hören, hat ein Schüler des Breslauer Seminars bereits dort gepredigt; es wäre im Interesse des gesetzestreüen Judenthums zu bedauern, wenn dieser Bezirk, der aus religiösen Gemeinden besteht, der Juste-Milieu- Richtung anheimsiele. Möge sich der Rabbrnatsbezirk Schmie Heim-Offenburg einen Mann von echter, altjüdischer Gesinnung berufen, wenn er nicht dem Jndifferentismus zugeführt werden will. ' W. Berlin, 12. Sopt/ Die Nachricht von der Auflösung der Schocharetob-Gemeinde bestätigt sich nicht; der Vorstand hat sie als böswillige Erfindung bezeichnet; wie wir hören, wird Herr Dr. Nascher, der kürzlich seine Wirksamkeit mit einem — 1SO.1 auf Frankel, Geiger und Low, „das Dreigestirn am Firmamente des Judenthums" (am P2») begonnen hat und dann wieder nach Hause reiste, während der hohen Feiertage wieder als Prediger fungiren. — Eine polnisch-jüdische Gesellschaft trat schon eine Zeit lang in einem Vaudeville - Theater auf und gab da allerlei jüdische Gesänge, unter Anderem cj'bv D18122 in spottender Weise zum Besten. Auf eine Eingabe des Herrn Dr. Barth und des Schreibers dieser Zeilen (denen davon Mittheilung gemacht worden war) an das Königliche Polizei- Präsidium, ist den ihre eigene Religion zum Gespötte machenden Polen das Handwerk gelegt worden. Gerade als sie im Thaliatheater wieder „Scholaum Aleichem" beginnen wollten, wurde es von der Polizei inhibirt. — Beim Wagnercultus in Bayreuth haben sich auch zwei hiesige Juden ausgezeichnet; der Eine, ein gewisser Pringsheim, warf einem Manne, der an der Unfehlbarkeit des Musikheiligen einen leisen Zweifel zu hegen wagte, ein bayrisch Bierseidel in's Antlitz; der Andere, Herr Davidsohn, Mitarbeiter des „Börsencourier", brachte Wagner ein Hoch aus. Eine Charakterisirung bedarf dies Benehmen von Juden dem ausgesprochensten Judenseinde gegenüber, nicht. Berlin. Eine Bemerkung der „Jsr. Wchschr." über die zu Ehren des Hildesheimer - Jubiläums edirte Festschrift, „Migdal Chananel" ist nicht ganz richtig. Es heißt dort, sie fei vom „Verfasser" zu beziehen; dem gegenüber wollen wir hervorheben, daß hebräische Einleitung und Bemerkungen von Herrn Dr. H 0 ff mann, die deutsche von Herrn Dr. Berliner geschrieben, das Ganze nur die Herausgabe eines Manuskriptes ist, daher von einem „Verfasser" durchaus keine