Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 38 (21.9.1876)
- Date
- 1876-09-21
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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884 Religionsgemeinschaft (dem Jndenthume) bleibt eS bei den Bestimmungen des Gesetzes vom 14. Mai 1873, betreffend den Austritt aus der Kirche. Die nach § 6 Lit. b. des gegenwärtigen Gesetzes den auS einer Synagogengemeinde ausgetretenen Juden obliegende besondere Verpflichtung wird durch den nachträglichen Austritt derselben aus dem Judenthume aufgehoben. § 10. Alle diesem Gesetze entgegenstehenden Bestimmungen werden hierdurch außer Kraft gesetzt. § 11. Der Minister des Innern und der Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medicinalangelegenheiten sind mit der Ausführung dieses Gesetzes beauftragt. Urkundlich unter Unserer Höchsteigenhändigen Unterschrift und beigedrucktem Königlichen Jnsiegel. Gegeben Wildbad Gaftein, den 28. Juli 1876. (L. S.) Wilhel m. Fürst von Bismarck. Campausen. Graf zu Eulenburg. Leonhardt. Falk. v. Kamecke. Achenbach. Friedenthal. Hofmann. Die /kier der 2Whr. Rabbiner-Jubiläums des Herr» Dr. Israel Hildesheimer. Bon S. M. (Schluß.) Berlin, im September 1876. Hierauf verlas Herr Rabbiner vr. Cohn (früher Landrabbiner von Mecklenburg-Schwerin) eine Adresse im Aufträge des Seminarcuratoriums und daran anknüpfend zeigte er, sich an die Hörer des Seminars wendend, „wie ein Rabbiner sein soll". Unter Zugrundelegung des Verses Tnrn ruus« rn. „den Weg des Glaubens habe ich mir erwählt," warf er einen Blick auf den Lebensweg des Jubilars und zeigte, wie er die dreifache Bedeutung des Wortes „Emunah" zur Richtschnur seines Handelns gemacht habe. vr. Hildesheimer habe mit aller'Kraft darnach gestrebt und dafür gekämpft, daß der Glaube der Väter in seiner ursprünglichen Reinheit erhalten, vor jeder frevlen Antastung bewahrt geblieben sei. Daß dies uralte Heiligthum nicht von dem verderbenbringenden Gifthauch reformistischer Bestrebungen beeinflußt werde, dafür lebte und strebte der Jubilar. Obwohl er auch die Manifestationen des geläuterten Zeitbewußtseins als Zeugnisse edler Bildung und Gesittung begrüßte, so stand es doch bei ihm fest, daß sie die Basis des Glaubens nicht berühren dürften und daher rief er allen dahingehenden Bestrebungen die Warnung entgegen: jmji ins nocpn, „Hütet Euch, den heiligen Gottesberg des Glaubens zu besteigen oder auch nur seine Umzäunung anzutasten". „Menschenwitz darf die Gotteshöhe des jüdischen Glaubens nicht verletzen." Durch die beseligende Macht des Glaubens habe vr. Hildesheimer, indem er Glaube und Wissen harmonisch vereint, den Spruch unserer Weisen: ntyiy mira poiyn bp noo '?& n’^dsi ntyö bv wbas s'2 oiW, in herrlicher Weise bewährt und bestätigt. Die Wahrheit habe der Jubilar nicht in der mit jedem Zeitalter, gleich einer Münze das Gepräge wechselnden Zeitwahrheit, sondern in der ewigen, das Sigel des ewigen Gottes tragenden Wahrheit der Thora gefunden und zu verbreiten gesucht. Treu habe er in jeder Hinsicht auf der Warte gestanden und wo man seiner bedurft, da sei er ohne Zögern segenbringend erschienen. vr. Cohn schloß die durch gewählte Sprache besonders ausgezeichnete Rede mit den lebhaftesten Wünschen um das weitere, segensreiche Wirken des Jubilars. vr. Hildesheimer sprach darauf für so viele Beweise der Liebe seinen tiefgefühltesten Dank aus und fügte hinzu, er könne das von ihm und seiner Wirksamkeit Gesagte nur unter dem Gesichtspunkte misy.i nppbpo rnn» hinnehmen. — Am Sonntag, den 3. September, fand zunächst die Feier Seitens der Religionsschule statt. Herr vr. Cahn sprach als Vertreter des Lehrer- Collegiums und legte den Schülern die Bedeutung des Tages in warmen Worten an's Herz. Eine frühere Schülerin überreichte, nachdem sie den Gefühlen der Dankbarkeit beredten Ausdruck verliehen, eine schön gearbeitete Kidduschdecke. Nachdem noch mehrere Gedichte vorgetragen worden, schloß die Feier mit einer Ansprache eines Seleetaners der Religionsschule. Unmittelbar daran reihte sich die Feier der auswärtigen Schüler des Jubilars, als deren Vertreter Rabbiner vr. Horowitz aus Gnesen sprach. Der Hauptgedanke seiner Rede war, daß es die Aufgabe des Judenthums sei, das Zeitliche mit dem Ewigen durch den Glauben zu verbinden und ersteres letzterem dienstbar zu machen. Das Judenthum zeige hierzu den richtigen Weg, indem es auch das Zeitliche des Geistes in sein Bereich zieht und ihm dev Tribut für das Ewige abzugewinnen sucht. Dieser Auffassung der Aufgabe des Judenthums habe der Jubilar eine Pflanzstätte gegründet und sie zur Blüthe gebracht. Hierauf überreichte Herr vr. Horowitz im Namen vieler Scyüler des Jubilars er» en kunstvoll gearbeiteten silbernen Chanukahleuchter und ein Prachtalbum mit den Photographien