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Der Israelit · 1876-09-13 · Heft 37 (13.9.1876) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 37 (13.9.1876)
Date
1876-09-13
Page
– (sequence 18)
Language
German
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874 nachfolgender kleinen Notiz zu ersuchen; ich hoffe dadurch im Interesse unserer Gemeinde eineAendcrung der religiösen Verhältnisse herbeizuführen. Seit der Berufung des Herrn Dr. Levin nach Nürnberg sind wir ohne Leiter und Führer; wir haben weder Geistlichen noch Vorstand, wir sind njn orß unsere Kinder wachsen ohne genügenden Religionsunterricht auf und betrübt muß Jeder, dem an unserer jüdischen Gemeinde gelegen ist, in die Zukunft blicken. Möchten doch die Männer, die Einfluß und auch noch Gottesfurcht im Herzen haben — und an solchen fehlt es G. s. D. nicht —, aufstehen und die Gemeinde aus dem Jndifferentismus erwecken. Möge es Gott bald bessern! Frankreich. Paris. (Monatsbericht Juli und August der „All. Univ.") (Die Israeliten von Marocco.) Das C- Comite hat über Mordscenen, die neulich im Judenquartier zu Alcazar ftattgefunden haben, folgende Einzelheiten erfahren: Am 5. Juni lief ein fanatischer Muselmann durch die Straßen des Judenquartiers, indem er, einen Dolch in der Hand schwingend, ausrief: Muselmänner, rächen wir uns an unseren Feinden! Er schlug nach einander 11 Israeliten nieder, von denen 2 ihren Wunden bereits erlegen sind. Einer derselben hatte, obgleich verwundet, den Mörder ergriffen und rief um Hilfe, aber keiner der zahlreich anwesenden Araber wollte diesem Hilferufe Gehör schenken. Hier die Namen der Opfer: 1. Moses Abecasis aus Tanger, 20 Jahre alt, aus wohlhabender Familie, hielt sich in Alcazar Geschäfte halber auf und war zwar von dem Wächter eines Fondak (einer Art Waarenmagazin), der ihm Waaren gestohlen hatte und zur Rückerstattung verurtheilt worden war, ohnehin schwer bedroht worden, man glaubt jedoch trotzdem und obgleich er zuerst überfallen worden, daß es, lediglich der Fanatismus gewesen, der den Arm des Mörders bewaffnet hat. 2. Salomo Levy, in seinem eigenen Hause überfallen, erlag seinen Wunden und hinterläßt eine Wittwe mit 4 Kindern. Derselbe war ein wegen seiner Rechtschaffenheit bekannter Mann, der sich in guten Verhältnissen befand; sein Vater war ebenfalls ermordet worden. 3. Azar Saraga, arm, ernährte von seiner Arbeit eine Familie von 8 Personen. 4. Rahel Biton, ein junges Mädchen von 16 Jahren, ist gleichfalls gestorben, sie war die Stütze ihrer kränklichen Mutter und 4 kleiner minderjährigen Schwestern. 5. Jakob Serfaty, Seifensieder, hat eine Familie von 7 Personen zu ernähren und ist mittellos. 6. Aahia Siverdy, arm, unverheirathet, eben erst aus Tetuan gekommen, sein Leben schwebt in Gefahr. 7. Amram Saraga, arm, Vater von 7 Kindern, die nur von seiner Arbeit leben. 8. Azar Sebaj. Sohn jenes zu Muarha im vorigen Jahre ermordeten Sebaj, unverheirathet, hat 5 kleine Brüder zu ernähren; seine Lage ist traurig. 9. Judah Hadad, wurde am Tage nach seiner Hochzeit verwundet und bestohlen. 10. Salomon Levy aus Gibraltar, englischer Unterthan, befand sich auf der Durchreise in Alcazar, wurde leicht verwundet. 11) Ein unbekannter Mann, von dem man nur weiß, daß es ein Armer ist. Mit Ausnahme des Salom. Levy aus Gibraltar und des M. Abecasis, der unter americanischer Protection steht, genießt keines der genannten Opfer den Schutz einer auswärtigen Macht. Bei der ersten Nachricht von diesen Vorfällen begaben sich sofort die HH. Andrea Guagnino, Viceconful der Vereinigten Staaten und Italiens, und Forde, interimistischer Viceconful Englands zu Larache, mit dem dortigen Arzte, H. Juan de Vera, nach Alcazar und forderten den Pascha von Larache, der sich gerade in Alcazar befand, auf, ihnen Garantien gegen jeden Angriff auf das Leben und Eigenthum ihrer Schutzbefohlen und der Europäer überhaupt zu geben; der spanische Viceconful von Larache, der sich gleichfalls auf den Schauplatz des Verbrechens begeben hatte, unterstützte diese Forderung und warf dem Pascha seinen Mangel an Aufsicht und Wachsamkeit vor. Der Mörder wurde arretirt, geprügelt und gefangen gesetzt, und ebenso sein vermeintlicher Anstifter. Entschädigungsgelder wurden für diejenigen der Opfer gefordert, die unter auswärtigem Schutze stehen, aber man hofft, daß die Familien der 9 übrigen, deren Ernährer verwundet oder getödtet sind und die sich in großer Bedürftigkeit befinden, gleichfalls eine gerechte Entschädigung erhalten werden. Was man jedoch vor Allem erwarten muß, ist eine dem Verbrechen entsprechende Bestrafung desselben, ohne welche das Leben der Israeliten von Alcazar, deren Zahl ca. 2500 beträgt, in steter Gefahr wäre. Alcazar, das 4 Meilen von Larache, 14 von Tanger und 24 von Fez entfernt liegt, ist eine offene Stadt, ohne Pglizei, den Ueberfällen seitens der ringsumher wohnenden Gebirgsvölker, wie den Gewaltthätigkeiten der eigenen Bewohner---

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