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Der Israelit · 1876-09-13 · Heft 37 (13.9.1876) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 37 (13.9.1876)
Date
1876-09-13
Page
– (sequence 11)
Language
German
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867 „Eppes herzliches möcht ihr gut thon," erwiderte ihr Mann für sie. Helene öffnete eines der mitgebrachten Gläser, hob vorsichtig den Kopf der Leidenden ein wenig und reichte ihr einen Löffel von den eingesottenen Früchten. „Ach gut is dos." flüsterte erquickt die Kranke und öffnete aus einen Moment die müden Augenlider. „„Darf ich Ihnen noch etwas davon geben'?"" fragte Helene ganz glücklich. „Wenn Sie wollen von der Gite sein, Freiten leben", erwiderte der Pole, „es hat dem armen Weib weiß Gott gut» gethon," und ehe das junge Mädchen es verhindern konnte, hatte er ihren Aermel an seine Lippen gedrückt. „Glicklich sein Ihne Ihr Tat und Ihre Mamme, Freilen leben, de so ein choschewe Tochter haben." Ein tiefer Seufzer hob Helenens Busen: „„Ich habe keine Eltern mehr"", sagte sie leise. Dann erkundigte sie sich, ob der Arzt schon dagewesen, wie er die Patientin gefunden und welche Anordnungen er getroffen und ersuchte die Wittwe nochmals. Alles auf's genaueste zu befolgen und die Kranke nach besten Kräften zu pflegen. „Morgen Mittag werde ich wieder ein bischen nachschauen und wie ist's", fügte sie lächelnd hinzu, „werden sie mir morgen meine Börse abnehmen?" „„Was soll mer sagen, was soll mer thon, wie kann mer Ihnen danken, Freilen leben? — Hakkodeschborchhü soll Se losten leben hundert und zwanzik Johr und dribber." " „Am besten könnten Sie mir danken", erwiderte das junge Mädchen, „wenn Sie von dem Wenigen, was ich thue, gar nicht reden, es ist ja in der That nicht der Rede werth. Kennen Sie meinen Namen, Frau Levi?" „„Herr Werner hat ihn gestern genannt."" „Herr Werner, ja, ja, ich erinnere mich. Aber beste Frau Levi, ich bitte Sie sehr, erwähnen Sie gegen Niemanden meiner Besuche bei Ihnen." „„Wie Sie befehlen, gnädiges Fräulein,"" versetzte die Wittwe nicht ohne Befangenheit, denn sie hatte in der That schon gegen mehrere ihrer Bekannten der seltenen Güte Helenens erwähnt; diese mißdeutete jedoch ihren scheuen Blick und dunkele Röthe überzog ihre Wangen. „Frau Levi," sagte sie, „ich bin vollkommen berechtigt, das zu thun, was ich thue. Aber ich weiß, daß eS den Intentionen meines Vormunds nicht entspricht und würde eS daher nur zu unangenehmen Erörterungen führen, wenn er von meiner Handlungsweise Kenntniß erhielte." „„Seien Sie unbesorgt, Fräulein, von mir aus wird der Herr Commerzienrath nichts erfahren. Wäre es Ihnen vielleicht auch angenehm, wenn ich Herrn Werner Ihren Wunsch mittheilte?"" „Freilich, freilich, das wäre mir sehr erwünscht." „„Wenn man den Esel nennt, kommt er gerennt. Ich her Einen die Stiegen herauftaufen; geben Sie Acht, Freilen, das ist der Werner."" Helene stauauf. „Es ist Zeit, daß wir uns auf den Weg machen; komm, Susanne. Auf Wiedersehen, Frau Levi!" sie nickte auch dem Polen freundlich zu. warf noch einen Blick auf die Kranke und schritt, gefolgt von ihrer Dienerin, der Thüre zu. Doch der Pole hatte sich nicht geirrt; derjenige, dessen Begegnung sie in mädchenhafter Schüchternheit hatte vermeiden wollen, trat ihr auf der Schwelle entgegen. Werner verneigte sich achtungsvoll, Helene dankte erröthend und entfernte sich eiligst. Sie hatte durch ihre Güte so wie durch ihr freundlich theilnehmendes Wesen die Zurückbleibenden so für sich eingenommen, daß namentlich der Pole noch ganz gerührt war. „Herr Wernerleben." rief er diesem entgegen, „hätten 4ve gekumme e Vertelscho ender, Se hätte beigewohnt, wos mer net siebt alle Tag." „„Wie geht es Ihrer Frau?"" fragte Werner. „„Fräulein von Mosbach hat Sie wohl auch besucht?'•" „,,Der Euberschte soll sich merachem sein; der meinigen geht es net gut. Aber Se fragen, ob das Freilen se hot besucht — wie haßt besucht. Wos die Mad an ihr gethon — hetten Se gekummen e Vertelscho ender." " Auch die Wittwe erging sich in warmen Lobeserhebungen über das junge Mädchen und theilte Werner Helenen's Wunsch mit, ihre Besuche möglichst geheim gehalten zu sehen. Der Pole erging sich noch immer in bewundernden Expektorationen. „So ne Mad, so e Freilen! so fan und so güt — mecht se not net sein mechallel Schabbes." „„Wie können Sie so reden,"" fiel Frau Levi ein. „„Sie kennen doch ihren Vormund, den Commerzienrath Mühlheim, haben Sie vielleicht geglaubt, daß der Mann jüdisch lebt, oder daß er das Fräulein jüdisch lernen läßt? was kann nun das arme Kind dafür, wenn sie nicht weiß, was man nicht thun darf."" „Gerecht sein Se, in Wohrhet, Se sein gerecht; de Mad kann nix dafir. Mecht nor Hakodeschborechhü ihr schicke Emüneh. — S' is so güt, so fan, so güt." Auch Werner begann sich auf's Lebhafteste für das junge Mädchen zu interessiren, das die

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