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Der Israelit · 1876-09-13 · Heft 37 (13.9.1876) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 37 (13.9.1876)
Date
1876-09-13
Page
– (sequence 10)
Language
German
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866 Kapitel liefert die „Jüdische Presse" mit der folgenden Geschichte: „Den Juden in Bosnien wurde von Seiten der türkischen Regierung nahe gelegt, daß man von ihnen die Ausrüstung von Freiwilligen erwarte. Sie waren dazu sogleich bereit und sammelten vorläufig 5000 Frcs., die drei von ihnen dem Kadi überbringen sollten. Unterwegs wurde die Deputation von türkischen Horden angefallen und des Geldes beraubt. Sie kamen vor den Kadi, erzählten ihm ihr Mißgeschick und verlangten Untersuchung und Bestrafung der Schuldigen. Doch daran war nicht zu denken. Der allgewaltige Kadi erklärte ihnen zunächst, daß sie nur „Hundesöhne" seien und Gerechtigkeit nicht zu beanspruchen hätten; dann aber sollten sie sich augenblicklich packen und Geld herbeischaffen, sonst sei die Bastonade ihr Loos. Was sollten sie thun? Sie gingen betrübten Herzens von dannen und unternahmen zum zweiten Mal den bitteren Sammelgang. Sie brachten abermals 5OO0Frcs. zusammen, verlangten aber diesmal von dem Kadi sicheres Geleite. Dieser schickte auch einige Mann Baschi-Bozuks und Rediss, welche sogleich ein Geschrei nach Baschkisch (Trinkgeld) erhoben. Sie erhielten es und brachten die Juden glücklich vor den Kadi. Unter seiner Leibwache erkannten die Ausgeplünderten einige von den Räubern und machten den Kadi darauf aufmerksam, wurden aber mit Schimpf und Schande zum Hause hinausgeworfen und davon gejagt. Dieser Fall ließe sich jetzt, da das ganze Land durch den Krieg unsicher ist, schon erklären und würde daraufhin noch kein Urtheil über die allgemeine Lage der Juden in der Türkei gefällt werden können. Indessen steht fest, daß auch inFrtedenszeiten die Subalternbeamten das Aussaugesystem kräftig handhaben. So z. B. werden die Steuern öfter erhoben, das Geld in Empfang genommen und darüber Quittung ausgestellt. Nach kurzer Zeit jedoch erhalten die Steuerzahler die abermalige Aufforderung, ihre Steuer zu entrichten. Kommen sie dann mit ihren Quittungen, so werden sie ihnen einfach weggenommen und zerrissen. So zahlt mancher türkische Jude seine Steuer jährlich zwei- und dreifach; wohin das Geld fließt, kann man sich denken. — Außerdem sind die Judenhetzen, die bisweilen in den türkischen Provinzen — aber vorzugsweise von den griechischen Christen, den Schützlingen der „christlichen Mächte" — wegen angeblicher Christenblutverzapfung in Scene gesetzt werden, gerade auch kein Beweis, daß die israelitischen Unterthanen der Türkei ruhig unter ihrem Weinstocke und Feigenbäume wohnen können. Freilich geschieht dies Alles — das müssen wir ausdrücklich bemerken — gegen die türkischen Gesetze; das ist aber daSBedauernswerthe, daß die Gesetze so wenig beobachtet werden und daß die Türkei nicht die Macht hat oder, wenn sie sie hat, nicht zeigt, um den Gesetzen die gebührende Achtung zu verschaffen. WaS nützt uns der Verfassungsentwurf Midhat Pascha's, der vollständige Gleichberechtigung verheißt, da wir ja wissen, daß nicht Alles ausgeführt wird, was in solchen Entwürfen steht und sich auf dem Papier recht schön ausnimmt. Die Theorie kann da nicht helfen; energische Praxis ist erforderlich. Amerika. New-Nork. Herr B. F. Peixottv ist in Washington vom Präsidenten Grant und Staatssecretär Fish mit der größten Ehre empfangen worden. Derselbe beabsichtigt ein Buch herauszugeben, in welchem er seine Erlebnisse in Rumänien veröffentlichen wird. Feuilleton. Proselytku. Von Friedrich Rott. XVII. Es war in der Mittagsstunde des folgenden Tages, als Helene, begleitet von ihrer treuen Dienerin, die Wohnung der Wittwe Levi wieder betrat. Die Wittwe und der Pole waren eben im Begriff, ein einfaches Mahl zu sich zu nehmen, während die Kranke noch wie am vorigen Tage mit geschlossenen Augen dalag. Beim Eintritt der jungen Wohlthäterin erhoben sie sich achtungsvoll und waren nicht zu bewegen, ihre Mahlzeit fortzusetzen. Helene bat dringend, die Speisen doch nicht kalt werden zu lassen. „Kann nix kalt wer'rr. Freilenleben" erwiderte der Pole, „heit an Schabbes kaudesch kenn mer hie nix Warmes habn." Das junge Mädchen sah ihn befremdet an. „„Was meinen Sie?"" fragte sie. Die Wittwe erklärte es ihr. Staunend wie gestern schüttelte sie die prachtvollen Locken. „„Seltsame Gebräuche — in der That seltsam."" Da regte sich die Kranke und Helene eilte zu ihrem Bette, sich nach ihrem Befinden und nach ihren Wünschen zu erkundigen.

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