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Der Israelit · 1876-09-13 · Heft 37 (13.9.1876) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 37 (13.9.1876)
Date
1876-09-13
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XYII. Jahrgang. Erste Beilage j« Ar. 37 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Osfenbach, 24. Aug. Die Stadtverordneten haben, um das Andenken des Herrn I. Speyer dahier zu ehren, dem s. Z. die Naumann'sche Besitzung zustand und der durch milde Stiftungen, die er zu Gunsten der israelitischen Gemeinde Offenbachs und Bürgels gemacht, sich ein bleibendes Denkmal gesetzt hat, in ihrer letzten Sitzung beschlossen, daß künftig die Stiftstraße den Namen „Speyerstraße" führen soll. Aus Anerkennung hierfür hat Herr Isaak Rüben Ellisen, ein in Frankfurt wohnender Enkel des Genannten, den Armen Offenbachs ein Geschenk von 300 Mark gemacht. Oberfiein, Fürstenthum Birkenfeld, 25).Juli. Es dürfte nicht uninteressant für die Leser Ihres geschätzten Blattes sein zu erfahren, daß die Lehrer unseres Ländchens bei der Landtagswahl (es werden vier Abgeordnete von Birkenfeld zum Landtage gewählt) einen Lehrer zum Abgeordneten in Oldenburg durchgebracht haben; ja, ein Lehrer ist Landtagsabgeordneter und zudem ist dieser Lehrer noch — Jude. Das waren zwei dicke Steine des Anstoßes — Lehrer — Jude — allein wir waren rührig thätig, haben bei den Urwahlen gethg^, was wir thun konnten und brachten wir dabei so viele Lehrerurwähler durch, daß man nachher bei der Landtagswghl wohl ihnen einen Kandidaten zugestehen mußte. Zwar war das erstemal die Wahl dieses Lehrers verworfen worden, weil sich eine Urwahl als ungiltig erwiesen, doch bei der am 21. d. stattgefundenen Ersatzwahl wurde der jüdische Lehrer Eppstein wieder gewählt; von den abgegebenen 62 Stimmen erhielt der Lehrer 36, ein Justizrath 24, ein Bürgermeister 2 Stimmen. Bemerken muß ich noch, daß uns trotz dieses glänzenden Resultats der Sieg nicht leicht gemacht wurde. Wohl lächelte man uns zu von ein und der andern Seite. — sonst irgendwo charmirt die liberale Partei wohl ähnlich — wie viel aber da zu erwarten ist, hat die Erfahrung gelehrt; zu diesen passiven Freunden gesellten sich noch aktive Feinde, mehrere Bürgermeister hatten in ihren Bezirken die Ordre ausgegeben, ja keinen Lehrer zu wählen, aber trotz die-! ser starken Gegenagitation haben wir gesiegt und freuen uns daher doppelt dieses Sieges. Ich weiß nicht, ob es anderwärts schwerer! sein sollte, Lehrer als Abgeordnete durchzubringen,! glaube aber, anderwärts würden die Lehrer auch! in den Abgeordnetenhäusern vertreten sein, wenn > sie nur ernstlich wollten. (Päd. Zig.) Oesterr.-Ungar. Monarchie. Lemberg. Bei der in Janow bei Lemberg vorgenommenen Bürgermeister - Wahl wurde unser Glaubensgenosse, Herr Markus Richter, einstimmig zum Bürgermeister gewählt. Herr Richter ist einer der angesehensten Bürger dieses Ortes und fungirte schon drei Jahre als Vice - Bürgermeister zur Zufriedenheit der Einwohnerschaft. Türkei. lieber das allerdings unerschöpfliche Thema der türkischen Schandwirthschaft in Bosnien meldet die „Corr. Gall." u. A.: „Selbst wenn Oesterreich die Herzegowina oder Bosnien nicht erwerben sollte, so wird es dennoch einen nach Hunderttausenden zählenden Einwohnerzuwachs erhalten. Alles was da unten kann, rennet, rettet, flüchtet, und zwar zumeist unter die Fittiche des kaiserlichen Doppeladlers. In erster Linie sind es die bosnischen Juden, welche das dortige Regiment satt haben und innerhalb der schwarz-gelben Grenzpfähle ihr Heil suchen. Diese Juden waren trotz vielfacher Bedrückungen stets loyale llnterthanen der Pforte, sie spendeten Beiträge zur Ausrüstung des Heeres, zur Werbung von Freiwilligen; jedoch wurden immer neue Anforderungen gestellt, welche von der Judenschaft am Ende nicht mehr geleistet werden konnten. Da änderte sich plötzlich die Szene. Die Juden wurden aufgefordert, eine Schutzwache aus ihrer Mitte zu organisiren, um Haus und Hof vor den herumziehenden Horden zu schützen. Ungerne selbstverständlich ließen sich circa 300 bosnische und bulgarische Juden herbei, eine solche Art von National-Garde zu bilden. Kaum waren die Leute beisammen und hatten sich Gewehre um ihr eigenes Geld verschafft und sich auf eigene Kosten ädjustirt, so wurde ihnen eröffnet, daß sie als „Freiwillige" auf den Kriegsschauplatz abgehen müssen. Vergebens war alles Protestiren, Bitten und Flehen der zumeist verheiratheten Männer mit Familien. Eine Kompagnie Nizams eskortirte die traurige Schaar an die Grenze." Einen noch interessanteren Beitrag zu diesem

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