Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 37 (13.9.1876)
- Date
- 1876-09-13
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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863 gängnissen, insbesondere von der Verzierung mit Blumen fernerhin abzusehen und auf die sonst überall bei Juden gebräuchliche Einfachheit bei solchen Gelegenheiten wieder zurückzukehren, hat ihre gute Wirkung gethan, und öfters liest man bei Todesanzeigen die Bemerkung „keine Blumen." Es war an der Zeit, daß es so gekommen ist, oft konnten Leute mittleren Standes die großen Ausgaben nicht mehr bestreiten, denn nicht blos die Särge wurden geschmückt, sondern auch das Todtenzimmer wurde in einen Blumensaal verwandelt. Unsere Institutionen, die hebräische Wohlthätigkeitsgesellschaft, das Berg-Sinai-Hospital, die Freibegräbniß-Gesellschaft und die hebräische Freischule haben laut Testament des schon vor mehreren Jahren gestorbenen Lewis Phillips je 15,000 Dollars erhalten. (Hebrew.) Washington. Herr B. F. Peixotto hat seine Stelle als Consul der Vereinigten Staaten in Bukarest niedergelegt. Es ist nicht anzunehmen, daß dieser Posten von der amerikanischen Regierung wieder besetzt werden wird, da er speciell für Herrn Peixotto in der edlen Absicht gegründet worden war, daß es demselben vielleicht gelingen werde, der Emancipation der rumänischen Juden Vorschub zu leisten. Afrika. Migiet* Dies er Tage verließ, wie „Un. Jsr." berichtet, eine isr. Frau, 102 Jahre alt, in Begleitung eines jungen Rabbiners, der ihr als Führer dient, unsere Stadt, um sich in Jerusalem niederzulassen. Eine große Menge Israeliten, besonders viele Frauen, umringten diese hochbetagte Frau bei ihrer Abreise. Auch aus London wird von „Jew. Chr." von einer jüd. Frau, welche am 25. August 1776 geboren, berichtet, die sich noch des Gebrauchs aller ihrer Sinne erfreut. Dran. Ein tragisches und seltenes Ereigniß kam neulich dahier vor. Zwei Knaben zankten sich beim Ausgang aus der Schule; der Eine, Nissim Kalfe erhielt einen Schlag und fiel dadurch so unglücklich auf einen Stein, daß er todt liegen blieb; der Andere, Serruya, der keinesfalls diesen beklagenswerthen Fall beabsichtigte, wurde arretirt und erlag auch bald darauf den heftigen auf ihn einstürmenden Gemüths-Erschütternngen. (Univ. JSr.) Feuilleton. Thrrrsa. i. In den Sälen des reichen Banquier Meyerstein in Wien war eine gewählte Gesellschaft versammelt. Es war eine musikalische Soiree, und ein berühmter Clavier-Virtuose hatte soeben durch sein meisterhaftes Spiel das anwesende Publikum entzückt. „Sie lieben die Musik sehr, Fräulein Bernstein?" fragte ein junger Herr eine neben ihm sitzende junge Dame, auf deren Gesicht die Begeisterung für das Ebengehörte deutlich zu lesen war. „„Gewiß, Herr Baron,"" antwortete die Angeredete. „„Ich liebe die erhabene Kunst, die unsere edelsten und schönsten Gefühle in so wunderbarer Weise anzuregen versteht. Auch muß wohl eine Kunst liebenswerth sein, welche von unserer heiligen Religion so hoch geschätzt wird."" „Sie setzen mich in Erstaunen, mein Fräulein," entgegnete Baron Hohenacker, „es ist das erste Mal, daß ich höre, daß die Religion Israels die Musik hochschätzt. Im Gegentheil, ich höre überall, daß die orthodoxen Juden sich der Einführung der Instrumental-Musik be.m Gottesdienste und namentlich der Einführung der Orgel widersetzen. Wenn also das Judenthum, wie Sie sagen, die Musik hochfchätzt, so sollten sich gerade die strenggläubigen Juden bestreben, dieselbe beim Gottesdienste zu verwerthen." „„Das ist ein eigenthümlicher Schluß, Herr Baron, und — Sie verzeihen — ein nicht ganz richtiger. Sie wissen wahrscheinlich, daß die Religion Israels einen Opfer-Cultus vorschreibt, und doch würde jeder wahrhafte Jude sich der Einführung des Opfer-Cultus in die Synagoge widersetzen."" „Ah, Sie sind ja eine wahrhafte Theologin, mein Fräulein! Ich, ich habe von der Religion meiner Väter sehr, sehr wenig erfahren. Früh verwaist wurde ich von meinen Vormündern in ein nichtjüdisches Pensionat nach Brüssel gesandt, dann habe ich einige Jahre in Paris meiner weitern Ausbildung gelebt. In dieser ganzen Zeit bin ich wenig mit Juden in Berührung gekommen. Erst seit meiner Rückkehr in die Heimath habe ich die alten Freundschafts - und Familienbande wieder zu erneuern gesucht." „„Ich bemitleide Sie von Herzen, HerrBaron!"" „Sie bemitleiden mich? Ich dächte, ich wäre doch nicht gerade in einer erbarmungswürdigen Lage!"