Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 36 (6.9.1876)
- Date
- 1876-09-06
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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842 des Himmels und ihre Bewohner jeglicher Confession theilhast werden lassen der irdischen und geistigen Segnungen des Volkes, dessen Gott der Ewige ist." Ferner an die Juden in New-Aork: „Wenn wir weise genug sind, den besten Gebrauch von dem Glücke zu machen, welches uns zu Theil geworden ist, so kann es nicht fehlen, daß wir unter gerechter Regierung ein großes und gutes Volk werden. Die Bürger der Vereinigten Staaten können sich mit Recht freuen, daß sie der Welt ein Beispiel gegeben haben von einer erleuchteten und freisinnigen Politik. Alle besitzen gleiche Gewissensfreiheit und Bürgerrechte. Man spricht nun nicht mehr von Toleranz, als ob es die Gunst der einen Klasse des Volkes sei, welche der anderen die Uebung ihrer natürlichen Rechte gestattet. Denn die Regierung der Vereinigten Staaten gibt zum Glück der Bigotterie keine Sanktion, der Verfolgung keinen Beistand und verlangt lediglich, daß die unter ihrem Schutze Lebenden sich als gute Bürger betragen. Ich gestehe offenherzig, daß mich Ihre günstige Meinung über meine Verwaltung und Ihre warmen Glückwünsche erfreut haben. Mögen die Nachkommen von Abrahams Stamm, welche in diesem Lande leben, fortwährend das Wohlwollen der anderen Einwohner verdienen und genießen, während jeder sicher fitze unter seinem Weinstock und Feigenbaum, daß Niemand ihn schrecke. Möge der Vater aller Gnaden Licht und nicht Finsterniß auf unsere Pfade streuen und uns Alle, jeden in seinem Berufe, nützlich machen hier und zu der von Ihm bestimmten Zeit und Wege ewig glückselig. George Washington." Feuilleton. Eia Wort au drn Minister. Helgoland, im August. Unter obigem Titel wurde unlängst auf der hiesigen Bühne ein kleines Stück gegeben, welches eine Episode aus der jüdischen Geschichte zur Vorstellung bringt und dessen Sujet die Leser Ihrer geschätzten Zeitschrift interessiren wird; ich werde mich darauf beschränken, den Inhalt desselben kurz wieverzugeben, indem ich alle Liebesscenen und sonstiges Beiwerk weglasse. Es war zur Zeit der Kaiserin Maria Theresia, da Fürst Kaunitz als mächtigster Mann im ganzen Kaiserreich regierte. Obwohl die Kaiserin nie etwas that, ohne vorher den Ministerrath gehört zu haben, so sprach doch in diesem stets Kaunitz das entscheidende Wort. Selbst Kaiser Franz, der Gemahl der hohen Frau, welcher dem Ministerrath regelmäßig anwohnte, konnte nie etwas durchsetzen, wenn Fürst Kaunitz entgegengesetzter Ansicht war. Die Juden waren damals in Wien nur tolerirt, und stets schwebte das Damoklesschwert der Verbannung über ihren Häuptern. Der geringste Anlaß war dazu geeignet, einen kaiserlichen Befehl hervorzurufen, der sie und ihre Familien in Elend und Verderben stürzen konnte. Dann mußten sie ihre Häuser für einen geringen Preis verkaufen, ihre Geschäfte aufgeben und sich eine andere Heimath suchen. Daß die Juden Alles aufboten, um einem so schrecklichen Schicksale zu entgehen. ist selbstverständlich. Sie erkauften daher mit schwerem Gelde die Schreiber in den kaiserlichen Kanzleien , damit ihnen immer von irgend welchem Schritte gegen sie rechtzeitig Kunde würde. Wiederum einmal war es einem Judenfeinde gelungen, einen Be'ehl zur Austreibung der Israeliten aus Wien zu erwirken. Der Befehl sollte dem Ministerrath vorgelegt und von der Kaiserin bestätigt werden. Da erhielten die Juden Kunde davon. Die angesehensten Männer unter ihnen eilten zu den Ministern und baten und flehten um ihre Verwendung. Es gelang ihnen, sie alle zu gewinnen. Den Einen bewogen Geschenke, den Andern Versprechungen, der Dritte fühlte Erbarmen ob des drohenden Elends, das die Vorsteher der Judenschaft in den lebhaftesten Farben zu schildern nicht verfehlten. Selbst der Kaiser empfand Mitleid und versprach sich für die Unglücklichen zu verwenden. Nur Einer war es, zu dem kein Jude vorzudringen vermochte. Fürst Kaunitz hatte den strengsten Befehl gegeben, keinen Juden bei ihm vorzulassen, und was half es den Armen, daß Alle, Alle für Sie waren, wenn Kaunitz gegen sie auftrat? Sprach er und doch nur er das entscheidende Wort! Verzweiflung im Herzen, ging der erste Vorsteher der israelitischen Gemeinde^zu Wien, der ebenso reiche wie gelehrte und kluge Banquier Oppenheim, vor dem Palaste des Fürsten auf und ab. Heute sollte ein Ministerrath unter dem Vorsitze der Kaiserin abgehalten, heute sollte die Angelegenheit der Wiener Juden entschieden werden! Und noch immer war es nicht möglich gewesen, zum Fürsten Kaunitz vorzudringen! Tiefer Schmerz sprach sich in dem edlen und schönen Gesichte des Greises aus. Binnen vierundzwanzig Stunden, so lautete das schon gefertigte Rescript, von welchem Oppenheim eine Abschrift besaß, sollten die Juden Wien verlassen. Ihre unbewegliche Habe, ihre reichen Ausstände, wurden dadurch werthlos.