Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 36 (6.9.1876)
- Date
- 1876-09-06
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2446951-2447645-2447679--12883-2468727- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Oradea 1× ep/1002404
OCR text
841 Pefth. Bezüglich der Mittheilungen über den gefangenen Osman Pascha bringe« die Zeitungen noch Folgendes: Frau vr. Kornstein in Groß- Wardein wandte sich brieflich an das Ministerium des Aeußern mit der Anfrage, ob Osman Pascha wirklich identisch mit Wolf * FarkaS sei und erhielt dieser Tage folgende Antwort: „Gnädige Frau! In Erwiderung Ihres am 4. d. an Se. Excellenz den Minister des Aeußern Grafen Julius Andrassy gerichteten Schreibens beehre ich mich, Ihnen mitzutheilen, daß der in der Schlacht von Vrbica durch dre Montenegriner gefangene Osman Pascha laut einer an das Ministerium deS "'eußern gelangten Mittheilung tscherkeffischer Abstammung sei, und demnach die von unseren vaterländischen Blättern gebrachte Nachricht, daß OSman Pascha mit dem im Jahre 1849 emigrirten Oberlieutenant FarkaS (Wolf) identisch ist, auf einem Jrrthum beruht. Genehmigen Sie rc. Wien, 8. August 1876. Emerich Pechy, Präsidial-Sekretär." Pefth, 22. August. Gegen den BezirkSnotär Georg Roth zu Groß-Mayendorf (im Preßburger Comitat) ist eine Strafuntersuchung wegen Mißbrauchs der Amtsgewalt anhängig, und zwar aus folgendem Anlaß: Der Groß-Magendorfer Rabbiner, MoseS Katz, verweigerte die gesetzliche Verkündigung eines Brautpaares, weil er erfahren hatte,-die Braut sei schwanger, und der Bräutigam, welcher ein Kohen, dürfe, nach mosaischem Recht, als Abkömmling des Hohenpriesters Aaron nicht „eine Gefallene'" heirathen. Auf dringendes Bitten des Brautvaters und des Bräutigams ließ nun der genannte Notär, nach geschehener und erfolgloser Aufforderung an den Rabbiner, die Verkündigung statt im jüdischen Tempel durch den Gemeinde- Ausrufer unter Trommelschhag auf dem Marktplatze vollziehen, und da nach jüdischem Eherechte nicht gerade ein Rabbiner die Trauuung vollziehen muß, bediente man sich hierzu eines simplen Hausirers, welcherdie betreffende Gebetformel nur mit einiger Nachhilfe lesen konnte. Im Laufe der Untersuchung wurde der Preßburger Ober-Rabbiner, Schreiber, als Sachverständiger vernommen, und dieser erklärte, daß nach israelitischem Eherechte die Unterlassung der Ehe-Verkündigung durch einen Rabbiner die Giltigkeit einer geschlossinen Ehe, wenn sonst keine Hindernisse vorhanden waren, nicht zerstören könne. Ueber die Giltigkeit einer nicht vor dem Rabbiner geschlossenen Ehe urtheilt von Fall zu Fall der kompetente Rabbiner. Im Allgemeinen könne^ aber auch eine solche Ehe nicht für ungiltig erklärt werden. Türkei. Kynftanttnppel, 24. August. Bekanntlich war der jetzt gegen Tschernajeff kämpfende türkische Feldherr Achmed Eyub Pascha bis vor Kurzem Militär-Gouverneur der türkischen Provinz Jemen in Süd-Ärabien, und hatte derselbe auch dort schon Gelegenheit, seine Tapferkeit und fein umsichtiges Feldherrntalent zu bewähren. So trieb er die gegen die türkische Herrschaft rebellirenden Beni Haschid-Stämme zu Paaren und eroberte auch deren Hauptstadt El Krwra. Nicht wenig Ungelegenheiten bereitete diesem Feldherrn auch ein jüdischer Lehrer in dem Dorfe Siral, unweit der Stadt Mariba. der kein geringeres Ziel verfolgte, als sich zum Fürsten der Juden Süd- Arabiens aufzuwerfen und dort einen unabhängigen jüdischen Staat zu gründen. Derselbe, Namens Suleimann Jschaki, vulgo „Sukar Kuchal“ (Süß-Gefärbter) war Lehrer bei der jüdischen Gemeinde im genannten Dorfe und beschäftigte sich hier auch sehr fleißig mit dem Studium der jüdischen Mystik, der Kabbala nämlich. Da kam ihm plötzlich der Gedanke, sich zum Vermittler zwischen Judenthum und Islam aufzuwerfen und beide Religionen in eine einzige umzugießen. Merkwürdiger Weise fand er bei den Juden fast gar kein Gehör, wohl aber bei den Arabern, die ungemein begeistert für diesen neuen „lUssul Allah4' (göttlichen Sendboten) waren. Zuletzt gab er sich sogar für den von seinen Glaubensgenossen erwarteten Messias aus und versprach Letzteren, sie bald * in das Land der Väter zurückzuführeu. Aber auch dieses Versprechen vermochte nicht, die Juden Arabiens zu verlocken. Die türkische Regierung jedoch, der das Treiben dieses Mannes ichon ein wenig zu bunt zu werden anfing, befahl dem Statthalter von Jemen, denselben unschädlich zu machen, worauf Achmed Eyub Pascha eine Abtheilung Soldaten gegen den Messias und sein Gefolge abschickte, die ihn auch gefangen nahmen. Sukar Kuchal schmachtet heute im Gefängnisse der Stadt Mariba, und dürfte ihm schon die Lust vergangen sein, nochmals die Rolle eines Messias zu spielen. Amerika. Retv-Novk. Aus Anlaß der Jubelfeier bringen amerikanische Blätter Antwortschreiben Washingtons auf Adressen jüd. Einwohner der Union. Er schrieb vor hundert Jahren den Juden in Savannah: „Möge die allweise Gottheit, welche einst die Hebräer aus egyptischerSclaverei befreite, sie in's gelobte Land verpflanzte, und jetzt sich in Gründung dieser Vereinigten Staaten als unabhängige Nation mächtig erwiesen hat, sie ferner beglücken mit dem Thau