Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 35 (30.8.1876)
- Date
- 1876-08-30
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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819 die österreichisch - ungarischen Unterthanen hier im Lande frei Handel treiben dürfen; in Erwägung schließlich, daß aus dem bisher Gesagten zur Evidenz hervorgeht, daß (wie bereits gesagt) nur die Oesterreicher und die Ungarn ausnahmsweise das Recht haben, Immobilien in Rumänien zu kaufen, nicht aber auch die Juden, die dem österreichischungarischen Staate angehören, als Leute die keine Christen sind (sie!), und nach Anhörung der Schlußfolgerungen des Staatsanwalts verwirft der Gerichtshof das Gesuch der Herren Bohokoi und Lichter, laut welchem Ersterer in seiner Eigenschaft als Rechtsanwalt des Herrn Veduvoi dem Letzteren ein in der Stadt Galatz gelegenes unbewegliches Gut verkaufen will. Frankreich. Paris. Herr S. Bloch, Chefredacteur des „Univ. Jsr ", hat sich im vorigen Monat in Aachen zu einer Badekur aufgehalten. In Nr. 23 und 24 des genannten Blattes erzählt er seine Erlebnisse daselbst und bespricht die jüdisch-religiösen Zustände dieser Stadt, sowie die in der dortigen Synagoge eingeführten Reformen. Bei dieser Gelegenheit läßt er sich über diejenigen deutschen Rabbinen, die aus der Breslauer Schule hervorgegangen, folgendermaßen aus: Diese Rabbinen bezeugen bei jeder Gelegenheit einen tiefen Respect, eine Verehrung ohne Grenze, man könnte sagen eine wahrhafte Anbetung für das Andenken ihres verstorbenen Lehrers, des Oberrabbiners Zacharias Frankel nznu'? i jrm Dieser berühmte Lehrer in Israel hat gewiß in seiner Synagoge keinerlei Modificationen der isr. Tradition eingeführt, welche aber seine Schüler dulden, sanctioniren und gar selbst in ihren Tempeln einführen. Sie haben seinen Unterricht empfangen und folgen nicht seinem Beispiel. Sie trüben sein Andenken und beleidigen es, anstatt durch Fortsetzung seiner religiösen Gebräuche es zu ehren. Wissen sie denn nicht, daß unsere Weisen sagen: d-dp enicr 121 nhd \t, „Fürchte deinen Lehrer wie du Gott fürchtest?" und diese Furcht besteht hauptsächlich in dem Gehorsam auf sein Wort und in der Befolgung seines Beispiels im Leben. Gerade in dieser Hinsicht verschulden sich viele Schüler des verstorbenen Seminardirectors zu Breslau. Mögen sie dann doch aufhören, seinen Ruhm in Prosa und in Versen zu besingen. Seine Seele, die bei Gotj. ruht, spricht wahrscheinlich zu ihnen mit den Worten des Propheten: 21 '1 no1?. „Wozu Eure zahlreichen Lobsprüche? omn nnjn 12’oin *6 ’ffs: nw® bietet mir nicht mehr Weihrauch von schlechter Qualität. Ich mißbillige die Art, wie Ihr die Feiertage des Herrn feiert, ich verabscheue alle Eure Neuerungen in dem Cultus, von welchem Ihr die Wacht und die Verantwortlichkeit habt."! Sie fügt vielleicht hinzu: cn-r>* 2 tei: -2, ich be- : reue, daß ich sie gemacht — zu Rabbinen. Feuilleton. Aus vormäylicher Zeit! Unsere Jugend, die jetzt so frei und glücklich! in die Welt hinausschaut, weiß wenig von den > Leiden und den Kümmernissen ergangener Zeiten, j und thut sehr Unrecht daran, wenn sie die Freiheit! besser zu verstehen glaubt, als das Alter, das doch! die Gegensätze kennt und sie darum auch besser zu würdigen weiß. Frei sein, ist Glück, frei werden, die höchste Seeligkeit! Keine Klasse der Gesellschaft wird das oben Angeführte besser verstehen, als die Juden, die Schmerzenskinder der vormärzlichen Zeit, die größten Wohlthäter der Menschheit, die Freiheit und Civilisation zuerst der Welt gebracht, und zum Lohne dafür, nur Hohn und Spott, und' eine jahrhundertelange Sclaverei ernteten! Nachfolgendes Geschichtchen, > herausgegriffen aus vielen tausenden, mag dem geneigten Leser dieses geschätzten Blattes, als Jllu- I stration zur obiger Behauptung dienen. Samstag Nachmittag war es, und die ganze jüdische Gemeinde des mährischen Städtchens B.. das sich durch eine große jüdische Einwohnerschaft und durch einen noch größeren Judenhaß unter der christlichen Bevölkerung auszeichnete, lag in Morpheus Armen, um auszuruhen von den Sorgen und Mühen der Woche. War ja der Schlaf das Einzige, was der arme müdegehetzte Jude steuerj frei haben durfte! Auch Abraham Grünberg und! feine Ehehälfte Sara wiegten sich im süßen Schlum-! mer. Er träumte so süß von der morgigen Vorj standssißtzung, wo möglicherweise über die „Familien^ verhandelt werden wird, wahrend sie von dem Hochzeitsstaate ihrer Tochter und allen möglichen Leckerbissen des Hochzeitsschmauses träumte. Und so oft sich dieser Traum auch schon j wiederholte, denn Esther war nicht etwa seit einigen Wochen oder Monaten, sondern feit vollen 7 Jahren Braut, so unerquicklich auch stets das Erwachen aus demselben, immer spannen sie denselben wachend weiter, und der Refräin ihrer Gespräche war immer: „Wo nehmen wir doch die! „Familienstelle" her fürSalomon?" Salomon war I der Bräutigrm und hatte die berechtigsten An-! spräche an eine „Familie." Nur wenige von den geschätzten Lesern dieses Blattes werden wissen, daß dieses Wort in der vormärzlichen Zeit bei den Juden Mährens noch eine ganz andere Bedeutung .hatte, als die gewöhnliche. Und eine schwerwiegende, verhängnißvolle Bedeutung hatte cs! Mußte es doch in den meisten Fällen mit Geld ausgewogen werden und was noch trauriger, was