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Der Israelit · 1876-08-30 · Heft 35 (30.8.1876) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 35 (30.8.1876)
Date
1876-08-30
Page
– (sequence 3)
Language
German
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815 Chor und Orchesterbegleitung den Psalm 118 „Willkommen im Namen des Ewigen" anstimmte. Sodann intonirte der Vorsänger Herr Lewandowsky den Psalm 119 Vers 1—8 „Heil den Männern, die rechtschaffen leben." Als die hehren Klänge der Psalmodie verrauscht waren, bestieg der Herr Rabbiner vr. Herrmann Adler aus London die reich mit Blumen geschmückte, oon großen Palmen und tropischen Gewächsen flankirte Kanzel, von welcher der Jubilar seit 25 Jahren das Wort Gottes verkündet hatte. Der noch jugendliche Redner (ein Schwager des Herrn Dr. Stern) betonte. daß ihm der ehrenvolle Auftrag Seitens des Synagogen-Vorstanbes geworden sei, die Ansprache an den Jubilar zu halten. Gerne hätte sein Vater, Herr vr. Adler sen., Ober« und Landes-Rabbiner von Großbrittannien, von dieser Stelle das Wort an den Gefeierten gerichtet, wenn nicht sein hohes Alter ihn daran verhindert haben würde. Der geistliche Redner appellirte dann an die Nachsicht der Festverfammlung. da er,?eit seiner frühesten Kindheit in England, zum ersten Male in deutscher Sprache rede. In sehr gutem Deutsch, wenn auch mit etwas englischem Accent, skizzirte der Redner dann die Thätigkeit des Jubilars, „in einer Zeit der Gährung und des Conflicts, des Kampfes zwischen Altem und Neuem", pries den Ruhm der Synagogen-Gemeinde, „einer der größten und angesehensten im Reiche Israel", und das Renommö, das die Talmud - Thora-Schule weit und breit genieße und flehte schließlich den Segen Gottes herab auf den Jubilar und die Gemeinde. Die Rede bildete ein kurzes und gedrungenes und dabei treffliches Ganzes. Jetzt gespaunte Stille. Süßkind's Stimme erschallt, des vielgepriesenen Wundersängers. Alles lauscht entzückt seinem von Orchester- und Chorsätzen gefolgten Solo: Psalm 6X1 (Hallelujah, von ganzem Herzen danke stch dem Herrn). Der Mann verdient wirklich seinen Ruf. Die Stimme ist ein lyrischer Tenor von seltener Schönheit und Weichheit und einer Biegsamkeit und Coloratur, wie man sie nur selten bei Männerstimmen findet. Dabei wird der Klang der Stimme immer mächtiger, je höher sie steigt, und selbst die höchsten Töne quellen voll und kräftig hervor. Der Vortrag ist künstlerisch und edel. Diesem Psalm folgte die Festrede, gehalten vom Jubilar, Herrn Oberrabbiner A. Stern. In tiefer Ergriffenheit sprach er zuerst an der Bundeslade ein stilles Gebet und bestieg sodann die Kanzel. Zum Thema seiner Rede wählte er jenen Pfalmvers, mit dem er auch vor 25 Jahren seine Antrittsrede eingeleitet hatte: „Herr, öffne meine Lippen und mein Mund verkünde Dein Lob." j Redner sprach zuerst Gott seinen Dank aus, der ' ihn diesen denkwürdigen Tag erleben ließ, sodann j den Vertretern der höchsten Obrigkeit und Repräj sentanten unseres Staates, Sr. Maznificenz dem j allverehrten Bürgermeister uud Präsidenten des j hohen Senats, sowie dem Präsidenten der Bürger- I schaft für die hohe Auszeichnung, die sie ihm und diesem Feste durch ihre Gegenwart verliehen. Der Jubilar betonte sodann, daß ein solches gottesdienstliches Jubiläum in der Synagoge bis in die letzten Jahre eine noch nicht dagewesene Erscheinung in Israel gewesen sei, es könne nur dann wohlgefällig vom Herrn ausgenommen werden, wenn nicht der Person, sondern Gott dem Herrn die Ehre gegeben werde. Der Prediger dankte sodann seinem ehrwüdigen Collegen und theuren Angehörigeu aus London, der das Opfer einer großen und beschwerlichen Reise nicht gescheut, dachte mit Wehmuth der verstorbenen Vorsteher und Mitglieder der Gemeinde, die ihn umstanden, als er vor einem viertel Säculum sein Amt angetreten und warf dann einen längeren Rückblick auf seine Thätigkeit, „Kämpfe und Siege", sowie einen Vorausblick auf das, was ihm noch zu thun übrig bleibe. Der Herr Rabbiner verglich sich mit den Leviten, die sich 25 Jahre dem Gottesdienste weihen und dann in den Kamps ziehen mußten. Diesen Kampf werde er fortkämpfen sowohl gegen den inneren wie den äußeren Feind des Glaubens. Beschwerlich und mühevoll sei oft sein Weg gewesen, den er zu wandeln hatte in hiesiger Gemeinde, wo verschiedene religiöse Richtungen und innerhalb dieser Richtungen wieder eine ganze Leiter von Abstufungen existiren, wo die einen aufbauen, die anderen niederreißen wollen. Kraft zum Kampf und — Siege habe ihm aber nur der Glaube verliehen. Der Orator warf alsdann einen Blick auf die zahlreichen segensreichen Stiftungen und Institute des Synagogen-Verbandes, siebte den Segen Gottes herab auf Herrn H. S. Herz und dessen Grmahlin, die dieser Tage die Talmud- Thora-Schule mit einem so großartigen Capital (182,000 M.) bedachten und erwähnte, daß noch gestern Abend, gelegentlich der Vorfeier, mehrere Zöglinge der Talmud-Thora-Schule namhafte jährliche Beiträge zu Pensionen und Stipendien zusammengebracht und ihm die Ehre erwiesen hätten, der Stiftung seinen Namen beizulegen. Den Schluß der einstündigen Rede bildete ein Gebet für den Staat, die Gemeinde und die Anwesenden. Der Herr Oberrabbiner begab sich dann von der Kanzel auf die Estrade, wo am Sabbath aus der Bibelrvüe vorgelesen wird, und sprach dort bei offener Bundeslade das hebräische Gebet „Hanoten Teschuah" für den Hamburger Senat,

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