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Der Israelit · 1876-08-30 · Heft 35 (30.8.1876) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 35 (30.8.1876)
Date
1876-08-30
Page
– (sequence 2)
Language
German
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814 * ns,*’ n»v »;’2“ ->12; „Der wahre Held ist der, welcher seine Leidenschaft bezwingt." Er bringt seinen heiligen Grundsätzen ein Opfer, das um so schöner ist, jemehr Mühe und Selbstüberwindung es gekostet hat. Die Stunden der Versuchungen sind es, auf welche der Weise am Ende seiner Tage mit dem innigsten Entzücken zurücksieht; sie sind die treuesten Bürgen und Zeugen für die wahre Reife seines Geistes zu einer bessern Welt, zu höheren Bestimmungen. Sie sind es, deren Erinnerung ihn auf dem Sterbebette beseligt, so daß er ruhig den Blick in die Ewigkeit richten und sprechen kann: ich habe einen guten Kampf gekämpft! — So leicht der Rath gegeben, die Versuchung zu überwinden, so schwer ist er zu befolgen. Die Versuchung naht in den verschiedensten Gestalten, nur zu oft ihr häßliches Gesicht unter der schönsten Maske verbergend. Um die Versuchung würdig zu bestehen, muß der Mensch zunächst sich bemühen, seine fehlerhaften Neigungen und Gewohnheiten kennen zu lernen; denn ohne sie zu kennen, kann man sie nicht mit Glück bekämpfen. Hat aber der Mensch seine Fehler erkannt, dann soll er mit hohem Ernste beschließen, das Gegentheil von dem zu sein, was er vorher war, das Entgegengesetzte von dem zu thun, was seine bösen Neigungen von ihm begehren, und Alles zu vermeiden, was zur Sünde öder zum Fehltritt neuerdings reizen kann. Es ist nicht gerathen, den Reiz zur Sünde zu erregen, um ihn wieder zu dämpfen. Des Menschen Kraft ist gering, und er pflegt dann am schwächsten zu sein, wann er am stärksten zu sein glaubt. Der größte Held ist derjenige, welcher die Versuchung flieht. Bricht aber die Versuchung über Dich herein, dann ermanne Dich und rette Deine Besonnenheit! Lenke Deine Aufmerksamkeit auf andere Dinge, kehre mit Deinen Gedanken nicht auf den verführerischen Gegenstand zurück und fliehe den Ort, wo die Sünde begangen werden soll. Denke nicht, Du wollest nur einige leichte Züge des süßen Giftes thun aus dem Becher, den die Sünde Dir darbietet. Schon der erste Tropfen ist Gift, berauscht Dich und raubt Dich Dir selbst. Denk' an das allsehende Auge, das Dich immer sieht, denk', daß Dein Schöpfer jeden Deiner Gedanken liest, jedes Deiner Worte vernimmt und daß alle Deine Thaten unvergessen bleiben. — Denk' an das Grab, denk' an die Rechenschaft, die Du einst ablegen mußt. Denk' an die Reue, sie bleibt nie aus. Dein Vergehen umhüllt umsonst die Nacht — es kömmt das Tageslicht darüber. Du kaufst mit dem Genüsse eines Augenblickes den Jammer oder die Angst eines Jahres. Schmerzlich sind die Qualen der Reue oder der Scham; aber über Alles beseligend und erhebend ist der heitere Muth nach überstandenem Kampfe, nach errungenem Siege. . 'i unji dp norro!? «sn '2 „Wenn Du nur ausziehest zum Kampfe wider Deinen Feind, so wird Dir Gott zum Siege verhelfen und ihn überwunden geben in Deine Hand." Die /fitr des 25Mrigen JlratsjubHaums des Herrn Gbcrrabbincrs X Stern, *) veranstaltet vom Vorstände des deutsch-israel.Synagogen-Verbandes zu Hamburg, gestaltete sich heute (23. Aug.) in der Synagoge auf den Kohlhöfen zu einer imposanten Festlichkeit. Das schöne Kirchen-Gcbäude. ein Muster maurischen Styls, war von außen mit deutschen und hamburgischen Fahnen und Flaggen reich geschmückt. Der innere Raum der Synagoge bot einen großartigen Anblick. Das große Hauptschiff wie auch die Frauengallerien waren mit einer nach Tausenden zählenden, zumeist 6ii Gala gekleideten Menge besetzt. Für die eingeladenen Honoratioren, Gäste, Collegen des Jubilars, Vorstände hiesiger und benachbarter Jsraeliten-Gemeinden, Mitglieder der Presse, waren Plätze theils vor der Bundeslade und dem Almemor (Vorbeter-Estrade), theils in der ersten Reihe der Betplätze reservirt worden. In vorderster Linie der Gäste, direct vor der Bundeslade und der Predigerkanzel saßen Se. Magnistcenz der zweite Bürgermeister unserer Stadt, Herr Senator Dr. Weber, in vollem altspanischen Ornat und der Präsident der Bürgerschaft und des Obergerichts, Hr. Dr. Hermann' Baumeister', Mitglieder der Oberschulbehörde rc. Unter den geladenen Gästen befanden sich ferner der Oberrabbiner von Altona, err vr. Lob, der Rabbiner Wandsbecks, der orstand der hiesigen (reformirten) Tempel-Gemeinde rc. Etwas nach 10 Uhr wurde der Jubilar im Ornat von zwei Mitgliedern des Vorstandes eingeführt und an seinen Platz geleitet. Die ganze Versammlung erhob sich, während der Herr Öberrabbiner die .Reihen durchschritt. Die Jubel- Ouverture, vorgetragen von dem Orchester unseres Stadttheaters, * eröffnete die Feier, worauf einer der drei Vorsänger der Synagoge, Herr Werth - heimer, gleichfalls ein Veteran seines Amtes, mit *> ’.Kacf' Dem „Hamburger gremdmblati".

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