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Der Israelit · 1876-08-23 · Heft 34 (23.8.1876) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 34 (23.8.1876)
Date
1876-08-23
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Wie meinen Theodor so gibt'S keinen zweiten auf Erden. Der räth Dir nur, was gut und recht ist."" .,Jch werde den Vetter Binjamin herbeirufen," sagte Theodor. nicht jetzt/"" rief Johanna, „„nicht jetzt!"" „Doch, gleich jetzt, die Entscheidung drängt!" sagte Theodor lächelnd. Nach wenigen Minuten kehrte Theodor mit Binjamin zurück. Die beiden Damen trauten ihren Augen nicht, als sie in Begleitung Theodors den vermeintlichen Richard Lennoir erblickten. „Verzeihe, liebe Schwester," sagte zärtlich der Bruder, „daß ich Dein edles Herz ein klein wenig auf die Probe gestellt habe. Dieser Herr hier, Euch bisher unter dem Namen Richard Lennoir bekannt, ist unser Vetter Biujamin Hirscbfeld, der gekommen ist, um uns nicht allein unsere Millionen, sondern auch unser unschätzbares Juwel, unsere Johanna, zu rauben!" „„Du garstiger Bruder,"" rief Johanna, „„Du böser Mensch!"" und sielachte und weinte und mit ihr lachte und weinte die Mutter, und David Hirschfeld kam herbei und lachte und weinte mit ihnen, und auch Binjamin lachte und weinte, und so blieb Theodor wohl nichts Anderes übrig als dasselbe zu thun. In dem Gasthofe, in welchem Frau Lennoir abgestiegen war, wartete unterdeß diese sowohl wie Frau Carolina in großer Spannung auf Nachricht. Endlich stürmte Binjamin die Treppe herauf. „Meine lieben Mütter," rief er, „geliebte Mutter, geliebte Pflegemutter, ich bin der glücklichste Mensch auf Erden." Und dann fuhr er mit den beiden Matronen nach David Hirschfeld's Haus, und jetzt waren noch zwei da. die mit den andern abwechselnd lachen und weinen konnten — und siehe da, sie thaten es auch. Und dann rief ein Telegramm noch eine befreundete Familie von H. herbei. Rabbi Oscher Goldau kam mit seiner Frau und seiner guten, frommen, lieblichen Tochter Rebecka; noch denselben Abend wurde ein fröhliches Verlobungsfest gefeiert. Unsere Erzählung ist zu Ende; denn daß auf die fröhliche Verlobung eine noch fröhlichere Hochzeit folgte, brauchen wir nicht erst zu sagen, und daß zwei so edle, gute Menschen wie Binjamin und Johanna ein glückliches Paar wurden, versteht sich von selbst. Aber der Leser wird begierig sein, noch Einiges über die anderen Personen, die in unserer Geschichte thätig waren, zu erfahren. Die Nachricht, daß der längst verschollene und halbvergessene Binjamin Hirschfeld zurückgekehrt sei und daß ihm David die Hälfte seiner Reichthümer und seine ebenso schöne wie liebenswürdige Tochter Johanna gegeben, erregte das größte Aufsehen. Alle Welt bewunderte Davids Großmuth; noch mehr aber wurde seine Bescheidenheit gepriesen, mit der er jedes Lob, jede Anerkennung seines edlen Thuns ablehnte. Diesmal that das Lob der Welt ihm wehe. „O," dachte er, „wenn man den wahren Sachverhalt kennete! Er fühlte sich innerlich gebrochen und betrachtete sich nicht mehr als den Herrn seiner Reichthümer. Anders ging es Theodor; er war seit der Verlobung seiner Schwester wie umgewandelt. Fröhlich und wohlgemuth, war er zugleich sehr, sehr freigebig geworden, und als Binjamin ihn bat, sich als den Miteigenthümer des Vermögens zu betrachten, nahm er das großmüthige Anerbieten ohne sich zu sträuben, an. Er fand in Rabbi Oscher Goldau's ältester Tochter eine liebevolle und tugendhafte Gattin. Frau Lennoir zog nach F., um immer bei ihrem Pflegesohne zu sein. Binjamins Kinder hatten das seltene Glück, drei Großmütter zu haben; aber weder Binjamin noch Frau Lennoir duldeten es, daß die beiden wirklichen Großmütter die Kinder verzogen oder verzärtelten. Robert Heinzelmann blieb verschollen; man glaubt, daß er bei einem Ueberfall, den die Polizei gegen die Falschmünzer veranstaltete, umgekommen sei. Die gute Tante Babette wurde zu BinjaminS Hochzeit eingeladen und hatte die Freude, stch inmitten der Angehörigen ihres Neffen sehr wohl und behaglich zu fühlen. ,,O," rief sie ein übe^ daS andere Mal aus, „wenn das mein seliger Moses noch erlebt hätte!" Der alte, ehrwürdige Rabbiner von W. erlebte es noch zu seiner Freude, daß Brnjamin wieder in seine Rechte eingesetzt wurde. Er erzählte gern und oft von dem Prozesse, bei dem er den Ausschlag gegeben. „Es war Gottes Fügung," sagte er dann; „zu Binjamins Heile wurde ihm der Reichthum genommen; zur rechten Zeit wurde ihm wiedergegeben, was ihm gehörte. Gepriesen sei des Allmächtigen allwaltende Vorsehung." Hierzu zwei Beilagen. Verantwortliche Redaction: vr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. I. Gottsleben's Buchdruckerei m Mainz (Mainzer 'Anzeiger).

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