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Der Israelit · 1876-08-23 · Heft 34 (23.8.1876) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 34 (23.8.1876)
Date
1876-08-23
Page
– (sequence 7)
Language
German
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795 Ur ist nur ein einfaches Dorf, das zumeist von Kurden bewohnt ist, die alle den chaldäischen Dialekt, der bekanntlich auch die Umgangssprache der Erzväter war, sprechen. In diesem kurdischen Dorfe nun steht ein uraltes baufälliges Häuschen, das von Niemanden bewohnt wird und das schon vor Jahrhunderten als das Geburtshaus des Patriarchen Abraham ausgegeben wurde. Noch heute strömen viele Mohamedaner, Christen und Juden nach diesem Häuschen, um hier den Manen des Erzvaters ihre Huldigung darzubringen und sich durch ein Gebet seiner Fürsprache im Himmel zu empfehlen. Nach Verrichtung ihrer Andacht begeben sich dann die Pilger zu einem nahe bei diesem Häuschen befindlichen Brunnen, aus dem wahrscheinlich auch der Erzvater als Knabe Wasser geholt hatte, um sich hier an dem durch die Pietät heilig gewordenen „Naß" zu laben. Wie aus Aleppo berichtet wird, soll dieses historisch und archäologisch so berühmte Häuschen renovirt und neben demselben eine Moschee erbaut werden (Fr- Zeit) Ü nt i ( l e t o n. | inj«min. xxvr. Frau Sprinzchen saß mit ihrer Tochter, die ihr die Zeitung vorlas, im Wohnzimmer, als Theodor hereintrat. „Ich habe Euch sehr ernste Mittheilungen zu machen/' sagte er. „Unser Vetter Binjamin Hirsch - seid ist zurückgekehrt; das Testament seines Großvaters ist gefunden. Ich habe bereits den Inhalt desselben gelesen; ec hat seinen Sohn Philipp zum Universalerben etngesetzt und außerdem einige kleme Legate vermacht; darunter 5000 Gulden mir und 50u0 Gulden Dir, liebe Johanna. Der Vater wird nun das ganze Vermögen, bis auf die erwähnten 10,000 Gulden, dem Vetter Binjamin verabfolgen müssen, und wir werden von nun an und weiter in sehr bescheidenen Verhältnissen leben." „„Dann brauche ich doch wenigstens keine gtvßen Gesellschaften mehr zu geben,"" sagte Frau Sprinzchen resignirt „Und mich," rief Johanna fröhlich, „wird nun der Baron von Solmsfeld nicht mehr wollen! " «..Ihr Glücklichen,"" sagte Theodor lächelnd, „„nehmt die Sache sehr leicht; es gibt wohl wenige Menschen in der Welt, die so gleichmüthig ein fürstliches Vermögen verlieren."" „Ich bitte Dich, Theodor," rief Frau Sprinzchen lebhaft, „was für Glück hat uns bts heute der Reichthum gebracht? Du warst auf einmal wie umgewandelt, als wir reich wurden. Bis dahin ein fröhlicher, sorgloser Knabe, bist Du plötzlich ernst und traurig geworden. Ich, ich habe mich gar nicht behaglich gefühlt in der vornehmen Gesellschaft. Der Vater, o, das wißt Ihr nicht — er hat keinen ruhigen Schlaf mehr gehabt seit jener Zeit. Und Johanna, nun, die wollte' durchaus nicht Frau Baronin werden." „„Ihr mögt Recht haben,"" nahm Theodor wieder das Wort, „„aber der Vater würde sich doch sehr unglücklich fühlen, wenn er plötzlich all* dre großen Reichthümer herausgeben müßte. Da gibt es nun einen Ausweg. Es kann nämlich Alles auf's Beste arrangirt werden, wenn Binjamin unsere Johanna heirathet; er hat sich schon damit einverstanden erklärt."" Johanna erbleichte. „Er kennt mich ja gar nicht!" stammelte sie mühsam hervor. „„Das ist seine Sache,"" sagte Theodor, „„aber soviel kann ich Dir sagen, daß Vetter Binjamin ein gottesfürchtiger Jude ist. Die Gründe, die Du gegen Solmsfeld geltend machtest, fallen hier weg."" Johanna fing an zu weinen. „Ach, lieber Bruder," sagte sie, „es war nicht das allein, was mich gegenSolmSfeld einnahm... ich . . . ich . . ." „„Du siehst einen Andern gern,"" ergänzte Theodor. Johanna antwortete nicht, aber ihr Erröthen bestätigte Theodors Vermuthung. „Und dieser Andere ist Richard L nnoir," sagte er. Johanna widersprach nicht. „Geliebte Schwester," fing Theodor auf's Neue zu reden an. „wirst Du nicht Deinem Vater zu Liebe das Opfer bringen, Deinen Vetter Binjamin zu heirathen? Du weißt, daß ich immer für Dich eintrat, als Du Dich weigertest, Solmsfeld zu nehmen. Hier aber liegen die Verhältnisse anders. Hier gilt es, etwas zu verhüten, was Dein Vater tür ein entsetzliches Unglück halten würde; hier stehen auch nicht die religiösen Grundsätze hindernd im Wege." Johanna fiel weinend ihrer Mutter um den Hals. „Sag' Du, gute Mutter, was ich thun soll!" sagte sie schluchzend. „„Thue Du, liebes Kind,"" antwortete die Mutter, „„was Dein Bruder Dir zu thun räth.

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