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Der Israelit · 1876-08-23 · Heft 34 (23.8.1876) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 34 (23.8.1876)
Date
1876-08-23
Page
– (sequence 3)
Language
German
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791 das Wasser zähmt eS. Das Wasser ist schwer einzudämmeu; aber die Wolken tragen es durch die Lüfte. Die Wolken sind uns unerreichbar; allein der Wind vertreibt die Wolken. Der Sturm wirft Alles nieder; aber eine Mauer hält ihn auf. Die Mauer ist ein Hinderniß; aber der Mensch stürzt die Mauer. Der Mensch scheint unbesiegbar; aber der Kummer wirft ihn nieder. Der Kummer scheint allmächtig, aber der Wein vertreibt ihn. Wein und Kummer, Freude und Krankheit und den Menschen selbst aber trägt das Schlimmste weg: der Tod. Schlimmer als das Schlimmste, schlimmer als der Tod, ist nur Eines: ein böses Weib." Einen wunderbaren Zug weiblichen Heldenmuthes erzählt ein anderer Lehrer. Er befand sich auf der Fahrt nach Spanien mit seinem jungen, schönen Weibe. Da fällt das Schiff in die Hand von Seeräubern und der Führer Der Korsaren beleidigt die schöne Jüdin durch seine Anträge. Diese Wendel sich an ihren Gatten: „Kann Gott Jene retten, fragt sie, welche sich in's Meer stürzen?" Der Gatte antwortet durch einen Text aus den heiligen Schriften, der lautet: „Gott sprach, ich werde mein Volk aus den Tiefen des Meeres befreien." Bei diesen Worten stürzt das junge Weib sich in die Fluthen, um durch den Tod der Schande zu entgehen.*) Zu allen Zeiten waren die Jüdinnen freilich nicht so tugendhaft. Einer der Propheten des Judenthums geißelt in harter Rede die Weiber , die „mit Stolz, Eitelkeit und Lärm einherschreiten, reichgeschmückt mit Armbändern, Halsbändern, Ringen, Parfüms, Ohrringen und Perlen; die kurze Mäntel und lange Kleider trugen, Spiegel, feine Linnen, Bänderund Schleier . . ." Im Ganzen aber entsprach das jüdische Weib denn doch dem Ideal der ordnungsliebenden, keuschen, kühnen, wohlthätigen und liebevollen Frau. In guten wie in bösen Tagen spielt sie ihre Rolle in der Geschichte ihrer Race. Sie kennt das Leben, seine Leidenschaften, seine Tragödien. Sie wird nicht in einem Lustgarten eingesperrt, nicht verzärtelt und corrumpirt, um der Laune und dem Geschmack eines Herrn zu dienen, als würdelose, mißachtete Sclavin. Sie ist die wirkliche Gefährtin des Mannes, die Herrin des *) Anm. der Red.: Die Erzählung ist nicht ganz richtig wiedergegeben. Es waren 400 Jungfrauen, die von den Römern gefangen fortgeführt wurden. Diese 400 Jungfrauen fanden den freiwilligen Tod in den Fluchen des Meeres. ‘ Hauses, die Lehrerin der Kinder; sie giebt das Beispiel des Muthes, der Entsagung, der Opferfreudigkeit; sie begeistert sich für ihr Haus uud ihr Land, und Alles, was es in ihrem Stamme Edles und Stolzes giebt, findet bei ihr Verständniß, Ermunterung und Nachahmung. Das ist in aller Kürze der Gedankengang des Essays, der mit dem Namen Constance von Rothschilds gezeichnet ist. Die Sprache ist durchaus elegant, stellenweise schwungre^ch und immer geschmackvoll. Zeitungsnachrichren und Correfpondenzen. Deutschland. Mainz, 18. August. In Nummer 30 des „Israelit" war über den Tod des Banquier Hermann Oppenheim zu Paris, gebürtig aus Windecken unweit Frankfurt a. M. berichtet. Zu unserm Bedauern erfahren wir durch den „Univ. Jsraelite", daß der Genannte seit längerer Zeit getauft war. Ateuenkirchen bei Rietberg, 13. Aug. Die hiesige Synagogengemeinde beging gestern feierlich das 25jährige Amtsjubiläum ihres Lehrers und Cultusbeamten, Herrn Cramer. Nach dem gewöhnlichen Gottesdienste hielt Herr Lehrer Steinweg aus Rheda die Festpredigt, welche sich über die Stellung und den Lebensberuf des Jubilars verbreitete und allseitig mit großer Theilnahme ausgenommen wurde. Dann erschien zur Gratulation der Vorstand der Gemeinde und überreichte eine Adresse, worin die Verdienste des Jubilars in ehrenvollster Weife anerkannt wurden, sowie ferner einen Beschluß der Gemeindeverwaltung, der für den Gefeierten eine Gehaltserhöhung um 150 M. festsetzte. Es folgte eine Deputation der früheren Schüler, welche nach einer beglückwünschenden Anrede des Aeltesten derselben dem Jubilar einen Sessel und ein Geschenk von 600 Mark überbrachte; sodann in corpore die jetzigen Schüler und Schülerinnen des Jubilars, welche in gebundener und ungebundener Rede ihren verehrten Lehrer beglückwünschten und ebenfalls Geschenke überreichten. Den übrigen Theil des Vormittags füllten die Gratulationsvisiten der einzelnen Gemeindemitglieder und der von nah und fern herbeigeeilten Freunde und Gönner des Jubilars aus. Von Seiten des Kreisschulinspectors Hrn. Dr. Flügel, der als Reserveoffizier zu einer militari-

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