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Der Israelit · 1876-08-23 · Heft 34 (23.8.1876) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 34 (23.8.1876)
Date
1876-08-23
Page
– (sequence 2)
Language
German
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790 umzugestalten. Christenthum und Islam sind Vorstufen, welche die Menschheit erklimmen mußte, ehe ihr die ganze Wahrheit zugänglich werden konnte. Wie daS Judenthum der Ausgangspunkt der Heiden Weltregionen ist, so wird die von Gott durch Mofcheh für Israel offenbarte ganze, volle und reine Wahrheit das Endziel aller menschlicher Entwickelung sein. Dercinst wird kommen der Tag, an welchem die ganze Menschheit nicht nur die Einheit Gottes anerkennen, sondern auch aus diesem großen Lehrsätze auf die mächtige Folgerung schließen wird, daß dieses Bekenntniß uns zum Dienste des Alleinigen derart verpflichtet, wie Er eS angeordnet hat. -inx idem inx ‘t x,nn Dra „An jenem Tage wird Gott als der Einzige erkannt und die Verehrung Seines Namens eine einheitliche sein." Cuustautt von Rothschild öder die jüdischr« /raunt.*) In einer der letzten Nummern des „New- Quarterly Magazine" veröffentlicht Fräulein Constance von Rothschild einen gelehrten, kulturgeschichtlichen Essay über die jüdischen Frauen und ihre Stellung in den verschiedenen Zeitaltern. ConstanceRothschild ist eine Dame, welche dem Englischen Zweige der Familie Rothschild gehört. Die Dame, welche die erste Jugend überschritten hat, zählt zu den geachtetsten Persönlichkeiten der vornehmen und gelehrten Welt Englands. In ihren Salons finden sich die Vertreter der Politik, der Literatur und der Geburts-Noblesse zusammen, und man sagt, daß sie von eben so eminenter Liebenswürdigkeit, als Gelehrsamkeit sei. Von Zeit zu Zeit enthält eine Englische Revue einen Artikel aus ihrer Feder über irgend eine wissenschaftliche oder sociale Tagesfrage. Diesmal schreibt die Dame über die „jüdischen Frauen" und die Arbeit ist interessant genug, um zu versuchen, die Leser mit dem Gedankengang derselben bekannt zu machen. Fräulein Constance v. Rothschild beginnt mit einer ausnehmend anregenden Untersuchung über den Ursprung der Galanterie im Mittelalter. Auf die Zeit der Barbarer war eine Zeit gekommen, in der man an den Vorschriften der christlichen Lehre hielt, die Armen, die Kranken, die Hilflosen, *) Nach der „Berliner Vörsen-Ztg.". die Elenden zu beschützen. Der Schutz, den man dem Elend angedeihen ließ, ward fast ein Cultus. Und da man allen Schwachen mit Nachsicht und Hilfe begegnete, behandelte man auch die Frau, etwa wie man das Elend behandelt hätte, wenn es graziös und voll Liebreiz erschienen wäre. Allein der Cultus des Elends trug schlechte Früchte, er schuf das Parasitenthum, das die Freiheit und die Arbeit erdrückte. Der ungemessene Cultus des Weibes machte das Weib selbstsüchtig, eitel, grausam. So wie die Bettler bald die Geißel des civilifirten Europas wurden, so wurden die Frauen ignobel, arbeitsscheu und jeder Tugend entfremdet. Anders sind die Frauen aus jenem Stamme, zu dem unsere Schriftstellerin sich bekennt. Die jüdische Frau ist ernst, stark, selbstständig und frei, sie ist den Germanischen Frauen am meisten ähnlich, die ob ihrer Energie, ob ihrer Keuschheit und ob ihrem Heroismus berühmt sind. Außer der Germanischen ist die Römische Frau der jüdischen am meisten ähnlich — die Römerin aus der Zeit der Lucretia. Die jüdische Frau ist Priesterin, Lehrerin, Prophetin; Judäa wird auf den Gedenkmünzen in Frauengestalt abgebildet und in allen Fällen, wo die Geschichte der Juden von einer großen Katastrophe oder von einem großen Siege erzählt, findet sich auch eine Frau, welche bald den Feldherrn begeisterte, bald ihren Stamm rächte, bald die Weisheit predigte und bald zur Mäßigung und zur Frömmigkeit mahnte. Die Weisen und Gelehrten des Judenthums sprechen darum auch stets mit hoher Verehrung von der Frau. „Alles kann im Leben ersetzt werden," schreibt Einer von ihnen, „aber das Weib, das du in der Jugend geliebt, wird niemals ersetzt." „Ist dein Weib klein," ermahnt ein anderer weiser Lehrer, „so neige Dich zu ihr, aber thue nie Etwas, ohne ihren Rath zu vernehmen/' Ein Dritter schreibt: „Ein alter Mann gereicht dem Hause zur Last; aber eine alte Frau ist die Perle des Hauses." Doch auch das böse Weib findet die verdiente Beurtheilung. „Es giebt vierzehn Dinge, deren jedes härter ist, als das andere, und deren jedes dem andern die Herrschaft streitig macht. Das tiefe Meer ist ein Gegenstand des Entsetzens; aber das feste Land schließt das Meer ein. Die Ebene scheint unendlich; allein die Berge setzen ihrer Eroberung ein Ziel. Die Berge scheinen unbesiegbar; allein das Eisen gräbt sich einen Weg nach ihrem Innern. Das Eisen ist hart, allein es schmilzt im Feuer. Das Feuer ist ein wilder Tyrann, aber

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