Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 33 (16.8.1876)
- Date
- 1876-08-16
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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770 rückweifung dieser Anmeldung erfuhr, welche lediglich darauf gestützt war, daß das junge Mädchen als Israelitin die Forderungen der Prüfungsordnung zu erfüllen außer Stande fei. Ein Theil der mecklenburgischen Presse machte sofort auf die ernsten Bedenken aufmerksam, welche einer solchen Beschränkung des Wirkungskreises der Prüfungscommission auf das evangelisch-lutherische Bekenntnis entgegenständen, und diese Hinweisung ist, wie sich jetzt zeigt, nicht auf unfruchtbaren Boden gefallen. Aus einer Bekanntmachung der Commission ergibt sich, daß schon an der nächsten, nach Michaelis d. I. abzuhaltenden Prüfung die Theilnahme auch solchen Bewerberinnen frei stehen wird, welche einem anderen christlichen Bekenntnisse als dem evangelisch-lutherischen oder welche der iSr. Religion angehören, und daß für diese die Prüfung in der Religion ganz wegfällt. Dem entsprechend wird unter den der Meldung beizufügenden Papieren nicht mehr ausschließlich ein Taufschein, sondern „ein Taufbez. Geburtsschein" aufgeführt. Auffallend ist bei dieser sonst durchaus sachgemäßen Aufhebung der bisherigen Beschränkung nur, daß sie nicht auch mittelst Großherzogl. Verordnung erfolgt ist, sondern nur durch die Prüfungscommission und zwar nicht einmal unter Berufung auf höhere Autorität bekannt gemacht wird. (Lüb. E. B.) Oesterr.-Ungarische Monarchie. Pesth. Ueber den durch seine Gefangenschaft bekannt gewordenen Osman Paschah, von dem wir nach der „Pesth. jüd. Ztg." berichtet, daß er von Geburt Jude gewesen, schreibt die „Frf. Ztg.": Die verschiedenen Blätter erzählen, daß der von den Montenegrinern gefangen genommene Osman Paschah. aus Mähren gebürtig, jüdischer Abkunft sei, früher Wolf geheißen, im ungarischen Heere im Jahre 1848—49 unter General Bern gekämpft habe, daselbst den deutschen Namen Wolf in „Farkasübersetzt und nach der Kapitulation von Vilagos nach der Türkei geflüchtet, dort zum Islam übergetreten sei und den Namen „Osman Paschah erhalten habe. Diese Notiz wäre sehr interessant, wenn sie auf Wahrheit beruhen würde, denn fast genau dieselbe Notiz findet man in den Blättern zur Zeit des sel. Krimkrieges, nur stammte damals Osman Paschah- Wolf-Farkas nicht auS Mähren, sondern auS Preßburg. Ferner erzählt Oerfy in seiner Schrift: „Kossuth im türkischen Asyl", daß einer von Kossurhs Begleitern, ein gewisser „Farkas" (eigentlich „Wolf", ein Jude aus Mahren, welcher durch Tapferkeit im Kriege stch auSzeichnete) gleich nach der Ankunft in Schumla von der Cholera erfaßt worden und gestorben sei. Es war der erste ungarische Offizier von denen, die sich auf türkischen Boden geflüchtet, der starb. Der Verfasser der „Enthüllungen über Rußland", die im Jahre 1849 bis 50 viel Aufsehen erregten, erwähnt in seinen „Briefen über die ungarische Emigration" eines Officieres Namen „Farkas" (Wolf, jüdischer Abkunft), der an der Seite Berns auf dem Schlachtfelde sich ausgezeichnet, zum Islam auf Anrathen des damaligen ungurischen Agenten in Konstantinopel, Graf Andrassy. mit Bem und vielen anderen Officieren üdertrat, als des ersten hervorragenden Officiers, welcher an den Folgen der Strupatzen und Leden in türkischer Erde begraben wurde. Nun lebt dieser arme, vielgeplagte Farkas^Wolf als Osman Pischa in diesem Kriege wiederauf! Inzwischen hat er jedoch Dank des erfindungsreichen Reporters, reich geheirathet und eine 43jahr ge Tochter erhallen u. s. w. Was doch aus einem todten Manne noch Alles werden kann! Uebrigens kann Graf Andrassy die beste Auskunft geben, da er als ungarischer Agent die Liste der zum Islam übergetretenen Offiziere und Mannschaften dem damaligen türkischen Minister Reschid überreichte Brody. Eine tieferschütternde Nachricht kam uns zu. die nrcht verfehlen wird, im I identhum das tiefste Beileid zu erwecken. Rabbi Baruch Werber, Redacteur des beliebten israelitischen Wochenblattes, '-.2p", in Brody, ist am 3. August in das bessere Jenseits berufen worden und wurde Tags darauf mit den ihm gebührenden Eh en zu Grabe getragen. Es ist nicht nur das Ableben eines Mannes zu bedauern, der im besten Lebensalter stand — erwar nämlich erst 40 Jahre alt — sondern vielmehr das Wirken des Verblichenen auf dem Felde der hebräischen Literatur. zur Hebung und Verbreitung unserer heiligen Sprache, der er sich seit vielen vielen Jahren mit großer Aufopferung widmete. Herr Werber war eine geachtete Persönlichkeit, seine Zeitschrift in den weitesteten Kreisen verbreitet und wurde mit Vorliebe gelesen, und dies nicht umsonst. Der „'ZUN nay" ist vorzüglich redigirt, bringt ausgezeichnete Artikel sowohl politische als auch lite> arische, vertritt stets die jüdischen Interessen, welche in diesem Falle vom richtigsten Standpunkte aus behandelt wurden; dies genügt schon, um diesem erheblichen Verluste Ausdruck zu geben Trösten wir unS jedoch damit, daß er einen Z:oh l hinterließ, der seine Stelle zu vertreten in der Lage ist. Herr Jacob Werber ist bereits langjähriger Mitarbeiter des ’-oy und dürfte den Lesern des Blattes durch seine trefflichen literarischen Aufsätze bereits bekannt sein.