Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1876-08-16 · Heft 33 (16.8.1876) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 33 (16.8.1876)
Date
1876-08-16
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2446951-2447645-2447676--12815-2468656
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

768 Ulm so fort anzuschließen, von den beigegebenen Erwägungen jedoch dasjenige zu verwerfen, was dem religiösen Standpunkte des Vereins entspricht*). Wir erachteten es als eine heilige Pflicht, diese unsere Ueberzeugung offen auszusprechen. Möge sie Eingang finden bei denen, deren ganzes Leben von der einen Sehnsucht getragen ist, -vtnrft men*? moy, dem stark erschütterten 'Väterglauben in Württemberg seine alte volle Anerkettttttttg wieder zu verschaffen, möge sie vor allen Dingen aber der von gewisser Seite geplanten Zersplitterung der Württemberger Orthodoxie in dieser hochwichtigen Angelegenheit glücklich Vorbeugen. 8. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Gietzen, im August. Zu dem Berichte aus Gießen in Nr. 3l d. Bl., betreffend: die Niederwerfung der Mauer, die den israelitischen Friedhof vom christlichen trennte, wollen Sie gefälligst die Bemerkung nachtragen, daß der Gemeinde- Vorstand den betreffenden Beschluß ohne Vorwissen des Herrn Rabbinen Dr. Levi gefaßt und zur Ausführung gebracht hat. Vergebens bemühte sich dieser, ihn rückgängig zu machen; der Vorstand beharrte auf demselben und ehe man sich's versah, lag die Mauer nieder. Uebrigens bleibt auch nach dieser Niederlegung unser Friedhof immerhin ein für sich bestehendes, vom christlichen Friedhöfe durch Wege getrenntes Ganzes, das oer Verwaltung und Aufsicht unseres Gemeinde-Vorstandes untersteht. sre« - Breisach, 8. August. Herr Simon Bloch dahier wurde mit großer Majorität in den Stadtrath gewählt. Derselbe gehört der streng orthodoxen Richtung an. Dieses Ereigniß gehört zu den Seltenheiten unseres Landes, in welchem die Vorurtheile gegen unsere Nation noch im Verborgenen herrschen. Herr Simon Bloch jedoch ist allgemein geschätzt und geehrt. Bon der Werra, 1. Aug. In Reichensachsen feierte der isr. Lehrer Herr Samuel Blach sein 50jähriges Amtsjubiläum. Die allseitige herzliche Theilnahme zeigte auch hier, daß man nicht nur *) Es sind dies die zwei ersten Abschnitte auf der zweiten Seite der Petition beginnend mit den Worten: „In damaliger Zeit" bis „gar wenig geschehen ist". die Person des Lehrers achtete und ehrte, sondern, daß man auch in der Gemeinde die hohe Aufgabe der Schule anerkannte und zu würdigen wußte. Der Jubilar, ein trotz seiner 72 Jahre noch sehr rüstiger Greis, wurde früh Morgens schon durch ein Musikftändchen erfreut, und wie der Tag selbst immer Heller und heiterer wurde, so reihte sich auch bei diesem Feste eine Freude, eine Anerkennung an die andere. Um iO Uhr kamen die Gratulanten; zunächst sprach der Localschutinspector Herr Pfarrer Gonnemann aus Reichensachsen, der von einigen christlichen Lehrern begleitet war, mit herzlichen warmen Worten seinen Glückwunsch und betonte ganz besonders das freundschaftliche Verhältnis, das nicht nur zwischen ihm und dem Jubilar, sondern auch schon von feinem Vater her bestehe. Hierauf folgte die Gemeinde, dann die Schulkinder, viele Freunde, Verwandte und frühere Schüler, die zum Theil aus weiter Ferne dahin geeilt waren. Um i Uhr war Festgottesdienst. Den rituellen Theil übernahm Herr Cantor Engelbert aus Eschwege. Die Festrede hielt zunächst Herr Rabbiner Goldmann aus Eschwege und entrollte ein Bild des Lehrers (?), worauf er dann in herzlichen Worten auf die persönlichen Verhältnisse des Jubilars näher einging. Hierauf folgte der zweite Festredner, Herr Dr. Stein aus Cassel. In einer längeren, herrlichen und tief durchdachten Rede schilderte derselbe die Lehrerthätigkeit im Allgemeinen, beleuchtete die hohe Aufgabe der Schule, insbesondere der isr. jener Zeit, deren Schwerpunkt darin lag, alte Sitte mit neuem, deutschen Geiste zu verbinden, und zeigte dann, wie der Jubilar dieses schöne Ziel zu erreichen sich bemühte und auch wackererreicht habe. Die israelitische Schule bedurfte, als eine verhältnißmäßig noch sehr junge Institution, ganz besonders der wärmenden Sonnenstrahlen von Seiten hoher Regierung und hat sie sich auch unter der dankbar .mzuerkennenden Fürsorge des Staates zu der jetzigen Höhe emporschwingen können. — Wie auf alle Anwesenden, so machte auch ganz besonders auf den Jubilar die Rede einen mächtigen Eindruck und mit ergriffenem Herzen dankte derselbe zunächst Gott für seine Gnade, dann den Festrednern, der Gemeinde und den Festiheilnehmern. — Rach Absingen eines Schluß-Chorals giirg's dann im Zuge mit Musikbegleitung nach dem Festsaale, woselbst das Festmahl abgehalten werden sollte. Vorher fand die Überreichung der Geschenke statt. Die Gemeinde übergab einen prachtvollen silbernen Pokal und ein ansehnliches Geldgeschenk. Hierauf verlas Herr Dr. Stein als beauftragter Commissar des isr. Vorsteher-Amtes zu Cassel ein Anerkennungsschreiben desselben unter

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.