Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 32 (9.8.1876)
- Date
- 1876-08-09
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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XVII. Jahrgang. Zweite Leilage M Nr. 32 des Äsraelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Aus Hessen. Am 26. Juni feierte der isr. Lehrer A. Lutz zu Rauschenberg sein 50jähriges Dienstjubiläum. Es verdient dieses seltene Fest um so mehr in diesen Blättern erwähnt zu werden, als dasselbe von den christlichen Lehrern der Stadt und der Classe Rauschenberg veranstaltet und in so herrlicher Weise angeführt wurde, daß es als ein erfreulicher Beweis dafür, daß, trotz Dunkelmännern, in dem braven Bürgerstande wahre Humanität enthalten ist und das religiöse Bekenntniß eine Ausschließung in irgend welcher Weise nicht rechtfertigt. Am Vorabende brachte der städtische Gesangverein ein Fackelständchen, wobei der Rector Mans die Verdienste des Jubilars, der nun seit 37 Jahren in der Stadt N. die isr. Schuljugend in treuester und aufopfendster Weise geleitet habe, gebührend hervorhob. Am Morgen des Festtages erschienen aus allen Gesellschaftskreisen der Stadt Gratulanten, welche neben den herzlichsten Glückwünschen größere und kleinere Geschenke überreichten. Gegen IO Uhr kam der würdige Metropolitan Ruez in Begleitung des würdigen Stadtpfarrers und Bürgermeisters und beglückwünschten den Jubilar in besonders feierlicher und entsprechender Weise, in welcher er besonders Hervorbob, daß dieses Fest als eine Gnade Gottes betrachtet werden müsse, indem der Jubilar im verflossenen Winter von einer sehr hartnäckigen Krankheit heimgesucht gewesen, der Allmächtige ihn jedoch wieder genesen hat lassen, damit er diesen Ehrentag zur Freude aller Bekannten feiern könne. Inzwischen hatten sich der größte Theil der israelitischen Lehrer der ehemaligen Provinz Ober- Hessen eingef mden und wurde auf Veranlassung des Lehrers Lissard zu Amöneburg ein Gottesdienst abgehalteu, wobei Seitens des genannten Herrn in Anlehnung an die Worte des Wochen- -abschnittes 4. B. Moses K. 18. 20. die Verdienste des Jubilars gefeiert wurden. Von den zwei ältesten Lehrern wurde der Jubilar nach Hause geführt und bald erschien der Königliche Landrath aus Kirchhain, und beglückwünschte im Namen der Vorgesetzten Schulbehörde. Der Herr Landrath führte dann den Jubilar in den Saal der Mädchenschule, der mit Blumenkränzen geschmückt war, und woselbst sich an 30 christliche Lehrer und andere Festtheilnehmer gesammelt hatten. Herr Landrath Rohde beglücknünschte nochmals und ertheilte nun dem ältesten Lehrer der Stadt, Herrn Conrector Imsen das Wort zur Festrede. In schwungvoller Weise erwähnte dieser die Verdienste des Jubilars um Gemeinde und Schule. Besonders hob er hervor, wie Jubilar, obgleich selbst in sehr beschränkten Vermögensverhältnissen, sich armer Kinder angenommen und zu würdigen Gliedern der Gesellschaft erzogen habe. Einen speciellen Fall wollte er nicht vergessen. Der Jubilar habe einen verwahrlosten fremden Knaben, der von Christen und Juden gemieden wurde, zu sich genommen und in Gemeinschaft mit seiner würdigen Gattin derart erzogen, daß derselbe schon seit Jahren als Lehrer thätig sei. Diese einzige That bezeichnete Redner als eine solche, die allein die heutige Auszeichnung und Anerkennung verdiene. Namens der versammelten Lehrer überreichte Redner einen prachtvollen Ruhesessel als Geschenk. Die sehr kleine, aus nur 8 Familien bestehende isr. Gemeinde überreichte einen schönen silbernen Pokal mit Inschrift, die Filialgemeinde Betzcesdorf 3 silberne Löffel, und die Gemeinde Gemünden, woselbst Jubilar früher 13 Jahre thätig gewesen, ließ durch Lehrer Spier von da ein Werthloos überreichen mit dem Wunsche, daß dasselbe sich durch einen Gewinn tausendfach vermehren möge. Von Privatleuten, früheren Schülern und sonstigen Freunden wurden vielerlei, theilS sehr werthvolle Geschenke in Silber, mehrere Kisten mit Wein u. dgl. überbracht. Ein gemeinschaftliches Mahl, woran über 50 Personen Theil nahmen, vereinigte die Festgenossen bis zum Abend und wurden viele Toaste aufseine Majestät den Kaiser, den Jubilar, hohe Behörden und die Veranstalter des Festes ausgebracht. Möge dem Jubilar ein recht freudiger Lebensabend beschieden sein und er die Früchte seines Wirkens zu herrlicher Saat reifen sehen. L. Wetzlar, 29. Juli. Ein Mitglied der hiesigen Gemeinde, das zu gleicher Zeit mehrere Gemeindeämter bekleidet, erlaubt sich am tcnipraty vor den Augen Der ganzen Gemeinde den Ertrag der rvzD, der sogenannten Schnodergelder, zu notiren.