Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 32 (9.8.1876)
- Date
- 1876-08-09
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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74o gedenke. Ja, ich will es wieder gut machen, wenn es noch Zeit ist. Was mag aus Philipp Hirschfeld'S Weib, was aus ihrem Sohne geworden sein?" „„Frau Hirschfeld wohnt in H. bei Vetter Goldau."" „Wie mag sie zu dem gekommen sein?" „„Ich fand sie vor circa acht Jahren auf der Straße bettelnd; sie hatte durch gewissenlose Menschen den Rest ihrer Habe verloren. Sie war dem Hungertode nahe; ich brachte sie nach H. und bezahlte jährlich 500 Gulden Kostgeld für sie."" „Gott segne Dich, mein Sohn, daß Du theilweise schon gut gemacht, was Dein Vater verschuldet hat. Also dazu hast Du das Geld gebraucht, über dessen Verwendung ich Dich im falschen Verdacht hatte! Und Philipp Hirschfeld'S Sohn? Hast Du auch für den gesorgt?" . „„Nein, mein Vater, das habe ich zu meinem Bedauern nicht vermocht. Wir wissen nicht, wo Binjamin ist."" „Man muß ihn suchen; ich will ihm einen Theil meines Vermögens abtreten." „„Einen Theil?"" „Die Halste, meinetwegen." „„Ich meine, ihm gehöre das Ganze."" „Du bist streng, Theodor. Nun, so mag er Alles nehmen, was ich von seinem Großvater ererbt habe; nur, was ich seitdem hinzu verdient habe, will ich für mich und Euch behalten." „„Erlaubst Du,, mein Vater, daß ich Dir einen Vers aus der heiligen Schrift erkläre?"" „Rede, mein Kind, rede!" „„Als Lot, der mit unserm Stammvater Abraham zog, sich von diesem trennen sollte, da wählte er seinen Aufenthaltsort da, wo er recht viel zu erwerben hoffen durfte, und es hinderte ihn nicht, daß die Bewohner von Sedom böse und sündig waren. Als nun später Sedom und Amorah zerstört und vernichtet werden sollten und sich Gott des Lot um Abrahams willen erbarmte, da kämen die Engel, um ihn zu retten und ihn und die Seinigen aus dem dem Verderben geweihten Ort zu führen. Lot aber säumte, zögerte. Warum zögerte er? Raschi in seinem Commentar sagt es uns: Um einen Theil seiner Habe zu retten. Dieser geliebte Reichthum, um dessentwillen er in Sedom,'in der bösen und sündigen Stadt, sein Zelt aufgeschlagen — er konnte sich so leicht nicht davon trennen. Die Engel aber ergriffen ihn und die Seinen, führten sie eilig hinaus und sprachen zu ihm: „Rette nur Deine Seele, schaue nicht hinter Dich und stehe nicht still." Das heißt: Laß die Sucht nach dem Gelde nicht noch einmal Dir zum Verderben gereichen; wirf auch nicht einen Blick des Bedauerns auf dasselbe zurück. O. mein geliebter Vater, stehe auch Du nicht auf halbem Wege still. Mache das geschehene Unrecht ganz wieder gut; gib nicht allein das Vermögen zurück, sonder« auch das, was Du mit demselben und durch dasselbe gewonnen hast!"" „Was verlangst Du von wir? Soll ich auf meine alten Tage b tteln gehen?" „„Ich habe ein kleines Capital erspart; ich habe berechnet, was ich ungefähr als Commis in Deinem Geschäfte verdiene und habe es alljährlich in soliden Papieren angelegt."" „Und wieviel beträgt Dein Capital?" „„Ungefähr zehntausend Gulden."" „Und davon sollen wrr leben?" „„Wir haben einst bedeutend weniger besessen, lieber Vater."" „Und Deine Mutter, wird sie sich jetzt so einschränken können?" „„Meine liebe Mutter würde lieber heute als morgen ihren Platz am Kochheerde wieder einnehmen." " „Und Deine Schwester? Würde der Baron Solmsfeld sie ohne Mitgift noch nehmen wollen?" „„Du sollst sie ihm gar nicht geben, mein Vater. Für Johann i wird ein guter, braver Mann sich finden. Ich werde dafür sorgen."" „Du denkst an den Franzosen? Weißt, Du auch, ob, wenn die Million nicht mehr in Aussicht steht, ihm Deine Schwester noch begehrenöwerth erscheint?" „„Wir reden von allen diesen Eventualitäten, ohne daß wir noch Kunde von der Existenz Biajamin Hirschfeld'S haben. Vielleicht lebt er gar nicht mehr, und dann bist Du der rechte Erbe."" „Das wolle Gott verhüten! Ich würde niemals wieder froh werden können, wenn der Junge in dem Elend, in daS ich ihn hinausgestoßen, umgekommen wäre. O, gehe hin, mein Kind, und besorge einen Aufruf an alle Blätter; schöne kein Geld und rufe den Jungen hierher. Mag er Alles, Alles nehmen! Nichts soll von seinem Eigeuthum an meinen Händen haften bleiben." (Fortsetzung folgt.) Hierzu zwei Beilagen. Verantwortliche Redaction: vr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. I. Gottsleben's Buchdruckerei in Mainz (Mainzer Anzeiger).