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Der Israelit · 1876-08-09 · Heft 32 (9.8.1876) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 32 (9.8.1876)
Date
1876-08-09
Page
– (sequence 5)
Language
German
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745 und ausreichend genug, dieselbe zu erhalten und in ihrer Entwickelung vorwärts zu bringen. Zu den Sorgen um's tägliche Brod, so möchte ich fast sagen, kommt für den Vorstand noch die Sorge um seine gesetzliche Existenz und Lebensfähigkeit. Seit zwei Jahren, feit der Eröffnung der Anstalt, ist der Vorstand bemüht, Korporationsrechte für die Anstalt zu erwerben, ohne welche sie -via« rftm ist (in der Luft schwebt). Dieses Streben ist aber bis heute eine Sisyphus-Arbeit gewesen , an der der Vorstand seine Kraft vergebens vergeudet hat, weil ein Mitglied in ihm dasselbe bis setzt aus Motiven, die heute noch nicht erörtert werden sollen, immer von Neuem zu vereiteln wußte. Es bleibt dem Vorstande jetzt Nichts übrig, als zu seinem Bedauern die Nachsuchung von Korporationsrechten gegen den Willen jenes Mitgliedes, das um seiner sonstigen Verdienste um die Anstalt willen bis jetzt geschont wurde, zu betreiben, weil Gefahr im Verzüge ist. Hierzu ist es aber nöthig, die Schuldenlast, die auf dem Grundstück der Anstalt noch ruht, abzuwälzen. Also auch hier heißt die erste und letzte Bedingung: Geld! Mögen diese Worte, welche einem um das Gedeihen und die Entwickelung einer wahrhaft menschenfreundlichen Anstalt, die als eine Zierde Israels dasteht, recht besorgtem Herzen ona» otco entströmen, mächtigen Wiederhall in den Herzen deutscher Juden finden und die werkthätige Hilfe unserer mildherzigen Glaubensgenossen einer Anstalt zuwenden, deren Pforten sämmtlichen armen Kranken deutscher Juden gastlich geöffnet sind. Stratzburg Auf den 16. Juli hatte der Oberrabbiner Aaron eine Versammlung der Rabbinen aus dem Unter-Elsaß und der Gemeindevorstände veranlaßt, um über die seit Jahren angeregte Rabbinerseminarfrage zu berathen. 119 Gemeindevorsteher hatten der Einladung Folge geleistet. Es wurde beschlossen, die Errichtung des Seminars, in dem nicht blos Rabbiner ausgebildet, sondern jedem jungen Manne Gelegenheit zum Thorastudium geboten werden soll, nunmehr ernstlich ins Auge zu fassen. Die Regierung hat eine jährliche Subvention von 1920 M. versprochen. Für den übrigen Bedarf sollen sich die Gemeinden und Privaten mit einer bestimmten Summe auf zehn Jahre verpflichten. Oesterr.-Ungarische Monarchie. Brürt«, 28. Juli. Der „N. fr. Pr." wird von hier geschrieben: Die Bewegung, die sich an^ läßlich des Musterstatuts für die mährischen Judengemeinden, eine« Elaborats, welches das Curatorium des mährischen jüdischen Landesmassefonds verfaßt und an die Vorstände der einzelnen Gemeinden versendet hat, in den interessirten Kreisen nicht nur, sondern im Allgemeinen kundgibt und ihren Nachhall in den Tagesblättern findet, rst kein Sturm im Wasserglase, vielmehr als eine tiefgehende zu betrachten. Die mährische Judenschaft bildete seit Jahren einen geschlossenen Organismus mit einem eigenen Landes-Rabbinate, einem besonderen Religionsfonds mit regelmäßiger Notablen-Bersammlung, alten Verwaltungs- und Wahlordnungen (den sogenannten 310 Beschlüssen.) Durch Intelligenz und Gewecbfleiß zeichneten sich die mährischen Juden immer vor den Glaubensgenossen in anderen Kronländern aus Sie bilden durch Zahl, Einfluß und Einigkeit einen ausschlaggebenden Factor bei den politischen Wahlen und in den Bezirken mit gemischter Bevölkerung nicht selten das Zünglein der Wage, dem schon so mancher verfassungstreue Candidat sein Mandat zu verdanken hatte. Durch die seltsamsten Monstrositäten, aus denen das obengenannte Elaborat sich zusammensetzt, wird nun Zwietracht in die Jsraeliten-Gemeinden gestreut, die ohnehin durch ungleichmäßige und drakonische Verordnungen der obersten Schulbehörde tief verstimmt sind, und ein Zustand hervorgerufen, der auch den Politiker nicht gleichgültig lassen kann. Die bedeutendsten Provinzblätter sind daher auch in der Verurteilung dieses Statuts einig. So schreibt z. B. der „Tagesbote" Folgendes: „Wie es in beispielloser Weise zu Stande gekommen, so hat es auch Unerhörtes zum Inhalte. Während anderwärts eine solche Arbeit Fachmännern anvertraut wird, hielten sich die Herren Curatoren des Landesmassefonds (ausschließlich auS Kaufleuten bestehend) allein für competend genug, um ein Statut zu verfassen, ohne das Laudesrabbinat, einen Rabbiner oder sonst einen gelehrten Experten mit einer Frage zu belästigen. Die Herren Verfasser ließen sich von zwei Gesichtspuncten leiten, von dem Streben, dem Vorstande eine Omnipotenz einzuräumen und dagegen das Rabbinat zur vollständigen Bedeutungslosigkeit herabzudrücken. Man muß gerade nicht für unseren geistlichen Stand voreingenommen sein, um anzuerkennen, daß die Rabbiner unserer Mark-! grafschaft durchaus nicht ihren College« in Galizien! gleichen, daß die meisten von ihnen vielmehr Männer sind hervorragend durch Gelehrsamkeit, allgemeine Bildung, liberalen Sinn und wissenschaftliche Leistungen, und daß es vielleicht keinen Einzigen gibt, namentlich auf dem Lande, der nicht seinen Vorsteher an Intelligenz überragte.

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