Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 32 (9.8.1876)
- Date
- 1876-08-09
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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744 die Herren Melchior Lilienfeld und L K. Bam- Lerger in Hamm (Westphalen) können das bezeugen. Dr. Jacob Mayer hat in Gießen seine Universitätsstudien und in Michelstadt seine Talowdstudien vollendet. Im Jahre 1852 Bninn nana predigte er in Ahlen, spater vor etwa 2—3 Jahren erfuhr Schreiber dieses durch Jesaias Mayer, sein Bruder habe den Orient im Interesse engl, und italienischer Zeitungen bereist, vornehmlich ägyptische Alterthümer studirt und sei jetzt Rabbiner in Baltimore. vr. Jacob Mayer ist ein ausgezeichneter Redner, der. wie er damals (1852) in seiner Predigt in Ahlen erwähnte, zur Zeit seiner Gefängnißhaft (wegen politischer Vergehen) hauptsächlich an dem crPnn in piDS sich aufgerichtet: ttqn tk 'ywyp irmn dr'?i'7. Ob er in Glasgow zum Christenthum übergetreten, kann ich nicht sagen, dennoch dürften gegenwärtige Zeilen einige Aufklärung geben. L. Colberg, im August. Am 28. v. M. sind es zwei Jahre geworden, seitdem das jüd. Kurhospital in Colberg für seine edle, menschenfreundliche Bestimmung im Namen des Gottes Israel geweiht und der Oeffentlichkeit übergeben worden ist. Am Sabbat Chasön (29.) wurde daher das Gedächtniß an jenen Tag im Detsaale des K.-H. vor einer zahlreichen, zum größten Theil aus Badegästen bestehenden Versammlung durch Festpredigt und Todtenfeier für die verstorbenen Wohlthäter der Anstalt statutengemäß begangen; bei letzterer wurde insbesondere und namentlich des im Laufe dieses Jahres so früh verblichenen Herrn Lewin Manasfe in Stettin, als Mitbegründers und Curators der Anstalt, gerächt und für ihn nach Beendigung der Feier von dem functionirenden Rabbiner das Seelengebet und vnp gesprochen. Die Festpredigt, welche vr. Goldschmidt. Rabbiner in Colberg, hielt, hatte das Wort des Prophetenabschuittes npnsn rratpi msn vve-vI p'rr (Jes. 4.27) zum Texte uud ging natürlich von der Bedeutung des Sabbat Chason und des darauffolgenden Trauertages des 9. Ab (kdih ewjyc) aus; ihr leitender Grundgedanke war, daß Recht und Menschenliebe (np^s? in der bei den Juden landläufigen Bedeutung) die beiden Grundpfeiler einer jeden menschlichen Vereinigung und Verbindung sein müssen, wie diese lebensfähig und lebenskräftig dasteheu soll, — daß aber jede menschliche Verbindung, welcher auch nur einer dieser beiden Grundpfeiler fehle, den Keim der Verwesung und Vernichtung iu sich trage, — welcher Gedanke dann durch die Zerstörung der beiden Tempel und aus der Geschichte Israels erhärtet und begründet wurde. Zum Schlüsse ging der Redner auf die ErinnerungS- Feier der Anstalt über, indem er auf sie die Schluß- und Nutzanwendung machte. Die Predigt schloß mit einem warmen Aufruf an alle Menschenfreunde der Anstalt, deren Hilfsmittel fast erschöpft sind, durch Ausübung von Werken des Rechts und der Mild Herzigkeit zu Hilfe zu kommen und so gleichsam einen neuen Baustein in den stolzen Prachtbau des künftigen, neuen Zijons einzufügen, das ja nur erlöst werden kann durch Recht und Menschenliebe. Und in der That ist es die höchste Zeit, der Anstalt, welche vor zwei Jahren im Vertrauen auf den reich fließenden und unerschöpflichen Quell jüdischer Barmherzigkeit hoffnungsvoll eröffnet worden ist, durch Spenden zu Hilfe zu kommen, — denn es ist schlecht genug um sie bestellt. Nicht als ob sie ihre Bestimmung nicht gewissenhaft erfüllte, — im Gegentheil! Sie thut mehr, als in ihren Kräften steht! Denn, trotzdem sie gar keinen flüssigen Fonds besitzt und ihr etwa nur 1000 Mk. Jahresbeiträge zugewendet sind, haben bis jetzt, seit zwei Jahren, dennoch 85 arme, kranke Personen unter ihrem Dache Aufnahme gefunden, die krank und siech, gebeugt und gebrochen die Schwelle der Anstalt überschritten hatten, und gesund und gekräftigt dieselbe wieder verlassen haben. Sämmtliche Personen gehörten durchweg einer höchst achtbaren Gesellschaft an, die freilich für sich nicht die Mittel hatten, eine Kur in Colberg zu gebrauchen und für ihre Gesundheit und ihr Leben Etwas zu thun. Mehr aber, als ausgenommen wurden, mußten mit ihrem Gesuch um Aufnahme abgewiesen werden, nicht weil es an Raum im Hause, sondern weil es an Mitteln zur Existenz fehlte. Aber selbst für die aufgenommenen Personen sind die Geldmittel nicht ausreichend vorhanden; der Vorstand hat sie zwar ausgenommen, aber nur im Vertrauen auf die Mildherzigkeit unserer Glaubensgenossen, daß dieselben ihn in seinem frommen Werke nach Kräften unterstützen werden. Aber die Ungunst der Zeit läßt die Gelder überhaupt und unter den hiesigen Badegästen insbesondere in diesem Jahre nur sehr spärlich fließen, so daß der Vorstand nicht mit Unrecht besorgt ist, er werde seinen diesjährigen Verbindlichkeiten nicht Nachkommen können. Möchten doch diese Zeilen so manchen frommen Leser, Rabbiner, Lehrer und edle Menschenfreunde bewegen, uns Herz und Hand der Wohlthätigen in ihren Gemeinden zuzuwenden, daß sie uns mit frommen Spenden zu Hilfe kommen. Es muß ja nicht immer eine große, ansehnliche Spende sein, auch kleinere Jahresbeiträge sind, wenn sie von allen Seiten der Anstalt zufließen, recht willkommen