Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 32 (9.8.1876)
- Date
- 1876-08-09
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2447645-2447675--12789-2468629- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
743 natsverweserstelle," da genannter Herr Leseritz seit dem Tode des Dr. Fahrenbach die eigentliche Landes- Rabbinerstelle nur intermystisch verwaltet hat. Behufs Wiederbesetzung des in Rede stehenden Postens hat die fürstl. Regierung in Detmold kürzlich sämmtliche Vertreter der jüdischen Gemeinden des Landes zu einer Besprechung dieser Angelegenheit nach Detmold einladen lassen. Die Mehrzahl derselben hat dieser Einladung Folge geleistet und constituirte sich daselbst zu einer Versammlung. In dieser wurde v«el hin- und hergesprochen; über den eigentlichen Nerv, den Hauptzweck der Versammlung, die Wiederbesetzung des Landesrabbinatspostens wurde wenig oder gar nicht debattirt. Die meisten der Deputirten wollten wegen des Finanzpunctes gar keinen Rabbiner, andere wollten sich nur auf die Anstellung eines Rabbinatsverwesers einlassen und wieder andere wollten einen der angestellten Lehrer des Landes mit der Mission betraut wissen, einmal im Jahre die jüdischen Religionsschulen des Landes zu inspiciren. Auch nach dieser Richtung hin konnte man sich nicht einigen, da ein jeder der anwesend gewesenen Deputirten den Lehrer seiner Gemeinde gerne zu diesem Posten designirt gesehen hätte. Sobald eine zweite Versammlung stattfinden wird, werden wir nicht verfehlen, darüber in diesem Blatte zu berichten. Oestrich. M. Ro senWald, Lehrer. Aus Westphalen. Zur Characterisirung der jüdisch-religiösen Zustände Westphalens erlauben wir uns hierdurch die Mittheilung, daß der Lehrer und Cantor einer größeren Gemeinde sich sein Mittagsessen aus 'einem christlichen Gasthofe bringen läßt. Wer an der Wahrheit dieser Nachricht im Geringsten zweifeln sollte, dem sind wir erbötig, die Namen der betreff. Gemeinde und des Lehrers mitzutheilen. Wir wissen nicht, worüber wir uns am Meisten wundern sollen, über den Lehrer, der solches thut, oder über die Gemeinde, die solches von ihrem Lehrer, — derselbe ist auch Religionslehrer und Prediger — ruhig ansehen kann, zumal derselbe nicht definitiv angestellt ist und die Gemeinde ihm deshalb zu jeder Zeit kündigen kann. — In Folge der Abhaltung des ersten altkatholischeu Gottesdienstes haben kürzlich in mehreren Städten des. Regierungsbezirkes Arnsberg bedenkliche und ernste Ruhestörungen stattgefunden, so daß die zur Aufrechthaltung der Ruhe designirt gewesene Polizeimannschaft einzuschreiten und Verhaftungen vorzunehmen sich veranlaßt sah. Wir erwähnen diese Vorfälle — für deren etwaiger Wiederkehr seitens der Polizei die nöthigen Vorkehrungen getroffen sind, hier deshalb, weil man ultramontanerseits auch bei dieser Gelegenheit die Evangelischen und Israeliten zum Sündenbock machen und dieselben für die vorgefallenen groben Excesse verantwortlich machen wollte. Doch der Herr Regierungspräsident von Arnsberg, der eigens herüber gekommen war, um sich über das Vorgefallene genau zu insormiren, war doch ganz anderer Ansicht, indem er die Polizeimannschaft zu sich bescheiden ließ und sie wegen ihres muthigen Auftretens und gewissenhafter Pflichterfüllung während der Katastrophe öffentlich belobte. Oestrich. M. Rosenwald, Lehrer. Aus Westphalen. Die jüngste Nummer der Zeitung des Judenthums brachte eine detaillirtere Mittheitung der auch bereits früher von Ihnen erwähnten Gemeinde Baltimore und ihres Predigers Dr. Mayer. Da ich voraussetze, daß Ihre geschätzte Zeitung dort gelesen wird,*) kann ich einige erläuternde Daten mit voller Bürgschaft meines Namens zur Aufklärung der Sache geben, was sehr geboten scheint, da nach der Zeitung des Judenthums Dr. Mayer gegenwärtig nach Europa reist, um neue Beweise für sich zu erbringen. Jesaias und Jacob Mayer sind gebürtig aus Telgte bei Münster (Westphalen). Ersterer, jetzt etwa in der Mitte der 60er Jahre übernahm etwa 1830 oder 31 die Lehrer- und Cantorstelle in Ahlen (Westphalen), und steht noch heute seiner Tüchtigkeit in beiden Functionen wegen in hohem Ansehen bei den dortigen Gemeindemitgliedern, die zum Theil seine Schüler sind. Er ist auch der englischen Sprache mächtig, weshalb er nicht, wie die Z. d. I. irrthümlich voraussetzt, ein in engl. Sprache abgefaßtes Schriftstück, worin er sich als Apostat bezeichnet, ohne Kenntniß des Inhalts unterzeichnet haben kann. Derselbe hat, wie die Gemeinde Baltimore sehr richtig herauSgebracht, bis 1860 Deutschland nicht verlassen, kann also in Glasgow nicht corvertirt worden sein. Sein um 6 bis 10 Jahre jüngerer Bruder Jacob, der heute einige und 50 Jahre alt und, wenn ich nicht irre, von kleiner und etwas gedrungener Gestalt ist, hat bei seinem Bruder Jesaias in Ahlen die Elementarschule als etwa zwölfjähriger Knabe besucht, wodurch seine Angaben, Jesaias sei sein Zwillingsbruder und ihm bis zur Unkenntlichkeit ähnlich, sich als Unwahrheit herausstellt. Seine Mitschüler, die Herren M. Auerbach und Ph. Rosenberg in Ahlen, sowie *) Ter „Israelit" geht in vielen Exemplaren nach Baltimore. Red.