Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 32 (9.8.1876)
- Date
- 1876-08-09
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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742 Juden, wir legen keine Tephillin auf Haupt und Arm, haben keine Schaufäden an unfern Gewändern, essen und trinken verbotene Speisen und Getränke rc. — und sind doch gute Juden!! Die Herren Amerikaner berufen sich auf ihre großartigen Wohlthätigkeitsanstalten, „die mit Freigebigkeit und Hingebung (devotion) gegründet und erhalten werden." Es ist wahr, Wohlthätigkeit gegen Arme und Nothleidende ist von nicht zu unterschätzender Bedeutung im Judenthum, aber ebenso wahr ist es, daß die Wohlthätigkeit nicht das ganze Judenthum ausmacht. Ein wohlthätiger Heide, Christ oder Mohamedaner wird doch durch seine Wohlthätigkeit nicht zum Juden. Wenn wir fragen würden, worin denn eigentlich das Judenthum der Herren besteht, so würden sie uns antworten: „in ihrer Thätigkeit, Energie und Begeisterung für die Principien des Judenthums." Aber das ist nur eine wohlfeile Phrase. Paßt es den Herren in ihren Kram, so sagen sie, „das Judenthum habe keine Dogmen, keine Glaubenslehren, mithin keine Principien, es sei eine Religion der That" — und bei nächster Gelegenheit versichern sie: „das Judenthum fordere nicht die Beobachtung und Ausführung von Geboten, es genüge, für dessen Principien begeistert zu sein." Was bleibt demnach vom Judenthum solcher Menschen übrig? Nichts, rein nichts. Sie könnten sich mit demselben Rechte Nihilisten nennen wie Juden. Unter diesen Umständen begreifen wir die große Entrüstung nicht, welche die Angelegenheit des amerikanischen Rabbinen Jacob Mayer zu Baltimore, von dem man behauptet, daß er in England getauft worden sei und als Missionär gewirkt habe, hervorgerufen. Wenn ein amerikanischer Rabbi am Sabbat Cigarren rauchen, am Peßach Chamez essen, an Wochentagen das Te-- phillin-Legen unterlassen und doch guter Jude sein kann, so kann er am Ende auch als guter Jude getauft und als guter Jude als Missionär thätig sein. Man kann allerdings sagen, daß das Getauftwerden eine Verleugnung des Judenthums sei, aber die öffentliche Entweihung des Sabbats und die Lossagung von allen positiven Gesetzen des Judenthums ist es nicht minder. Auf ben»» yottf folgt in der heiligen Schrift unmittelbar ran«i. Dadurch, daß ich Gott als den Einzigen anerkenne, übernehme ich die Verpflichtung, diesen einzigen, alleinigen, allweisen, allmächtigen Gott über Alles zu lieben. Ihm zu gehorchen und Seine Gebote zu beobachten. Wenn man aus der Anerkennung des einzigen Gottes nicht diese Confequenzen zieht, so ist sie nicht ein fruchtbringender, Alles umfassender Glaubenssatz, sondern nur eine philosophische Idee; um Jude, um guter Jude zu sein, muß man die Gedanken des Judenthums durch die von Gott in Seiner heiligen Lehre gebotenen Thaten bethätigen. Aber nicht alle amerikanischen Juden gehören der Richtung an, welche durch die „Jewish Times" vertreten wird. Auch in Amerika gibt es G. s. D. noch Juden, welche Gottes Gebote heilig' halten; woran es dort mangelt, das sind gesetzestreue, berufseifrige, tüchtige Rabbinen, und daher führen leider diejenigen Männer das große Wort, welche tatsächlich mit dem Judenthum gebrochen haben, und diese können dann ungestraft den Bruch für amerikanisches Judenthum ausgeben. Es wäre zu wünschen, daß ein Rabbiner von gediegener talmudischer und profaner Bildung, begabt mit dem Talente, durch das ihm im Herzen lodernd- Feuer religiöser Begeisterung seine Zuhörer zu entflammen, hinüberzöge über den großen Ocean, um die falschen Propheten dort zu kennzeichnen und die Götzen zu stürzen — die goldenen Kälber, welche die Schüler Jerobeam's aufgestellt haben. Der Erfolg würde ein bedeutender, großartiger sein; denn trotz Allem und Allem — Dn owip Vnib”, Israel ist ein heiliges Volk, und auch die Israeliten jenseits des großen Wassers sind Nachkommen von Abraham, Jizchak und Jakob, sind Nachkommen derer, die einst am Sinai gesprochen yatpji rwyj „wir wollen thun und hören!" Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. Berlin. Der Cultusminister hat dem Hrn. vr. Zuckermandel zum Aufenthalte in Wien wegen Herausgabe der Tosefta 400 M. ^bewilligt und ihm ferner mitgetheilt, daß er zu den Druckkosten eine Beihilfe zu geben in Erwägung ziehen werde, wenn die Subscription die Kosten der Publication nicht decken sollte. Aus Westphalen. In Folge der Pensionirung des bisherigen Lehrers und Rabbinatsverwesers de,^ Fürstenthums Lippe-Detmold, des Hrn. panj/Tj/*? bK£n rno, der wegen vorgerückten Alters von seinem Amte zurückgetreten ist und bei seinem Schwiegersöhne, der Lehrer bei der Gemeinde Duisburg ist, verweilt, ist die Rabbinerstelle daselbst wieder in Erledigung gekommen; Wir sagen absichtlich : „Rabbiner- und nicht Rabbi-