Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 31 (2.8.1876)
- Date
- 1876-08-02
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2446951-2447645-2447674--12774-2468613- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
729 offen um ihre Hand anzuhalten. Doch Hermine, die die religiösen Anschauungen ihres Bruderkannte, überzeugte ihn bald, daß auf diesem Wege nichts zu hoffen, und so kamen sie denn endlich überein, daß der Graf im Stillen' alle erforderlichen Schritte thun solle, und daß sie dann in der folgenden Woche, in der ihr Bruder auf einige Tage verreisen würde, mit ihm entfliehen wolle. Auf einem der Güter des Grafen sollte Hermine zur christlichen Religion übertreten, der Dorfkaplan sollte die Taufe vollziehen und unmittelbar darauf den Bund ihrer Ehe einsegnen. Sobald das geschehen, wollte Hermine ihren Bruder von Allem benachrichtigen und ihn hierdurch von allen unangenehmen Nachforschungen abhalten. Doch die Zeit verstrich, und Hermine begann zu fürchten, der Bruder könne sie vermissen; sie wollte in's Haus zurückkehren, doch der Graf schloß sie wieder und wieder in seine Arme; es ward ihm so schwer, sich von ihr zu trennen; denn sie hatte trotz seines Flehens eS entschieden abgelehnt, vor dem zur Flucht bestimmten Tage ihn im Garten oder auf der Promenade zu treffen. Abermals preßte er sie an seine Brust. „In acht Tagen bis Du mein vor Gott und aller Welt," sagte er. „In acht Tagen bin ich Dein — doch bis dahin Adieu!" Noch einen Kuß, dann reißt sie sich los und eilte ihrer Wohnung zu. Unbemerkt, wie sie sie verlassen, erreichte sie sie wieder; es war ja so still, so öde seit dem Tode der Eltern geworden. Doch innerlich frohlockte und jubelte sie. Sie war ja Braut, die glückliche Braut eines der reichsten Cavaliere des Landes und in acht Tagen war sie sein auf immer — war sie Gräfin — waren alle die Herrlichkeiten, von denen er ihr erzählt, ihr Eigenthum. Sie drückte die Hände auf das laut pochende Herz, es pochte so laut vor Wonne. (Fortsetzung folgt.) ANZEIGEN. Für den folgenden Theil ist die Redaction nicht verantwortlich. Bekanntmachung. die Eröffnung der Lipschütz'schen Bersorgungsanftatt betreffend: Die aus den Mitteln der Julius- und Benno-Lipschütz'schen Stiftung in München zu errichtende Versorgungsanstalt für Israeliten soll baldmöglichst in's Leben gerufen werden. Nach den Bestimmungen der Stiftungsurkunde und des Status der Anstalt sollen in dieselbe alte erwerbsunfähige Israeliten beiderlei Geschlechtes und zwar männliche nach zurückgelegtem 66ften, weibliche nach zurückgelegtem 55sten Lebensjahre — letztere bei Aufnahme von Ehepaaren und in Fällen besonderer Hilflosigkeit auch bei einem Alter von 50 Jahren — ausgenommen werden und sind die Aufnahmsgesuche in der Reihenfolge zu berücksichtigen, daß zunächst A. Verwandte der Stifter, nach diesen B. in Baiern beheimathete Personen, hierauf C. Angehörige der übrigen deutschen Bundesstaaten, endlich v. Ausländer zugelassen werden. Im Vollzüge dieser Bestimmung werden hiermit vorerst etwaige Bewerber aus der Kategorie A. und B. aufgefordert ihre Gesuche bis 2«. August -s. Js. bei der unterfertigten Verwaltung einzureichen. Den Gesuchen sind beglaubigte Nachweise über Heimath, Alter, Leumund, Vermögen, sowie Gesundheitsverhältnisse der Bewerber beizulegen. Für die Kategorien 0. und D. wird, falls sich ein Anlaß hierzu ergeben sollte, ein besonderer Bewerbunastermin anberaumt und bekannt gegeben werden. München, den 17. Juli 1876. Verwaltung -er israel. Cnttusgemeinde: Der I. Vorstand: Der Secretair: Aub. Dr. Kohnstamrn. [1834