Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1876-08-02 · Heft 31 (2.8.1876) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 31 (2.8.1876)
Date
1876-08-02
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2447645-2447674--12771-2468610
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

726 6% und von lutherischen 5°/o. Das wäre noch ziemlich gut, aber die Sterblichkeitsfälle gestalten sich noch weit trauriger vom Säuglingsalter bis zum Alter von 5 Jahren. Während dieser Zeit starben lutheranische oder reformtrte Kinder 40%, katholische Kinder 50%, jüdische Kinder hingegen 51%. Man behauptet mit Recht, daß die Juden gewöhnlich deshalb ein höheres Lebensalter erreichen, weil sie sittlicher und mäßiger leben. Sollte denn das in unserer Hauptstadt nicht der Fall sein? (Pesther jüd. Ztg.) Frankreich. Paris. Da-, Erstaunen, welches in mehreren deutschen jüdischen Zeitungen ausgedrückt ist über den Gewissenszwang in der französischen Armee, wonach jüdische Soldaten bei katholischen Festlichkeiten das Knie beugen und noch anderen Cermonien mitmachen müssen, wird aufhören, schreibt „Un. Jsr.", wenn man sich ins Gedächtniß zurückruft, daß nicht nur die officiellen und höheren Repräsentanten des franz. Judenthums keine eine Abänderung erzielende Schritte gethan haben, sondern daß sogar der inzwischen verstorbene Max Cerfberr, damals Präsident des isr. Centralconsistoriums, eines Tages im .Journal des Debats" eine Erklärung veröffentlichte, wonach die jüdischen Soldaten ohne jeden Gewissensscrupel der kath. Messe beiwohnen können, da er selbst (schöne Garantie!) indem er die Functionen eines Lieutenants versehe, oft Detachements von Soldaten zu den kirchlichen Cermonien geführt habe, und dabei hatte er die unglaubliche Kühnheit, diese Declaration mit seinem Titel als Präsident des isr. Centralconsistoriums zu unterzeichnen und hat dadurch seiner traurigen Behauptung einen Character von theologischer und dogmatischer Autorität gegeben. Der damalige Oberrabbiner von Frankreich (Ullmann) war über diese Handlungsweise und Usurpation des Cerfbecr ganz entrüstet, aber seine bekannte Aengstlichkeit hinderte ihn, gegen denselben öffentlich oder in einer consistoriellen Sitzung aufzutreten. Ist es da zu verwundern, wenn die Regierung keinerlei Aenderung in der bestehenden Verordnung eintreten ließ? Wir sind fest überzeugt, daß wenn vom Centralconsistorium ernste Schritte beim Kriegsminister gethan werden, dieser wahrhafte Scandal, diese öffentliche Beschimpfung unserer Religion aufhören wird. Paris. Wir haben, schreibt der „Un. Jsr." die ausgezeichnete Vertheidigungsschrift eines christlichen Magistratsbeamten, des Herrn Dr. Joseph Kolkmann zu Gunsten der Israeliten in Deutschland gelesen. Wir waren weniger befriedigt von den Lobsprüchen, die der Verfasser den von freidenkenden Predigern eingeführten Reformen spendet; aber durchdrungen von Dank und Bewunderung für einen Christen, welcher unsere gesellschaftliche Stellung in der Welt so warm vertheidigt, wollten wir zu unserem Lobe nicht die geringste kritische Anmerkung machen. Ein orthodoxer Jude aus Frankfurt a. M. hat nun an den Autor ein „offenes Schreiben" gerichtet, in dem er Herrn Dr. Kolkmann die lebhaften und beredtsamen Danksagungen ausdrückt, mit Geist und charmanter Curtoisie seine irrigen Meinungen über die reformistischen Bestrebungen im Judenthum bekämpft. Dieser anonyme Verfasser, welcher sich S. unterzeichnet, ist ein kräfliger und tapferer Kämpe der Israelitischen Wahrheit. Wir glauben, daß dieser derselbe ist. welcher dem famosen Rabbiner Süskind von Wiesbaden so gut heimgeleuchtet hat. Man darf der orthodoxen Gemeinde zu Frankfurt gratuliren, solche wackere Männer in ihrer Mitte zu besitzen. Paris Nach der veröffentlichten Liste der freiwilligen Gemeindekasse sind im Ganzen 600 Subscribenten und Geber beigetreten. Es wurde von denselben ein Fond von 359 1 15 Fr. und jährliche Beiträge von 52119 Fr. gezeichnet. (Un. Jsr.) England. London. Ein Insasse des „Hand - in Hand-Asyls, Heinrich Rossel, feierte jüngst seinen 100sten Geburtstag. Derselbe ist im vollständigen Besitze aller seiner Sinne; er betet in der in diesem Asyle sich befindenden Synagoge an Saabat- und Wochentagen vor und dies ohne Brille. (Jew. Ehr.) Amerika. New-Pork. Mehrere hiesige Rabbiner treten in einem Circular entschieden gegen den bei den hiesigen Israeliten herrschenden kostbaren Luxus bei Leichenbegängnissen auf und ermahnen ernst die Glaubensgenossen zu der bei den übrigen Israeliten auf der ganzen Erde üblichen Einfachheit bei solchen Anlässen zurückzukehren. (Jew. World.)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.