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Der Israelit · 1876-08-02 · Heft 31 (2.8.1876) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 31 (2.8.1876)
Date
1876-08-02
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XVII. Jahrgang. Erste Leilagr zn Ar. 31 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. MüllheiM (Baden). Wieder ist einer aus der Schaar jener Männer heimgegangen, die sich durch besonders jüdisches Wissen, Frömmigkeit und Charakterstärke auszeichneten; note prf«*-iVroD Herr Salomon Rothschild, welcher 42 Jahre als Stiftungsrabbiner in hiesiger Gemeinde wirkte, ist derselben p^o 's naw im Alter von 75 Jahren durch den Tod entrissen worden. Der sel. Verblichene war Rabbiner am hiesigen, seiner Zeit sehr besuchten teman n’3, aus welchem sehr gelehrte Männer, welche in Baden und auswärts als Rabbiner wirken, hervorgegangen sind. Sein Lebensgang bietet unserm Auge die mannigfachsten Ereignisse, wie sie nur das menschliche Leben, oft erfreuend aber auch oft bitter täuschend, bewegen können. Mit großem talmudifchem Wissen und mit den besten Zeugnissen seiner Lehrer, bei welchen er theologische Vorlesungen gehört, ausgestattet, trat er seine hiesige Stelle als Vorstand des «man n'3 nach vorherigem persönlichen Uebereinkommen mit dem Stifter desselben an. Viele Schüler von nah und auswärts traten in dasselbe ein und lauschten mit Begierde den Worten ihres Lehrers, die aus einer Quelle des tiefsten Wissens innig und mit Wärme hervorkamen. In seiner Familie lächelte ihm anfangs das Glück, sowohl zufrieden und gottergeben mit seinen eigenen Verhältnissen als auch mit den seiner in ihren Lebensstellungen günstig situirten Kinder. Bald trafen den Frommen jedoch und zwar besonders in seinen letzten Tagen, die härtesten Schläge, indem ihm zuerst seine Frau, seine verheirathete Tochter, sein 20jähriger Sohn und seine 18jährige jüngste Tochter sowie die Frau eines seiner Söhne in rascher Aufeinanderfolge entrissen wurden Wenn ihm auch das Herz blutete ob solcher herben Verluste, ergab er sich in frommer Hingebung den Fügungen des Himmels. Als er seine letzte Stunde herannahen fühlte und pjo bei dem theuren Scheidenden versammelt war, drückte er den Wunsch aus, daß ihm sowohl jetzt beim Hersagen von o^nn als auch nach seinem Tode in dem Sprechen des Gebetes für Verstorbene der Name pn« beigelegt werden möge. So unbegreiflich auch Manchen dieser Wunsch war, so schien er doch Vielen gerechtfertigt, wenn sie sein Leben mit dem des Priesters pn« verglichen. Mochte er sich nicht im Geiste an die Stelle des Hohenpriesters Aharon versetzt denken, dem an seinem größten Freudentage, als er die Weihe zum Hohenpriester erhielt, in Gegenwart der ganzen Gemeinde seine geliebten Söhne plötzlich entrissen wurden? Vielleicht ergab auch der Verblichene sich in diesem Augenblicke derselben stillen Hingebung wie der Dulder des gleichen Namensdti pn«. Als Rabbiner suchte er in hiesiger, aber ehemals in viele Parteien zerrissenen Gemeinde wieder den Frieden von der Kanzel aus herzustellen, *p-n an«; und wenn er durch seine Worte die Leidenschaften in der Gemeinde beschwichtigt hatte, zog er sich wieder in sein stilles Kämmerlein zum Studium der heil. Thora zurück. Die sehr ergreifenden Leichenreden hielten Herr Bezirksrabbiner Dreifuß von Sulzburg sowie seine Schüler, die Herren Rabbiner Picard von Randegg und Rabbiner Weill von Karlsruhe. Viele Theilnehmende von hier und Umgegend bezeugten ihre Trauer ob des schweren Verlustes; am meisten jedoch trauert die hiesige Gemeinde, die ihren Führer und Friedensstifter verloren. Möge der verwaiste Stuhl bald wieder besetzt werden. n"3"3"y'n. Altona, Juli. Abseiten der Regierung zu Schleswig, Abtheilung für Kirchen- und Schulwesen, ist es zufolge höherer Ermächtigung genehmigt worden, daß die Functionen eines Geistlichen bei der iörael. Gemeinde zu Elmshorn bis weiter von dem Oberrabbiner vr. Lob Hierselbst wahrgenommen werden. Neuerdings ist der Genannte auch mit der vorläufigen Wahrnehmung der Funktion eines Geistlichen bei der israel. Gemeinde zu Waldensee (Ahrensburg) betraut worden. Oesterreichisch-Ungarische Monarchie. Pesth. Bekanntlich ist es vielfach constatirt, daß die Sterblichkeit unter den Juden in der ganzen Welt nicht so groß ist, als bei anderen Confessionen. Unsere Hauptstadt scheint darin eine Ausnahme zu bilden. Namentlich ist es erwiesen, daß die Sterblichkeit unter den jüdischen Kindern größer ist. als unter den Kindern der Nicht-Juden. Die Sterbefälle bei den Säuglingen gestaltet sich folgendermaßen: Von kath. Säuglingen sterben ungefähr 10%, von jüdischen

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