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Der Israelit · 1876-08-02 · Heft 31 (2.8.1876) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 31 (2.8.1876)
Date
1876-08-02
Page
– (sequence 8)
Language
German
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724 > j;f; ■i\, ■■ ■i „ „Jnteressirt Sie dieses geheime Fach so sehr?"" „O, wenn ich das Geheimniß wüßte, dann wäre der Tisch das Doppelte Werth. Ist der Tisch r inmal offen, so könnte ich, im ihn wieder zu schließen, ein anderes Wort willkürlich wählen. Aber wer sagt mir jetzt das Zauberwort?" „„Kann man das geheime Fach nicht in anderer Weise finden?"" „Nur wenn man den Tisch zerschlägt. Aber wozu sollte das führen? Schätze werden in dem Geheimfache nicht sein; denn sonst hätte man den Tisch nicht verkauft." „..Wie kommen Sie zu demselbeu?"" „Mein Agent, der Deutschland bereist, um nach Antiquitäten zu suchen, hat ihn in P. bei einer Versteigerung gekauft. Es hatte Jemand das Haus des alten Hirschfeld mit dem sämmtlichen Mobiliar angekauft. Dieser Mann war gestorben. An der Stelle, an welcher das große Haus stand, sollte eine Fabrik erbaut werden, und das Mobiliar wurde versteigert." Frau Lennoir gedachte der Erzählung ihres Pflegesohnes, daß man in diesem Schreibtisch das Testament Salomon Hirschfelds vergeblich gesucht hatte. Sollte es vielleicht noch in dem Geheimfache liegen? „Was verlangen Sie für den Tisch?" fragte sie. „„Tausend Franken."" Für ein bloßes Experiment, auf eine vage Vermuthung hin, war das doch zu viel Geld. „Geben Sie ihn nicht billiger?" „„Nicht einen Centime!"" „Und ohne den Tisch zu zerschlagen, könnte man nickt nach dem Gebeimfache suchen?" „„Vermuthen Sie Schätze darin?"" „Nein, aber ein Familienpapier, das für einen Fremden keinen Werth hat, aber für einen meiner Freunde von Wichtigkeit wäre. Verkaufen Sie den Tisch nicht, bis ich wieder bei Ihnen gewesen bin. Ich werde Ihnen morgen Bescheid sagen lassen, eb ich darauf reflectire." „„Sehr wohl, Madame."" ^'ls Frau Lennoir nach Hause kam, fand sie den Brief ihres Pflegesohnes vor mit der Nachricht . daß er die Tochter Hirschfelds ohne Hoffnung liebe. „£)," sprach Frau Lennoir, „wenn ich dieses Testament finden würde, wie würden sich da alle Verhältnisse mit einem Schlage ändern!" „Sie schrieb den Brief, den wir schon gelesen haben. In jedem Falle wollte sie nach F. reifen, um durch ihren persönlichen Einfluß ihrem Pflegesohne nützlich zu sein. Am andern Tage entschloß sie sich, die tausend Franken daran zu wagen, den Tisch zu kaufen, um ihn zu zerschlagen. Sie schickte die verlangte Summe dem Antiquar und ersuchte ihn, ihr sogleich den Schreibtisch zu senden. Zugleich bestellte sie einen Notar und Zeugen, um für den Fall, daß das Testament gefunden werden würde, den Sachverhalt amtlich constatiren zu lassen. Der Antiquar kam in Begleitung von einigen Lohnmännern, die den Tisch brachten^ Frau Lennoir bezahlte die Lohnmänner und entließ sie; der Antiquar aber bat sie, ihm zu erlauben, bei der Procedur zugegen zu sein. Bald erschien der Notar mit seinen Zeugen und fertigte über die Thatsachen einen Act aus. Dann wurde der Concierge gerufen, der, mit einem Beile bewaffnet, das kostbare Möbel in Trümmer sch.agen sollte. ES war ein ergreifender Augenblick, voller Spannung für alle Anwesenden. Der Concierge holte zum Schlage aus; da fiel ihm der Antiquar in den Arm. „Es thut mir zu leid," sagte er, „daß das schöne Möbel zerstört werden soll. Versuchen wir noch einmal zu rathen. Sie haben vielleicht eine glückliche Hand, Madame, verschieben Sie einmal die Buchstaben!" Frau Lennoir sann nach. Vielleicht hatte Salomon den Namen seines Sohnes „Philipp" gewählt? Aber es waren keine drei „P." unter den Buchstaben. Frau Lcnnoir erinnerte sich, daß Philipps Mutter „Sara" geheißen. Sie schob „Sa" von „Salomon" aus der Reihe, dann das „r" aus „Hirschfeld", dazu das „a" von „am" — und siehe da, die geheime Schublade sprang auf und vor Aller Augen wurde ein in einem weißen Bogen Papier eingeschlagenes Paquet sichtbar. Auf dem weißen Bogen Papier stand in jüdischen Schriftzügen geschrieben.- „Mein Testament". (Fortsetzung folgt.) Hierzu zwei Beilagen. Verantwortliche Redaction: Dr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. I. Gottsleben's Buchdruckerei in Mainz (Mainzer Anzeiger).

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