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Der Israelit · 1876-08-02 · Heft 31 (2.8.1876) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 31 (2.8.1876)
Date
1876-08-02
Page
– (sequence 7)
Language
German
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723 Feuilleton. XXIII. Hast Du, lieber Leser, schon von Kiselak gelhört? Nicht? O, dann war ja das Mühen deS I Armen um unsterblichen Ruhm ganz vergeblich. I Kiselak, der vor ungefähr einem halben Jahrhunldert in Wien und im Sommer in Wiener Baden I lebte, hatte nur den einen Wunsch, sich berühmt, Isich unsterblich zu machen. Da er weder ein I großer Feldherr, noch ein großer Staatsmann, Inoch ein großer Dichter, auch nicht Bildhauer, I Maler oder Musiker, sondern nur ein pensionirter I Subaltern-Beamter war, so stellten sich diesem I Wunsche bedeutende Hindernisse entgegen. Große I Geister aber verzagen nicht. Kiselak schrieb seinen | Namen, mit großen oder kleinen Buchstaben, überall hin, an die Felsen in der Nahe von Baden, an alle Häuser und Scheunen; er gravirte ihn in Stein und Metall, schnitt ihn in Stühle, Bänke, Bäume, ließ ihn auf Wiesen und Feldern mit der Sichel einmähen. Man las in Folge dessen den! Namen Kiselak in ganz Wien und dessen Umgebung, und so wurde Kiselak bald ein berühmter Mann. Einst hatte ein reicher Graf sich in Wiener Baden ein Palais erbauen lassen: kaum war es fertig, so prangte auch schon in großen Buch-! staben auf 5er halbtrockenen Oelfarbe der Name > Kiselak. Der Graf war außer sich vor Wuth. Er ging auf die Straße und redete die Vorübergehenden an und bat sie dringend, ihm zu helfen, den närrischen Kiselak einzufangen, um ihn der Polizei zu überliefern. Eine große Menschenmenge sammelte sich bald vor dem Palaste des Grafen, der immer mehr in Zorn gerieth und schrie und tobte. Endlich machte er Kehrt, um in sein Haus zu gehen. Da bricht die Menge in ein nicht endenwollendes Gelächter aus; auf dem Rücken des Grafen steht, mit Kreide geschrieben, in großen Buchstaben „Kiselak". Dieser hatte sich hinter den tobenden Grafen geschlichen und das Kunststück vollbracht. — Erzherzog Albrecht. der in Baden eine prachtvolle Billa besitzt, ließ Kiselak zu sich rufen und bat ihn, doch seine Besitzungen zu verschonen; der Erzherzog war sehr höflich gegen den ruhmesdurstigen Mann; er hieß ihn Platz nehmen und unterhielt sich längere Zeit mit ihm. Kiselak versprach, dem Wunsche des Erzherzogs nachzukommen. Kaum jedoch hatte sich Kiselak entfemt, als der Erzherzog zu seinem größten Schrecken bemerkte, daß während des Gespräches Kiselak mit einem feinen Messer seinen Namen in den kostbaren Tisch, an dem er gesessen, hineingeschnitten hatte. Von dem Geiste Kiselaks hatte auch etwas in Binjamin gesteckt zu jener Zeit, da er noch ein übermüthiger Knabe war. So hatte er einst feinen vollen Namen in den kostbaren Schreibtisch seines Großvaters geschnitten und war dafür nicht wenig gezankt worden. Als Frau Lennoir eines Tages über eine der Seine-Brücken ging, bemerkte sie'bei einem Händler am Seine-Ufer einen hübschen Schreibtisch, im echten Rokoko-Stil. Eine Freundin alterthümlicher Möbel, trat sie näher, um den Schreibtisch zu betrachien, und bemerkte zu ihrem Erstaunen in der Seitenwand den Namen „Binjamin Hirschfeld" eingeschnitten. Der Antiquar trat herzu. „Schade", sagte er, „daß das schöne Stück, das sonst sehr gut erhalten, durch den Einschnitt entstellt ist. Das hat gewiß ein Sohn des einstigeu Besitzers gethan." „„Wieso vermuthen Sie das?"" fragte Frau Lennoir. Der Händler öffnete den Tisch. Da stand an der Vorderwand in großen Buchstaben: „Salomon Hirschfeld in P— am Rhein " „Das war der ehemalige Besitzer dieses Tisches," sagte der Antiquar, „und er hat das Geheimniß desselben mit ins Grab genommen." „„Was für ein Geheimniß?"" „Sehen Sie, Madame, der Tisch besitzt geheime Fächer; aber ein Geheimniß wacht es unmöglich, daß ein Uneingeweihter sie finde." „„Sie machen mich neugierig!"" „Sehen Sie die Buchstaben des Namens des Besitzers? Man kann sie vorschieben. Es sind fast alle Buchstaben des Alphabets darin vertraten. Schiebt man nun einige dieser Buchstaben so, daß irgend ein voraus bestimmtes neues Wort entsteht, so tritt ein geheimes Fach zu Tage, das man sonst unmöglich stnden kann. Ich habe das Stück unlängst gekauft; ich kenne diese Art Möbel ganz gut'; sie sind sehr sinnreich construirt. Ich habe probirt und probirt; ich habe das Wort nicht gefunden. Ich habe nach P. geschrieben, um mich nach dem Geheimnisse zu erkundigen. Ja, Salomon Hirschfeld ist seit vielen Jahren todt und von einem geheimen Fache weiß Niemand dort etwas."

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