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Der Israelit · 1876-08-02 · Heft 31 (2.8.1876) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 31 (2.8.1876)
Date
1876-08-02
Page
– (sequence 6)
Language
German
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722 Wie«. Aus Galizien wird über großartige Wahlagitation in zu der im Herbste stattfindenden Landtagswahlen berichtet. Die Juden werden dabei vielumworken. Ruthenen und Polen überbieten sich in Versprechungen und wird wie eS scheint, die Mehrzahl der Israeliten mit den Ruthenen gehen, denen sie schon wegen ihrer deutschen Bildung näher stehen. Aus Mähren. Die Organisation der mährischen Gemeinden, in welchen bislange ein unsägliches Chaos und eine gesetzlose Wittkübr in administrativer Beziehung herrscht, soll nun endlich zur Wahrheit werden. Das hohe k. k. Ministerium hat angeordnet, daß die Judenschaften bezüglich Matrikenführung und Trauung nach Bezirken eingetheilt werden.' Den Entwurf dieser BezilkSeintheilung verfertigte der Oberlandesrabbiner für Mähren, welcher von der k. k. Statthalterei nach Einvernehmen der Bezirkshauptmannschasten rectificirt wurde. Tie übrige Normirung der Cultusangelegenheiten arbeitet ein Comitä in Brünn aus, dessen Arbeit der Statthalterei vorgelegt und von derselben sanctionirt werden wird. Zu wünschen wäre jedoch, daß das Comitv das Elaborat den Gemeinden zur Prüfung vorlegen möchte, damit keine Unzufriedenheit herrsche. Abaujf-Szarrto (Ungarn), 18. Juni. Herr Tobias Goldberger. Schwiegersohn des Hrn. Selig HausDorf aus Jerusalem, der als nm ins heil. Land gegangen, dort geheirathet und nun nach zehnjähriger Abwesenheit seinen Eltern dahier einen Besuch abstattete, hat die hiesige Gemeinde mit einer Derascha beehrt, die durch ihre lichtvolle pilpulistische Entwickelung und durch ihr UebersUömen von nsnm n*rp3 die Zuhörerschaft aus den hiesigen Talmudisten geradezu in Staunen versetzt. Wer einen derartigen Vortrag mit Verständniß zu verfolgen im Stande ist, der muß sich das Gestä.idniß machen, daß nur das Leben und das „Fleißiglernen" in '"n ein solch immenses Bewandertsein auf dem Meere des Talmuds möglich macht und daß die Unterstützung, die man den Talmide Chachamim daselbst angedeihen läßt, keine nutzlose ist. Israel Margarethen. England. London. Die Verhandlungen, durch welche eine Vereinigung der beiden dahier bestehenden jüdischen Gesellschaften, (Board of Deputies und Anglo-Jewisch Association) bewerkstelligt werden sollte, haben zu keinem Resultat geführt. Es ist dies sehr zu bedauern, da von den vereinigten Gesellschaften viel mehr Ersprießliches zu erwarten gewesen wäre. London. Das Einkommen der elf dahier bestehenden Missionär-Gesellschaften erreichte verflossenes Jahr die Summe von 210000 L., unter diesen ist die Bekehrungsgesellschaft mit 41.363 L. creditirt. (Jew. Chr.) Türkei. SofiN. Die spanischen Juden der bulgarischen Städte werden von den Behörden gezwungen, die kunterbunte Kriegs - Beute zu einem Preise aufzukaufen, den die Behörde selbst teftsetzt. Die spanischen Juden machen dabei oft ein herzlich schlechtes Geschäft. Jüngst nöthigte man die von Sofia, 4000 Stück Lämmer zu kaufen, welche die Baschi-Bozuks aus den geplünderten Dörfern der Umgebung in die Stadt getrieben hatten; der Pascha berief einfach alle jüdischen Fleischhauer zu sich und bestimmte nun, je nach dem Vermögensstande des einzelnen, wieviel jeder von ihnen zu kaufen habe, wobei der Preis für je ein Paar auf 21^ Piaster (6 Francs) festgesetzt wurd'. Das mag ein niedriger Preis scheinen, da aber in Folge des fortwährenden Zutriebes ein starker Ueberfluß an Lämmern in Sofia herrscht, so büßten die Käufer noch bei jedem Paar 3 bis 5 Piaster ein. Daß das geschehen werde, wußten die Juden im Voraus; hätten sie jedoch einen Widerspruch gewagt, so würde das genügt haben, sie in den Verdacht der Jnsurrectionsfreundlichkeit zu bringen, und um von diesem Verdachte sich wieder zu reinigen, hätte es noch weit größerer materieller Opfer bedurft. Serbien. Belgrad. Die Bevölkerung von Belgrad, der Hauptstadt Serbiens, betrug nach der letzten Volkszählung 29,000 Serben und etwa 7—8000 Ausländer, welche unter ihren Konsulaten stehen. Von letzteren hat nur das deutsche General-Konsulat ein eigenes städtisches Grundstück, da das serbische Gesetz den Ausländern verbietet, hier Häuser zu besitzen. Von den etwa 2000 Juden in Serbien wohnen aber doch etwa 400 Familien in Belgrad; im Innern des Landes dürfen sie überhaupt in keinen Gemeindeverband ausgenommen werden.

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