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Der Israelit · 1876-08-02 · Heft 31 (2.8.1876) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 31 (2.8.1876)
Date
1876-08-02
Page
– (sequence 5)
Language
German
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721 tigkeit derselben gestand. Der Messias konnte nach jüdischer Anschauung nur ein König sein, also auch hierin kann man den Juden keine mala fides unterstellen. Aus allen diesen Gründen, so schließt Lord Amberley dieses Kapitel, wage ich zu dem Schlüsse zu gelangen, daß die geistlichen Herrscher von Judäa nicht so tadelnswerth in tbs Lxsaution waren, als man gewöhnlich annimmt. Nach den Prinzipien ihrer eigenen Religion beurtheilt, waren sie in vollem Recht. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 27. Juli. Unsere geehrten Leser Werden sich erinnern, daß die „Stettiner Zeitung" vor einiger Zeit sehr betrübende Mittheilungen über den sittlichen Zustund der Israeliten von Marocko brachte. Zu unserer großen Freude wird uns jetzt von Seiten der „All. Jsr. Univ." die Mittheilung, daß jene Angaben in crassester Weise übertrieben wurden, und daß die große Mehrzahl unserer marockanischen Glaubensbrüder in religiöser und sittlicher Beziehung im höchsten Grade' achtungswerth sind Bingen a. Rh., 26. Juli. Der hiesigen Israel. Relrgionsgesellschaft (orthodoxe Separat- Gemeinde) sind gestern von Sr. Kgl. Hoheit dem Großherzoge die Rechte einer Corporation und moralischen Person Allergnädigst verliehen worden. Nunmehr tritt die Religionsgesellschast aus dem Stadium des Provisoriums; der Bau der neuen Synagoge wird nächstens in Angriff genommen werden,' und so geht unsere orthodoxe Gemeinde unter der bewährten Leitung unseres Rabbiners, Herrn vr. Sänger, mit göttlicher Hilfe einer gedeihlichen Entwickelung entgegen. Gieße«. In Gießen hat der Vorstand der israel. Gemeinde aus eigener Machtvollkommenheit das jüdische Begräbniß mit dem christlichen vereinbart, indem er, auch ohne nur die Mitglieder der Gemeinde zu fragen, die Trennungs-Mauer entfernen ließ. Die sehr wenigen gesetzestreuen Mitglieder daselbst lassen sich das gefallen, ohne Opposition zu erheben oder den Vorstand anzuklagen, welcher zu diesem Schritte gar nicht competent ist. B. Hecht. Lippstadt. Ja Lippstadt sind am 4. v. M. abermals vier Grabsteine auf dem jüd. Friedhofe theils beschädigt, theils zertrümmert worden. Nach Aussage eines Sachkundigen hat das Frevelwerk nur vermittels eines schweren Instrumentes von starker Hand ausgeführt werden können. Die jüd. Friedhöfe in Werl, Ahlen. Bonn, Tholey u. a. m. wurden in neuerer Zeit auf ähnliche Weise wie in Lippstadt geschändet. Das sind die Früchte der bekannten Hetzschriften gegen die Juden. Oe st er r. - Ungar. Monarchie. Wie«. Der begabte österreichische Historienmaler Joseph Frankl ist am 15. d. M. auf dem Schlosse des Lord Bolton zu Hampshire in England, erst 38 Jahre alt, nach kurzer Krankheit gestorben. Ein Sohn des Brunuenarztes Dr. Frankl in Marienbad, wurde er in Prag geboren, und da er frühzeitig Hang und Anlage für bildende Kunst Zeigte, wurde er ein Zögling deS b rühmten Schnorr in Dresden zu dessen begabtesten Jüngern er bald gehörte. Er wendete sich zumeist der Historie zu, und immer größere Aufmerksamkeit auf sich lenkend, folgte er einem Rufe nach England, wo er zuerst Fresken im königlichen Schlosse zu Windsor ausführte. Bon da ab fand er fort und fort auf Edelsitzen der ersten englischen Fauilien, durch seine allgemeine Bildung und feinen Umgangsformen unterstützt, gastliche Aufnahme und vielfache Beschäftigung. In Wien stellte er nur Einmal ein BUd: „Die Schwestern", vor etwa 10 bis 12 Jahren aus, das sich eines bedeutenden Beifalls erfreute. Die österreichische Kunst verlor einen ihrer edlen Vertreter. Joseph Frankl ist ein Vetter des Dichters gleichen Namens und Neffe des in Rom lebenden Malers Leopold Pollak. Wie«, 26. Juli. Der „Politischen Correspondenz" wird telegraphisch aus Türkisch-Brod gemeldet: Unter der muhamedanischen Bevölkerung der Matessarifliks (Gouvernements) Banja« luka und Zwornik und besonders in den Kaimakamaten Dervent und Teschany werden zahlreiche grüne Fahnen vertheilt. Die Hodphas bereiten die Rechtgläubigen auf die Entfaltung der Fahne des Propheten vor. Der Schrecken unter der katholischen, griechischen und jüdischen Bevölkerung ist ungeheuer. Die österreichische Grenze ist von türkischen Wachtposten abgesperrt, die Jedermann den Uebertritt auf das österreichische Gebiet wehren. Die Verwirrung ist unbeschreiblich.

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