Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 31 (2.8.1876)
- Date
- 1876-08-02
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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718 immer näher. Oft dem Ziele nahe, wird es durch die Ereignisse, meistens durch eigene Schuld, durch verhängnißvolle Jrrthümer weit, weit zurückgeworfen. Getragen auf Adlerfittigen und zu Gott emporgebracht, sinkt es zurück in die Tiefe in Folge der Anbetung des goldnen Kalbes; an der Grenze des heiligen Landes wirft es der verhängnißvolle Kleinmuth der Kundschafter auf vier Jahrzehnte in die Wüste zurück; durch Samuel zur reinen Gotteserkenntniß geführt, sind es die Verräther in seiner Mitte (Delatoren), die es von dem ersehnten Ziele entfernen, da zu Chiskijahs Zeiten nur wenig fehlte an der Erlangung der höchsten Vollkommenheit (nwo rii'.iv 'n'pin 'vi v&o) war der Rückfall unter seinem Sohne Menascheh um so entsetzlicher. Aber stets von Neuem hat unser Volk sich wieder emporgearbeitet; nie hat es muthlos verzweifelt, und wenn manchmal ganze Geschlechter dem Feuertode preisgegeben wurden, so erblühte aus ihrer Asche die neue Saat, die der Vollkommenheit entgegenreifte. Unsere Väter haben in Noth und Kummer und unter fürchterlichen Entbehrungen ausgeharrt, indem sie zuversichtlich für ihre Nachkommen eine schönere Zeit erhofften. Die schönere Zeit ist gekommen; die Söhne Israels dürfen frei ihre Häupter emporheben, dürfen ungestört ihrem Gotte dienen. Gleichzeitig aber sind wir zurückgeschleudert weit, weit ab von unserem erhabenen Ziele. Vergessen ist die Lehre unseres Gottes, kaum gekannt noch sind Seine Heiligen Gebote, entweiht Sabbate und Festzeiren, zum Mährchen geworden Reinheit und Sittlichkeit bei einer großen Menge der Sohne und Töchter unseres Volkes! — Was soll daraus werden? Wenn der Abfall sich weiter so verbreitet, wird es da nach wenigen Jahrzehnten noch Juden geben? 'Op ivm iBm, „Tröstet, -tröstet mein Volk!" Wir haben nichts zu fürchten. Unser Volk hat schon gefahrvollere Perioden überstanden. Die Aufgabe, die uns Gott gestellt hat, wir halten fest an ihr, wir harren aus in ihr. Alle Völker der Welt, sie wachsen empor wie das Gras, sie entfallen reiche Blüthen, bis ihre Zeit um ist, dann vertrocknet das Gras, dann welkt die Blüthe; Israel aber ist ewig wie die Gotteslehre, die ja sein Wesen ausmacht, sein Leben ist. DPiyP 21p' Uni^N 2211 pS P2J TSn EG' „Es vertrocknet das Gras, es welkt die Blüthe, über unseres Gottes Wort wird bestehen ewiglich." Graf Imberlky über die Hinrichtung des Stifters -er chr. Religion. *) Als vor einigen Monaten Vlscount Amberley, der Sohn Lord Russell, starb, wußte man in allen eingeweihten Kreisen, daß er ein großes Werk im Manuskripte hinterlassen habe, welches sich mit religiösen Fragen beschäftige. GrMlMM strengungen wurden von verschiedenen macht, um die Herausgabe dieses posthum^^^^D zu verhindern, und man sprach schon vo^^^W Prozesse der Verwandten des Versti^^^D gegen dessen Testamentsvollstrecker auf Verni^^D des gefährlichen Manuscriptes. Vor einigen Tagen erschien nun doch d>^^ so gefährlich ausgegebene Buch in zwei statMID Bänden. Die Verleger kündigen den Lesern auf einem Flugblatte an, daß blos drei Fünftel des ersten Bandes von-dem Verfasser noch vor seinem frühen Tode corrigirt und revidirt werden konnten. Aus diesem Umstande erklären sich manche Unebenheiten des Stiles und des Arrangements. Wir wollen hier nur das mittheilen, was der Verfsser über die Vernrtheilung des Stifters der christl. Religion sagt. „Bis vor sehr kurzer Zeit, so beginnt das betreffende Kapitel, hat die Welt stets nur die Geschichte der Verurtheilung und Kreuzigung von einer Seite, nämlich von der christlichen gehört. Es ist begreiflich, daß man unter solchen Umständen sich kein richtiges Bild von der Sache machen konnte. Auf der einen Seite sah man stets nur alle Ungerechtigkeit, das blutdürstige jüdische Volk, auf der andern das unschuldige Opfer. Allein schon die oberflächlichste Betrachtung müßte zeigen, daß die gewöhnliche Darstellung des Sachverhaltes nicht die richtige sein könne. Daß eine ganze Nation vollständig im Unrechte und nur einige Individuen im Rechte sein sollten, müßte durch klare Beweise festgeftellt werden, und wir müßten sowohl die Vertheidiger der Majorität wie die der kleinen Minorität hören. Allein bisher geschah nur das letztere. Eine einseitige Erzählung von den Anhängern eines Verurtheilten kann niemals genügen, um ein Urtheil über die Gerechtigkeit der'Richter zu fällen Und doch geschah dies alle Jahrhunderte hindurch. Von Seiten der Ankläger besitzen wir keine Darstellung des Prozesses; Josephus, der uns hätte Aufklärung verschaffen können, schweigt hierüber, und wir mußten uns daher bloß mit der Darstellung von Seiten der Vertheidigung ') Nach der „Franks. Ztg/'.