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Der Israelit · 1876-07-26 · Heft 30 (26.7.1876) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 30 (26.7.1876)
Date
1876-07-26
Page
– (sequence 11)
Language
German
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s glühenden Gesichter und mahnte sie, daß sie auf offener Promenade sich befanden. Lachend schüttelten sie den Schnee von den Kleidern und schritten weiter. „Die Krankheit Deines Vaters zieht sich sehr in die Länge," bemerkte Gras Staremberg, „könntest Du nicht Deine Mutter in's Vertrauen ziehen?" Hermine schüttelte die Locken. „Meine Eltern werden nie ihre Einwilligung zu unserer Verbindung geben," sagte sie. „„Werden nicht einwilligen?"" rief er voll Staunen, „„habe ich Dich recht verstanden?"" Sie wiederholte leise aber entschieden ihre Worte; er schüttelte noch immer staunend das Haupt. „Und warum glaubst Du denn, daß Deine Eltern Dich mir weigern würden? Genügt Ihnen vielleicht mein Vermögen nicht? Oder sollte mein Adel ihnen nicht alt genug sein?" fügte er leise spöttelnd hinzu. „„Die Verschiedenheit unserer Confession ist's,"" erwiderte Hermine. „Ah so, Deine Eltern gehören demnach zu den Frommen?" Hermine neigte bejahend das Haupt. „Und Du?"' „„Ich bin Dein,"" erwiderte sie, sich fester an ihn schmiegend. „Dank," sagte er innig. „Du wirst es nie bereuen. — Aber hast Du auch der muthmaßlichen Kämpfe gedacht, wenn Du gegen den Willen Deiner Eltern —" „„Um Dir anzugehören, trotze ich der ganzen Welt."" Ihr Auge strahlte in wunderbarem Glanze. Graf Staremberg vermochte den Blick nicht von ihr zu wenden und so wandelten sie weiter und träumten von glücklicher Zukunft und machten Pläne für dieselbe. „Da Du aber überzeugt bist," bemerkte Graf Staremberg, „daß Deine Eltern in unsere Verbind düng nimmer willigen, wir also gezwungen sein werden, uns ohne dieselbe zu behelfen, so sehe ich rn der That nicht ein, weßhalb wir auf die Genesung Deines Vaters warten sollen. Ich habe Konnexionen, es wird sich uns kein Hinderniß in den Weg stellen. Willigst Du ein, so könnten wir in wenigen Wochen, ja in einigen Tagen, verbunden sein." Auf Herminens Antlitz wechselte glühende Röthe mit erdfahler Blässe. „„Arthur,"" sprach sie leise, „„ich habe mich Dir verlobt, aber Du weißt nicht, um welchen Preis. Ich werde Dein werden, weil ich Dich liebe und weil ich keinem Menschen, nicht einmal meinen Eltern, das Recht zugestehe, der Neigung meines Herzens hindernd in den Weg zu treten. Trotzdem liebe ich meine Eltern und weiß, daß auch sie mit zärtlicher Liebe mich umfassen. Und so weiß ich denn auch, daß der Schritt, den ich beabsichtige, meine Eltern schmerzlich kränken wird. Es Ihut mir das leid, doch vermag ich es nicht zu ändern; denn Deine Liebe geht mir über Alles, und im Grunde haben meine Eltern doch auch nicht das Recht, sich meinem Glücke entgegen zu stellen. Doch jetzt sie verlassen, jetzt, wo mein Vater so schwer darniederliegt, das könnte sein Leben gefährden, das wirst selbst Du nicht wollen." " „Du hast Recht," erwiderte er, „wir müssen warten. Doch wir sehen uns täglich." „„Täglich um dieselbe Zeit. Doch sieh, wie die Zeit entflohen. Es ist bereits Abend, dort brennen schon die Gaslaternen, ich muß heim eilen."" „Ich begleite Dich bis zu Deiner Wohnung; was schadet's, wenn man uns erkennt? wir sind Verlobte." „„Verlobte,"" wiederholte Hermine leise, und von unaussprechlicher Seligkeit erfüllt, lehnte sie sich fester auf seinen Arm. Sie, die Bürgerliche, die Jüdin, Braut des hochgeborenen Grafen. — O, dieses Glück! — dieses nie geahnte Glück! — Wonnetrunken schritt sie die Stiegen zur Wohnung ihrer Eltern hinan, noch brannte der Abschiedskuß des Grafen auf ihrer Hand und sie drückte die Lippen auf die Stelle, die sein Hauch berührt. — Die Glasthür, die zur Etage führte, war nicht im Schloß; unbemerkt konnte sie daher ihr Zimmer erreichen und der Straßentoilette sich entledigen. Jetzt erst kam ihr der Gedanke, daß die Mutter sie vermißt haben konnte und gleichzeitig siel ihr auch der ungewohnte Bisamgeruch auf, der das ganze Haus erfüllte. „Ist das Fräulein noch nicht heimgekehrt?" körte sie eine Männerstimme im Conidor fragen. War das der Arzt, der sich nach ihr erkundigte? — Sie wußte es nicht; wußte auch nicht, warum es ihr gerade in diesem Moment so unangenehm war, dem theilnehmenden Manne zu begegnen; doch um ihn zu vermeiden, machte sie einen Umweg , um sich, ohne den Corridoc zu berühren, durch andere Zimmer in das ihrer Eltern zu begeben. Zu ihrem Erstaunen fand sie die sonst unbenutzten Zimmer erhellt; fremde Personen, die nicht zur Familie gehörten, gingen aus und ein, grüßten sie flüchtig und flüsterten miteinander. — Das Herz zog sich ihr zusammen. — Bebend öffnete sie die Thüre zum Krankenzimmer, ein junger Mann trat ihr entgegen. „Leo!" schrie sie und taumelte beinahe zurück

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