Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 30 (26.7.1876)
- Date
- 1876-07-26
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XVII. Jahrgang. Erste Seiiage zu Nr. 36 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Stuttgart. Die freiwillige isr. Lehrerconferenz wird am 7. August d. Js. wieder in Stuttgart abgehalten werden und der Ausschuß schon am Vorabend seine Berathungen hier vornehmen, um ungestört dem Thema der Conferenz sich widmen zu können, worüber das Circular des Vorstandes das Nähere bald bringen wird. Oedheim am Kocher, 19. Juli. Heute am wann itc'v nyair wurde hier der schön eingefriedete neue jüdische Begräbnißplatz durch den Bezirksrabbiner unter Theilnahme der christlichen und jüdischen Ortsbevölkerung, sowie der bürgerlichen Collegien, welche den Platz hiezu unentgeltlich verwilligt haben, feierlich eingeweiht. Bisher wurden die jüdischen Leichen im Neckarsulmer Friedhof beerdigt, der 1*/« Stunde entfernt ist, wobei zum Theil über schlechten Feldweg gefahren werden mußte. Von diesem Friedhofverband trennten sich schon vor mehreren Jahren noch etliche benachbarte Gemeinden Israels, so daß jetzt nur die wenigen Familien in Liesen sehr alten Begräbniß-- platz ihre Todten beerdigen, welche in der Stadt Neckarsulm selber noch ihren Wohnsitz haben. Der Boden ist aber auch vollkommen zum Leichenfekd geworden, daß nur noch wenige Gräber darin angelegt werden könnten. Die ) Trennung der Nachbargemeinden oder eine Vergrößerung war also nicht nur durch die Entfernung, sondern auch durch den Mangel an Gräberraum geboten, da bekanntlich die Israeliten ihre Leichen nicht wieder ausgraben. — Da die Israeliten in Neckarsulm keine selbstständige Kirchengemeinde bilden, sondern als Parcelle nach Kochendorf eingetheilt sind, so dürfte es Sache des dortigen Kirchenvorsteheramts, des Bezirksrabbinats und der isr. Oberkirchenbehörde sein, den alten Friedhof, dessen Grabdenkmäler und Umzäunung in anständigem Zustande zu erhalten, wozu die Hinterbliebenen der dort Beerdigten aus Pietät gewiß auch gerne beitragen würden., wenn eine geeignete Persönlichkeit die Sache in die Hand nehmen wollte. Aus dem Erlös des Neckarsulmer Kirchenguts, das vor etlichen Jahren in die Centralkasse floß, könnte auch mit geholfen werden. Eigene Friedhöfe befinden sich jetzt nachbarlich in Sontheim mit Thalheim und Horkheim, in Herlbronn, in Kochendorf, in Oedheim und in Neckarsulm. Der letztere dürfte auch dem besonderen Schutze des Gemeinderaths in Neckarsulm empfohlen werden, um den geweihten Boden in Würde zu erhalten. Leipzig. Dem Berichte des Vorstandes der isr. Religions-Gemeinde zu Leipzig über das Verwaltungsjahr 1875 entnehmen wir: Auch in diesem Jahre können wir einen Zuwachs an neuen Mitgliedern constatiren, wenngleich derselbe die Vermehrungsziffer der Nächstliegenden Vorjahre nicht erreicht hat. In größerem Maße hat sich hingegen die Zahl derjenigen vermehrt, welche als deutsche Reichsangehörige, ohne das Leipziger Bürgerrecht erworben zu haben, hier wohnen, und die, mit Ausnahme des Wahlrechts, statutengemäß an allen Rechten und Pflichten der wirklichen Gemeindemitglieder Theil nehmen. Die israelitische Religionsgemeinde zu Leipzig zählte zu Ende des Jahres 1875 342 Mitglieder. Nach der letzten Volkszählung vom 1. Dec. 1875 betrug die Gesammtzahl sämmtlicher hier lebenden Israeliten: 2564 Seelen. In dem abgelaufenen Schuljahre betrug die Gesammtzahl der Schüler und Schülerinnen der Religionsschule 128 und zwar: 64 Knaben und 64 Mädchen. Die Einnahmen betrugen 33391 M. Die Ausgaben 31291 M. Feuilleton. prosclytcn. Don Friedrich Rott. X. Der Nachmittag nahte, der bisher so klare, heitere Himmel hatte sich umwölkt, schon eine Stunde vor der zum Rendezvous bestimmten Zeit schneite es in dichten Flocken. Angstvoll schaute Hermine durch's Fenster; wohl war sie fest entschlossen, trotz des ungünstigen Wetters ihr Wort zu halten; denn sie war fest überzeugt, daß der Graf sie er-