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Der Israelit · 1876-07-26 · Heft 30 (26.7.1876) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 30 (26.7.1876)
Date
1876-07-26
Page
– (sequence 8)
Language
German
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696 sah, da sagten Sie: „Wunderbar sind die Wege der Vorsehung!" Wie sehr hatten Sie doch Recht mit diesen Worten! Denken Sie, Theodor Hirschseld, der Sohn des Mannes, der mir mein Erbe vorenthält, hat meine Mutter vom Hungertode errettet und sie anständig versorgt seit vielen Jahren. Aber noch etwas viel Sonderbareres wiü ich Ihnen erzählen. David Hirschfeld hat eine Tochter, Johanna heißt sie, die ich mehr liebe als mein Leben! Ich verhehle mir nicht, daß ich ohne Hoffnung liebe. Auch soll Johanna schon an einen jüdischen Baron aus Oesterreich versprochen sein. O, meine theure Pflegemutter, als ich von Ihnen gerettet mich in Ihrer Nähe so wohl befand und beschloß, ein besserer Mensch, ein guter Jude zu werden, da glaubte ich, ein neues Leben zu beginnen und mit allen widrigen Geschicken meiner Jugend abgeschlossen zu haben. Jetzt stehe ich an neuen, schweren Conflicten. Soll ich meiner Liebe entsagen? Ich würde es thun, wenn es sich nur um mich handelte; allein Theodor hat mir vertraut, daß seine Schwester den Freiherrn von Solmsfeld nicht liebt; daß sie ihn durchaus nicht zum Manne will, weil er nicht nach den Gesetzen unserer heiligen Religion lebt. Soll ich Theodor meinen wahren Namen entdecken? Theodor ist ein edler Mensch und sehnt sich danach, das mir geschehene Unrecht wieder gut zu machen. Das aber würde wahrscheinlich zum offenen Bruche zwischen Vater und Sohn führen, und den Sinn des alten Hirschfeld nur noch verhärten. Ich weiß nicht, was ich thun soll. Ertheilen Sie mir gütigst Ihren guten Rath. Die Geschäfte gehen gut. Ich hoffe, meine Prinzipäle werden mit meiner hiesigen Thätigkeit zufrieden sein. Ihr ewig dankbarer Sohn F., 20. Mai 1861. Richard Lennoir." W'e unsere Leser sehen, war Binjamin schon nach F. zurückgekehrt, als er den vorstehenden Brief schrieb. Er hatte seine Mutter gebeten, seinen wahren Namen noch zu verschweigen'; nur Rabbi Oscher Goldau war zum Mitwisser des Geheimnisses gemacht worden. Unterdeß drang David Hirschfeld immer heftiger in seine Tochter, die ihr dargebotene Hand des Baron Solmsfeld anzunehmen. Binjamin, der durch Theodor Alles»erfuhr, verzweifelte schier. Wenige Tage nachher erhielt Binjamin einen Brief von Frau Lennoir; diese schrieb: „Mein lieber Sohn! In größter Eile lasse ich Dir nur wenige Zeilen zukommen. Ich bin hocherfreut, daß Du Deine lieb? Mutter wiedergefnnden hast. Grüße sie herzlich von mir; ich werde ihren lieben Brief mündlich beantworten. Ja, mein lieber Sohn, ich treffe eben die nöthigen Vorbereitungen, um zu Dir nach F. zu eilen. Es sind wichtige Dinge vorgefallen, die es nothwendig machen, daß ich persönlich mit Dir rede. — Was die Angelegenheit betrifft, um derentwillen Du meinen Rath wünschest, so thue gar Nichts, bis ich mit Dir gesprochen habe. — Deine Prinzipäle sind mit Deiner Wirksamkeit in F. sehr zufrieden. Doch das ist jetzt nebensächlich! Bald, bald, so Gott will, mündlich mehr. Deine Dich liebende Mutter Paris, 22. Mai 1?61. Emilie Lennoir." Daß durch diesen Brief die Neugierde Binjamins auf das Höchste gespunnt wurde, brauchen wir wohl nicht zu versichern. Doch mußte er sich in Geduld fassen. Im Hause David Hirschfeld's war es unterdeß sehr unbehaglich geworden. David drang mit aller Energie darauf, daß Johanna den österreichischen Baron heirathen so.lle. Diese wurde in ihrem Widerstande gegen den väterlichen Willen von ihrem Bruder bestärkt. Der.'ganze Unwille Davids richtete sich gegen seinen Sohn. „Du mußt immer meinen Wünschen entgegen sein," sagte er zu ihm. „Wenn Du das so forttreibst, wirst Du mich dahin bringen, daß ich Dich enterbe." Theodor lächelte bitter. David bemerkte es und den Sinn dieses Lächelns verstehend, schrie er: „Du bist ein ben Saurer Umaure, ein widerspenstiger, ungehorsamer Sohn. Du bist ein Duckmäuser, ein Heimtücker! Bei Deinem Geige, den Du zur Schau trägst — so sag' einmal, wohin das viele Geld kömmt, das Du ausgibst." „„Du wirst es einst erfahren, Vater,"" sagte Theodor ruhig, „„und mir dankbar dafür sein/'" David sah seinen Sohn verwundert an. Theodor hatte die Wahrheit gesagt; sein Vater sollte bald von der Verwendung jenes Geldes erfahren. (Fortsetzung folgt.) Hierzu drei Beilagen. Verantwortliche Redaction: vr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'fchen Hofbuchhandlung. I. GottSleben'8 Buchdruckerei tu Mainz (Mainzer Anzeiger).

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