Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 30 (26.7.1876)
- Date
- 1876-07-26
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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693 und wollen wir sein und der konservativen Zukunftspartei Programm im nächsten Briefe f. G. w. besprechen. Berlin, 16. Juli. Herr Dr. Philippsohn in Bonn bleibt einmal dabei, daß das Abgeoronetenhaus beschlossen gehabt habe, daß den aus einer Synagogengemeinde Ausgetretenen das Recht am Begräbnißplatz noch auf fünf Jahre zustehe, obwohl er von allen Seiten hört, daß es unrichtig ist. Durch einen Blick in den stenographischen Bericht könnte er sich von seinem Jrrthum, den er so beharrlich festhält, überzeugen. Auch in Bezug auf die Abänderungen, die das Gesetz im Herrenhaus erfahren, scheint er nach der neuesten „Zeitung des Judenthums" nicht klar zu sein; da spricht er davon, daß das Recht am Friedhof den Ausgetretenen für immer Vorbehalten bleibe, was doch nicht richtig ist, da sie dessen, sobald man einen Communalfriedhof einrichtet oder ihnen gestattet, auf einem christlichen Friedhof ihre Tobten zu beerdigen, verlustig gehen. — Aus den Herrenhausverhandlungen ist noch aus der Rede des Herrn Resch (Hannover) die Stelle hervorzuheben, in welcher er von dem Landrabbiner Dr. Meyer in Hannover sprach. Dieser sollte ihm verschiedene Erklärungen über das Gesetz gegeben haben, aus denen er aber nicht klar werden konnte. Er bat deshalb den Rabbiner, ihm doch seine Ansicht über das Gesetz kurz schriftlich mitzutheilen. „Nachdem ich aber bis jetzt acht Tage darauf gewartet, ist diese Erklärung immer noch nicht eingetroffen." Sehr klar! — Uffheiir (Elsaß), 13. Juli. In Ihrem geschätzten Blatte war schon öfters die Rede von Trennungen, welche aus religiösen Gründen in einigen nnnp Deutschlands stattgefunden. Uns elsäßischen Dmrp schien dieses etwas ganz Unbegreifliches. Doch jetzt ist zu unseren^ allgemeinen Erstaunen dergleichen in unserer Nähe ,u Stande gekommen. In dem benachbarten Sierenz ist nämlich schon seit einigen Wochen in der Zwietracht ausgebroch.n; zwar nicht aus religiösen Gründen, denn keine der beiden Parteien verlangt Reformen, als 3 jährigen Cyclus bei Vorlesung der min, deutsche Gebeteinführung, Suspendirung des v'p' oder dergl. Hier handelt es sich um nichts Anderes als um materielle persönliche Beweggründe, um eine nicht zu entschuldigende Rechthaberei. Dieser Tage nun hat die eine Partei das nD;:n n»a verlassen und hat sich ein besonderes Bethaus errichtet, während die andere fortfährt ihre Andacht zu verrichten. Bereits haben gegenseitige Denunciationen bei den juristischen Behörden als auch bei dem Consistorium ihre Wirkung gethan, jedoch nur in dem Sinne, daß es bei. den ersteren Geld gekostet, welches zu etwas Besserem hätte verwendet werden können und daß sie bei dem letzteren, das es an Ermahnungen zur Eintracht nicht fehlen ließ, zu keinem Resultat führten. Wohin also diese skandalöse Geschichte noch führen wird, ist unmöglich jetzt voraus zu sehen. Zu wünschen wäre, daß beide Parteien jede ihr eigenes Unrecht, nicht das der Gegenpartei einsehen möchten. Mögen sie bedenken, daß djd rix;*# ppv der zweite Tempel m"jn zerstört wurde, wodurch leider dies unabsehbar lange ni*?: entstand, möge jeder ernstlich stark (teaun inj v?r\v ns» n«) werden, da würden sie beiderseits zur Einsicht gelangen daß: Friede ernährt, Unfriede verzehrt. O e st e r r. -11 n g a r. Monarchie. Pesth. Das Wochenblatt „Pannonia" bringt die Nachricht, daß viele orthodoxe Rabbinen im Vereine mit der orthodoxen Kanzlei an Rothschild in Wien ein Gesuch gerichtet hätten, daß er bei der ungarischen Regierung das Rabbiner-Seminar zu Falle bringen möge. Die ungarische Regierung leiht von Rothschild fortwährend Geld und sollte fernerhin Rothschild nur unter der Bedingung Geld leihen, wenn die ungarische Regierung das Rabbiner-Seminar nicht aufkommen lasse. Wir wissen aus sicherster und glaubwürdigster Quelle, daß in dieser Mittheilung kein wahres Wort ist! (Merkwürdig ist, daß der „ung. Israelit" sogar den hebräischen Text des vermeintlichen Schreibens veröffentlicht und dabei nicht versäumt hat, über die Vertreter der ung. Orthodoxie mit großer Wuth herzufallen.) (Pesth. jüd. Ztg.) In Eperies hatte sich eine jüdische Lehrerin mit einem Gesuch an die Sladtbehörde wegen Verleihung einer Stelle in der städtischen Kinderschule gemeldet, die Stadtbehörde aber antwortete ihr, sie könnte nur dann diese Stelle mit 150 Gulden Jahresgehalt bekommen, wenn sie sich taufen lassen würde. (Also so wenig verspricht man in Eperies für das Taufen! die nichtjüdische Religion muß dort sehr billig sein, denn vor Zeiten pflegte man fürs Taufen Tausende von Gulden zu versprechen.) (Pesth. jüd. Ztg.) Brodi. Wie der „N F. Pr." aus Brody unterm 12. Juli telegraphirt wird, sind auf Grund eines alten Ukases, welcher den Juden in Rußland den Aufenthalt im Grenzrayon untersagt, aus Radziwilow österreichische Staatsangehörige,