Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 30 (26.7.1876)
- Date
- 1876-07-26
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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690 Gesetze zu ordnen; sie lehrt ihn, die Einrichtungen des Weltalls, die Gesetze der Natur zu beobachten und das All sich dienstbar zu machen. So ward schon in früherer Zeit der Hund sein Gehilfe, das Pferd sein Träger, der Esel sein Lastthier, die Kuh seine Ernährerin; später lernte der Mensch die leblose Welt zu beleben und Maschinen zu seinen Dienern zu machen; heute führt ihn die Dampfkraft mit Windeseile von einem Ende der Erde zum andern und der elektrische Funke schreibt für ihn mit Gedankenschnelle in die weitesten Fernen. Eine härtere Schule der Noth als allen andern Menschen war den Kindern unseres Volkes Vorbehalten. Uns war die ruhige Heimath, die bleibende Stätte, der ungestörte Besitz des Bodens nothwendiger als irgend einem Volke der Welt. Die Beobachtung der Sabbat- und Speise-Gesetze, der Ehe- und Reinheits-Vorschriften erschweren uns den Aufenthalt in der Fremde ganz unsäglich; wir bedürfen der Gemeinschaft der Stammesgenossen gleich der Luft zum Leben, gleich Speise und Trank. Uns ward das Heiligthum unseres Gottes zerstört, die Heimath geraubt, der Besitz des Bodens genommen; dazu kam der Haß der Völker, die Verfolgung von Seiten zahlloser Feinde. Eine harte, harte Leidensschule haben wir durchgemacht, haben gelernt Tausende von Schmierigkeiten zu überwinden; keine Waffen wurden zu unserer Vertheidigung geschwungen, wir besitzen nicht Heere und Flotten, um uns zu schützen, wehrlos waren und sind wir noch vielfach dem Haß, der Verfolgung, der Verläumdung preisgegeben. Soll der harte Kampf nutzlos gekämpft, der schwere finstere Weg durch die rauhen Straßen des schrecklichen Mittelalters vergeblich zurückgelegt sein? Sollen wir heute in einer schöneren, besseren Zeit freiwillig die Schätze wegwerfen, um die wir so unsäglich gelitten haben? Wir gehören nicht nur uns an, wir gehören unserem Gotte. In Seiner Hand ist die Lenkung des Weltalls. Er wird uns den Zielen zuführen, die Seine Weisheit uns bestimmt hat. Nbv' in mvy'? ’n noto m ru-> uj?js6) pn& nbu Dy. „Darm wird füllen Lachen unfern Mund und unsere Zunge Jauchzen, dann wird man sprechen unter den Völkern: Großes hat Gott mit diesen vollbracht." D'nDttf u«n ijpy mwpb 'n „Großes hat Gort mit uns vollbracht; wir werden erfahren, was wahre Freude heißt." (Psalm 126, 2 u. 3.) Zertuttgsrrachrichten und «Korrespondenzen Deutschland. Ulm. Der hiesige „israelitische Leseverein" hat durch seinen Ausschuß d. d. Ende vorigen Monats der K. Wüctt. Staatsregierung eine Bitte vorgelegt, welche das Ergebniß einer Berathung der Plenarversammlung dieses z. Z. 108 ordentliche Mitglieder zählenden Lesevereins ist. In dieser Versammlung sei die Organisation des isr. Kirchenwesens in Württemberg einer eingehenden Berathung unterzogen und der Ausschuß beauftragt worden, nachfolgende Sätze der Staasregierun'g zur Berücksichtigung vorzulegen: „1. Die dem Kirchenwesen der Israeliten gewidmete III. Abteilung des Gesetzes vom 25. April 1828 etttfpvicfyt nach dem heutigen Stand der Verhältnisse weder den Interessen des Staates noch denjenigen der isr. Glaubensgenossen. 2. Es ist jedem volljährigen Israeliten anheimzustellen, ob und welcher kirchlichen Gemeinde er sich anschließen will. Gleichermaßen soll seinem Austritt aus derjenigen Gemeinde, welcher er bisher angehört hat, von Staatswegen ein Hirderniß nicht in den Weg gelegt werden. '3. Die zwangsweise Vereinigung der württembergischen Israeliten zu einem Landesverbände und die Unterordnung derselben unter eine Centralbehörde läßt sich weder geschichtlich noch aus Gründen des Rechts und der Zweckmäßigkeit rechtfertigen. Es ist Pflicht der Gesetzgebung, den israelit. Kirchengemeinden ihre ungeschmälerte Selbstständigkeit zurückzugeben." An der Spitze dieses Ausschusses steht Rechtsanwalt Lebrecht, ein Mann, der seine Kinder seit Jahren jedem Religionsunterricht entzieht, d. i. dieselben weder die öffentlichen Religionsschule besuchen, noch privatim in der jüdischen Religion unterrichten läßt. Der Leseverein gehört jener radicalen Richtung an, welche eine ähnliche Petition der Orthodoxie, welche in Hohebuch tagte, vor Jahren heftigst bekämpfte und lächerlich zu machen suchte, heute jedoch fast in demselben Fahrwasser angelangt ist. Die Extreme berühren sich. Die Gemeinde Ulm hat vor etlichen Jahren erst eine neue theuere Synagoge erbaut und dazu vom Staate M. 4400 Beiträge erbeten und angenommen, heute jedoch will sie nicht nur die „frühere" Autonomie der Gemeinden, welche auch von der Orthodoxie verlangt wurde, sondern auch