Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 29 (19.7.1876)
- Date
- 1876-07-19
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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- Tunis 1× ep/1048155
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683 liehe Berathung, in welcher beschlossen wurde, das griechische Weib, welches die Veranlassung zu jenem Vorfall gegeben hatte, aus Haskeui auszuweisen; außerdem wurde an den Eingang der Kirche eine Proclamation angeheftet, in welcher den Griechen nachdrücklich anempfohlen worden, mit den Israeliten in gutem Einvernehmen jzu leben und der Blutbeschüldigung gegen dieselben keinerlei Glauben zu schenken. — Ein Mitglied des türkischen Bezirks-Comites der „Alliance", H. David Molho Effendi, wurde soeben zum Unterchef des ofsiciellen Uebersetzungs-Bureaus mit dem Grade eines Beamten zweiten Ranges, erster Classe ernannt. (Die Israeliten von Tunis und Marocco.) Die Mörder des Israeliten Nataf aus Sfax sind noch nicht bestraft worden; die jüdische Bevölkerung fürchtet, daß das von der tunesischen Regierung, wie es scheint, beab ichtigte ^iegenlassen dieser Sache böse Folgen haben könnte, und zwar nicht blos für die Israeliten, sondern auch für alle in der Regentschaft ansässigen Europäer. So hat man neulich durch die Straßen von Sfax 3 Muselmänner laufen sehen, welche das Volk zum heiligen Krieg aufwiegelten; dieselben wurden natürlich sofort verhaftet, hätten aber doch gewiß solche Rufe nicht gethan, wenn jener Mörder des Nataf die verdiente Strafe für sein Verbrechen bereits empfangen hätte. — Man theilt dem C.-Comite einen Befehl des Gouverneurs von Azemur mit, der ein früheres Gesetz, wonach die Israeliten in dieser Stadt nicht anders als barfuß ausgehen dürfen, wieder in Kraft setzt, eine um so auffallendere Maßregel, als der Kaiser SidiMohamed vor 7 oder 8 Jahren die Israeliten von dieser ihnen jetzt wieder auferlegten Erniedrigung befreit und der gegenwärtige Sultan ihnen bei seinem Regierungsantritt versprochen hatte, daß er alle von seinem Vorgänger ihnen gemachten Concessionen aufrecht erhalten wolle. Es sind in dieser Sache bei der maroccanischen Gesandtschaft zu Paris Vorstellungen gemacht worden. — Das C.-Comite beschließt, daß seine Schüler (aus der Vorbereitungsschule, den Primärschulen, der Ackerbauschule und die Handwerkslehrlinge) ihre Arbeiten auf der Weltausstellung von 1878 ausstellen sollen. Paris, 11. Juli. Eine Deputation des isr. Consistoriums von Frankreich hat am 8. Juli dem Minister des Aeßeren, Herzog Decazes, eine Petition überreicht, in welcher die französische Regierung ersucht wird, mit Rumänien keinen Handelsvertrag abzuschließen, der nicht den dortigen Israeliten volle Gleichberechtigung mit den übrigen Landesangehörtgen einräumt. Rußland. Kiew. Man schreibt der „D. Z." aus Kiew: „Die Juden, welche sich bei uns mit Handel beschäftigten, haben endlich auch die Vorzüge des rationell betriebenen Ackerbaues eingesehen. Schon seit dem Jahre 1847 beschäftigten sich einige israelitischen Familien in der Umgebung Kiews mit Ackerbau; allein diese Bearbeitung der Felder war so mangelhaft und oberflächlich, daß sich kaum 120 Seelen auf einem großen, fruchtbaren und wasserreichen Gebiet ernähren konnten, und im Winter waren diese Landleute stets gezwungen. wieder zum „Handeln" zu greifen. Gegenwärtig steht es da s>anz anders. Im Kiew'- schen Gouvernement, welches man keinesfalls unter die ärmeren Gegenden Rußlands zählen kann, befinden sich schon sechs jüdische Kolonien, respective Gemeinden, die sich ausschließlich mit Feldbau beschäftigen; ihre Felder sind besser als jene der Christen bearbeitet. Die geringe Rentabilität dieser Gemeindegründe hat den Obersten Fürst Bjelkin, der seine immensen Besitzungen in der Nähe hat, dazu bewogen, jeder Gemeinde 100 Vesjatinen Grund zu schenken, und er hat ihnen beim Ackerbauministerium je 1000 Rubel als Prämie erwirkt. Es ist selbstverständlich, daßdiese sechs Gemeinden mit einem Zuwachs von 600 Desjatinen zu ihrem Grundbesitz und durch Vertheilung von 6000 Rubel zum Einkauf von Ackergeräthschaften und Sämereien, zumBau dernöthigen Häuser, Stallungen u. s. w. in wenigen Jahren als Vorbild des Bauernstandes dastehen werden. Die Gemeinden zählen 1333 arbeitsfähige Seelen, unter denen Kinder unter 15 Jahren und Männer über 60 Jahre nicht gerechnet werden. Sie haben eine gemeinschaftliche Synagoge und eine Schule mit einem jüdischen und einem r-ssischen Lehrer, welche ihnen den-Talmud und alle in andern Normalschulen eingeführten Gegenstände durch fünf Tage in der Woche vortragen. Eine Gefahr besteht hierbei nur noch — daß sich nämlich im Laufe der Zeiten auch hier das System des unpersönlichen Eigenthums als schädlich für die Ausdauer der Ackerbauer bewähren wird, wie das bei den russischen Gemeinden seit vielen Jahrzehnten schon der Fall ist." Türkei. Konstanlinopel. Den 4. Juni hat sich bekanntlich Sultan Murad Y. auf den Thron ge-