Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 29 (19.7.1876)
- Date
- 1876-07-19
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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684 schwungen. Drei %a$e darauf hatte der Oberrabbiner des türkischen Reiches Audienz bei dem neuen Fürsten. Der Sultan nahm ihn sehr gnädig auf und versicherte ihm, daß er die Juden in seinem ganzen Reiche schützen werde, da bei ihm kein Unterschied zwischen seinen Unterthanen sei. Die Religion, sagte er, macht bei mir keinen Unterschied zwischen Menschen, alle sind meine Kinder, ich liebe alle. (Schaare Zion.) Palästina. In Jerusalem ist bei der telegraphischen Mittheilung von der Thronbesteigung des Sultans Murat große Beunruhigung entstanden. Man wußte noch nichts über das Schicksal des früheren Sultans. Die Ordre war ausgezeben worden, in den ersten drei Nächten die Häuser zuilluminiren. Am dritten Abend sah man viele Christen ihre Habe an sicheren Orten bergen, die Kirchen wie Die Läden blieben am anderen Morgen verschlossen, keiner wußte warum; die Muhamedaner und die Christen beschuldigten sich gegenseitig einer Verschwörung. Die Straßen waren öde und leer. Man befürchtete allgemein den Ausbruch von Ausschreitungen. Der Pascha war abwesend, und dessen Stellvertreter, der Mufti, unthätig. Erst auf Veranlassung des Herrn A. Walru rückte der Befehlshaber des Militärs mit demselben aus und gab strengen Befehl, alle Läden zu öffnen, auch den Juden ließ er durch die Rabbiner mittheilen, daß sie ihren gewohnten Beschäftigungen nachgehen sollten und gar nichts zu befürchten hätten. Es war ausgesprengt worden, daß man in erster Linie über die Juden herfallen werde. Erst nach und nach wurde die frühere Ordnung wieder hergestellt. (Libanon.) Amerika. Am 4. Juli feierte die nordamerikanische Republik das Fest der 100jährigen Befreiung aus fremder Abhängigkeit. In einem vom „Board of Delegates" an die israel. Gemeinden gerichteten Circulär werden diese aufgefordert , an diesem Tage die Geschichte der Niederlassung der Israeliten in den Städten, die Bildung der Gemeinden, ihrer Institute u. s. w. aufs Genaueste zu verzeichnen; auf diese Weise werden die Daten zu einer ausführlichen Geschichte der Israeliten in den Vereinigten Staaten gegeben werden. Neto-Aork In den Anzeigen amerikanischer Zeitungen finden sich manchmal Annoncen von l ländlichen Gasthofbesitzern, in denen hervorgehoben ist, daß Juden daselbst nicht zugelassen werden. Die jüdischen Zeitungen machen ihre Leser auf diese in Amerika sonst ungewöhnliche religiöse Intoleranz aufmerksam. Am besten ist, schreibt „Jew. Worlü", solche Landleute ganz und gar zu ignoriren. Washington. Bei der neulich stattgehabten Einweihung einer neuen Synagoge in Washington waren Präsident Grant und dessen Sohn, Vicepräsident Ferry und andere Staatsbeamten zugegen. Es ist das erstemal, daß ein Präsident der Vereinigten Staaten bei einer solchen Cermonie anwesend war. (Jew. Chr.) Afrika. Algier Bis in die letzte Zeit konnten die eingeborenen Israeliten, dem mosaischen Gesetze gemäß, die Ehescheidung anwenden. Seitdem das Decret der Negierung der nationalen Vertheidigung vom 24. October 1870 den algerischen Israeliten die Eigenschaft von französischen Bürgern beigelegt hat, ist die Frage entstanden, ob für die Zukunft das Recht der Ehescheidung nach franz. Gesetze ihnen dadurch entzogen ist oder nicht. Eine isr. Frau, die vor Erlassung dieses Decretes sich verheirathet und seitdem geschieden worden ist, hat vom Civilstands-Beamten ihre bürgerliche Trauung mit einem zweiten Manne verlangt, was dieser verweigerte. Das Tribunal, vor welches diese Angelegenheit gebracht worden, hat entschieden, daß, da das Decret von 1870 den alger. Israeliten die Eigenschaft von französischen Bürgern gegeben hat, so sind sie auch den franz. Gesetzen und in diesem Falle dem Gesetze vom 8. Mai 1846, welches die Ehescheidung abgeschafft, unterworfen. Feuilleton. Höre Israel! „Hör' Israel" — und lasse täglich hören Den hohen, hehren, heil'gen Gottesrus, Laß Nichts Dich je bethören oder stören, Zu künden laut, wozu Dich Gott erschuf, Erkenne und bekenn': Der war, ist und wird sein — Der nur ist unser Gott, — der Eine ist's allein!