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Der Israelit · 1876-07-19 · Heft 29 (19.7.1876) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 29 (19.7.1876)
Date
1876-07-19
Page
– (sequence 11)
Language
German
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675 „„Adieu, mein liebes Kind!"" Frau Werner nickte ihr zärtlich zu, „„Du bist mein gutes, folgsames Mädchen."" Hermine erröthete, umarmte hastig die Mutter und eilte hinaus. Ihre Toilette war rasch beendet, sie stürzte fast die Stiegen hinunter dem Ausgang des Hauses zu; es war schon zehn Minuten über die bestimmte Zeit. Ob sie Bertha Hartung noch treffen, ob der Graf wohl ihrer harren würde? — „Ha, sieh da, Bertha, das ist freundlich von Dir!" „„Da ich Dich nicht am Eingang der Promenade traf, wollte ich Dir entgegengehen; doch ich fürchtete schon, daß Du gar nicht kommen werdest."" „Und ich hatte Angst, daß ich Dich durch mein verspätetes Kommen nicht mehr treffen würde. Du nimmst es mir doch nicht übel?" „„Wir sind ja Freundinnen. Doch nun lass' uns eilen."" Sie hatten die Promenade bald erreicht und wendeten sich wie gestern der Seitenallee zu. „Ich habe meiner Mama von unserm gestrigen Spaziergange erzählt," berichtete Bertha, „und Mama hat mich aufgefordert, Dich zu veranlassen, uns fleißig zu besuchen — Graf Staremberg würde sicherlich auch kommen," fügte sie flüsternd hinzu. Hermine erröthete, erwiderte jedoch nichts, denn sie sah den Genannten eben auf sich zukommen. Auch er hatte sie erkannt und bald erreicht. Nach der ersten Begrüßung erkundigte er sich nach Herminens Vater, er hätte gern schon jetzt sich ihm vorstellen lassen, denn es widersprach seinem im Grunde edlen Sinne, das junge Mädchen nur auf dem Spaziergange zu treffen. Doch Werners Krankheit mußte es entschuldigen. Heute ging er auch an Herminens Seite; war er doch bereits entschlossen, um ihre Hand anzuhalten; was brauchte es da der übergroßen Zurückhaltung? denn daß es Eltern geben könne, die ihm, dem hochgeborenen Cavalier, die Tochter weigern könnten, das kam ihm nicht in den Sinn. Rückhaltslos überließ er sich dem Zauber, den das reizende junge Mädchen auf ihn ausübte, und Hermine — je mehr sie gewahrte, daß sie entzückte, desto entzückender ward sie. — Wie oft sie heute bereits die Allee durchschritten? — wer konnte das wissen. — Hermine wenigstens glaubte, sie hätten sie erst vor wenigen Minuten betreten, als Bertha, an die Nothwendigkeit des Heimwegs mahnend, versicherte, daß bereits Stunden verstrichen. „Werden wir uns morgen um dieselbe Stunde am selben Ort wieder treffen?" fragte Graf Staremberg, indem er unbekümmert um die Möglichkeit der Gegenwart Anderer Herminens Hand ergriff und ihr bittend in die Augen sah. Das junge Mädchen bejahte erröthend. Der Graf blickte zu dem grau umwölkten Himmel auf. „Werde ich Sie sicher hier treffen?" fragte er. „„Sicher."" Er neigte sich über ihre Hand und zog sie an seine Lippen. Das junge Mädchen erbebte. Purpurgluth bedeckte ihr Angesicht, ein unaussprechlich wonniges Gefühl überkam sie. Graf Staremberg gewahrte ihre Erregung, ein glückliches Lächeln umspielte seine Lippen; nochmals drückte er einen Kuß auf ihre Hand, verneigte sich höflich gegen ihre Freundin und entfernte sich. Jetzt erst gewahrte Hermine, daß der Abend bereits hereingebrochen. „Laß uns eilen," bat sie, „Mama könnte mich doch vermissen." „„Ich bin eigentlich gar nicht gewillt. Dich eilen zu lassen, denn ich möchte gern ein bischen mit Dir plaudern."" „Mit mir plaudern? wir haben ja den ganzen Nachmittag geplaudert." „..Wir hätten geplaudert,"" versetzte Bertha lachend, „„seltsame Idee! war es mir doch kaum vergönnt, drittehalb Worte laut zu äußern. Ihr habt geplaudert, das ist wahr, aber wir, wir"" — von Neuem brach sie in ein herzliches Lachen aus. „Du hast Dich am Ende gar gelangweilt. Liebe gute Bertha, ich'bin Dir so vielen, so unendlich vielen Dank schuldig. —" „„Nicht doch, ich nehme ja den innigsten Antheil an Deinem Glück."" „Und wirst Du morgen Nachmittag mich wieder hier erwarten?" „„Ei, das versteht sich. Doch da sind wir ja schon an Eurer Straße, hier trennen sich unsere Wege."" „Gute Nacht, Du Gute, Liebe!" Noch eine herzliche Umarmung und die Mädchen trennten sich. Hermine fühlte sich so froh, so leicht, so glücklich, sie flog fast die Stiegen hinan, die zu ihrer Wohnung führten. Nicht eimal der Gedanke an den kranken Vater und an den muthmaßlichen Kampf mit ihm, der ihr voraussichtlich noch bevorstand, war im Stande, das Gefühl ihres Glückes zu dämpfen. Noch in Promenade - Toilette eilte sie zu ihrer Mutter, sie zu umarmen, sie hätte in ihrer Seligkeit die ganze Welt an's Herz gedrückt. Mit zärtlichem Mutterstolz betrachtete Frau Werner das schöne Mädchen und pries ihr frisches, blühendes Aussehen, das sie nur ihrer Folgsamkeit verdankte. „Wo bist Du denn gewesen?" „„In den Promenaden.""

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