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Der Israelit · 1876-07-19 · Heft 29 (19.7.1876) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 29 (19.7.1876)
Date
1876-07-19
Page
– (sequence 10)
Language
German
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674 staatsanwalt v. Lyck und hob besonders hervor, daß eS wohl etwas wesentlich Anderes sei, ob solche Beschimpfungen von llrivat-Personen ausginaen oder von einem höheren Beamten, dessen Ansichten vermöge seiner Stellung von größerer Tragweite sind. Auf diese Appellation ist nun neuerdings vom Oberstaatsanwalt ein Bescheid ein« gelaufen. Es heißt darin, daß ein Verfahren auf Grund des angezogenen Paragraphen deshalb nicht zulässig erscheine, weil sich die Bemerkungen Willmanns nicht auf die Juden als Religionsgenossenschaft, sondern als social-politische Erscheinung beziehen." Oester r. - Ungar. Monarchie. Pesth, 27. Juni. Von glaubwürdiger Seite wird aus Csakathurn nachfolgender Fall mitgetheilt: Im verflossenen Jahre hat die dortige israelitische Gemeinde einen Kantor ausgenommen, welcher sich Samuel Rubinsohn nannte, in Gran in derselben Eigenschaft angeftellt war, woselbst er sich für ledig auSgab und eine Wittwe heirathete. Später wurde er auf eigenes Ansuchen daselbst seiner Stelle enthoben, worauf er sich von seiner Frau scheiden ließ und nach Csakathurn übersiedelte. Hier gelang es ihm, das Vertrauen der Gemeinde zu gewinnen und er hielt bald um die Hand eines hübschen Mädchens aus angesehenem Hause an. Auch dieses wurde dem gesameidigen Freier nicht abgeschlagen, trotzdem man dem Mädchen von diesem Entschlüsse abrieth, und so wurden die Beiden auch getraut. Nun ist aber am 23. d. M. aus Danzig in Preußen ein Schreiben an die isr. Gemeinde Csakathurn gelangt, in welchem ein gewisser Samuel Supirer,' seit 10 Jahren verheirathet, Vater dreier Kinder, angeblich schon seit 4 Jahren verschollen — gesucht wird; dem Schreiben war auch eine Photographie beigeschlossen, in welcher man den Kantor Rubinsohn erkannte. Nach einem mit demselben vorgenommenen Verhöre gestand derselbe ein, aus der Stadt Schalem in Rußland gebürtig, 30 Jahre alt, verheirathet zu sein und seine Frau sammt Kindern vor 4 Jahren treulos verlassen zu haben. Rubinsohn, reete Supirer wurde hierauf verhaftet, und heute findet dessen Scheidung von seiner in Csakathurn angetrauten zweiten Frau statt, was für die Letztere ein um so größerer Schlag ist, als die Aermste sich bereits in andern Umständen befindet. Feuilleton. Proselytca. Von Friedrich Rott. IX. Die zum Rendezvous bestimmte Stunde nahte. Ob der Graf wohl auf sie warten werde? Ob er ihr Nichtkommen schmerzlich empfinden würde? — Sie vergegenwärtigte sich jedes Wort, das er gestern gesprochen und ihre Brust hob sich rascher, ihr Herz pochte fast hörbar. Er war so schön, so nobel; mit wem sie ihn verglich, es kam ihm keiner gleich. Und wenn er nun, wie sie sicher glaubte, daß er es beabsichtigte. wenn er um ihre Hand anhalten, sie zu seiner Gattin, zur Gräfin machen wollte — sie preßte beide Hände fest gegen das klopfende Herz — mußte sie verzichten auf solch* unerhörtes Glück? — mußte sie's? — „Es ist herrliches Wetter, die Luft ist so klar, so rein, ziehe Dich an, liebes Kind, und gehe auf ein Stündchen in's Freie." Hermine fuhr zusammen, sie hatte die Anwesenheit der Mutter gar nicht bemerkt. „„Ich bitte, Mama, lasse mich für heute zu Hause. Morgen —"" „Nicht doch, Kind, in der jetzigen Jahreszeit benützt man jeden Tag. Du kannst nicht wissen, ob das Wetter morgen so günstig, und frische Luft thut Dir noth. Darum gehe, mein Kind, mir zu Liebe, nur ein Stündchen." Hermine blickte die Mutter seltsam an. „„Dir zu Liebe, Mama, soll ich gehen? — Dir zu Liebe Dich verlassen?"" „Nur auf ein Stündchen." Hermine wechselte die Farbe, wollte die Mutter selbst sie dem nur um der Eltern willen gefaßten Beschlüsse abwendig machen? — es war ihr, als spräche das ihr bestimmte Geschick aus dem Munde der Mutter, und gern, nur allzugern nahm sie das von ihr Ersehnte für das ihr Bestimmte. „Und wenn zwei Stunden daraus würden?" fragte sie. „„So wäre es mir um so lieber. Besuche doch eine Deiner Freundinnen und fordere sie auf, Dich zu begleiten. Auguste Meier wird sicher bereit sein."" „Freilich, freilich, oder Bertha Herz oder wenn mir vielleicht eine Andere begegnet — es ist ja einerlei. Da Du, liebe Mama, nun einmal darauf bestehst, daß ich gehen soll, so will ich es auch unverzüglich thun," sie erhob sich rasch, „Adieu, Mama!"

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