Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 29 (19.7.1876)
- Date
- 1876-07-19
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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676 „Mit Auguste Meier?" „„Nein, mit Bertha. ES war heute sehr lebhaft in den Hauptalleen; das schöne Wetter hatte die ganze schöne Welt hinausgelockt."" „Das läßt sich denken. Aber Du, liebes Kind, mußt morgen um jeden Preis wieder hinaus." „„Wenn Du es wünschest, Mama, so hilft kein Widerstreben,"" fügte sie lachend hinzu. ..„Uebrigens will ich mich auch gar nicht besser machen, als ich bin und ganz offen gestehen, daß es mich gar kein Opfer kostet, dem Wunsche meines lieben Mamachens zu entsprechen; denn ich kann mir in der That nichts Köstlicheres denken, als einen so frischen, heitern Wintertag wie den heutigen; ich finde ihn weit weit schöner als den schönsten Sommertag. "" So plauderte sie fort in froh erregter Stimmung, erkundigte sich dabei auch leichthin nach des Vaters Befinden. war aber durch die absichtlich oberflächliche Antwort der Mutter vollkommen befriedigt und plauderte munter fort. Frau Werner staunte über diesen plötzlichen Umschwung in der Gemüthsverfassung des jungen Mädchens, der sie innig beglückte; doch fühlte sie sich zu erschöpft, um lange darüber nachzudenken. Hermine gewahrte es nicht, daß die Schwäche und das leidende Aussehen der Mutter zugenommen; doch sie sehnte sich nach der Einsamkeit des eigenen Stübchens und machte daher ziemlich zeitig' den Vorschlag, der Mutter beim Auskleiden behilflich zu sein und diese, der Ruhe bedürftig, ging gern darauf ein. Rasch hatte Hermine diese Arbeit vollbracht, wünschte mit inniger Umarmung der Mutter eine gute Nacht, warf noch einen Blick auf den kranken Vater und eilte hinaus. Ihr Stübchen fand sie in gewohnter Ordnung, nur die Gasflammen vrannten noch nicht; im Ofen jedoch knisterte ein helles Feuer und im Kessel brodelte das siedende Wasser. Sie warf sich in die Sofaecke, um in diesem traulichen Halbdunkel zu träumen, um die glücklichen und glückverheißenden Stunden des Nachmittags im Geiste nochmals zu durchleben. Doch die Erinnerung an den gestrigen Abend scheuchte sie empor. Rasch erhellte sie das Zimmer, als könne sie schon durch das Licht allein jede bange Mahnung von sich fern halten. Nein, nein, kein warnender Traum durfte heute die Glückseligkeit ihres Herzens trüben und — des Menschen Wille ist sein Himmelreich; sie wollte nur von Lust und Freuden lräumen, so waren es denn auch lauter rosige Bilder, die sie umgaukelten. Der Traumgott führte sie an des Geliebten Seite und mit ihm in die höchsten Kreise der Gesellschaft — und Alles umdrängte sie; Alles bewunderte die reizende Gräfin Staremberg — und der Graf umschlang sein junges Weib und drückte ihre Hand an seine Lippen und wie am Nachmittag empfand sie den warmen Hauch seines Mundes auf ihrer Hand. Diamanten glitzerten in ihren Locken, Diamanten strahlten am Busen und am Arm, doch strahlender als diese kostbaren Steine hörte sie ihre unvergleichliche Schönheit preisen. Spät am Morgen erwachte sie. Sie fand die Mutter bereits angekleidet an des Vaters Bette. Wäre sie weniger mit sich selbst beschäftigt gewesen, sie hätte die eingetretene Verschlimmerung in! dem Befinden des Kranken gewahren müssen, hätte gewahren müssen, daß die Mutter nur mit übergroßer Anstrengung die aufsteigenden Thränen zu-I rückdrängte. Doch wie gesagt, Hermine war ausschließlich mit sich selbst beschäftigt; sie stellte wohl die gewohnten theilnehmenden Fragen, vernahm! jedoch die Antwort nicht. — All ihr Sinnen, all! ihr Denken war auf das bevorstehende Rendezvous gerichtet. — Was der Graf wohl heute zu ihr reden würde? - wie er sie anschauen, ob er ihrq Hand drücken oder küssen werde? — diese mit ähnliche Fragen beschäftigten sie vollauf. Hermine, eine Arbeit in Händen, saß an der Mutter Seite. Frau Werner, zu erschöpft um viel zu reden, lehnte mit geschlossenen Augen im SesselZ sie hielt das Schweigen der Tochter für Rücksicht auf ihre Schwäche. (Fortsetzung folgt.) A N ZEIG E N. Für den folgenden Theil ist die Redaction nicht verantwortlich. (Cin junger Mann, angehender Commis, kann in einer Weinhandlung in Mainz zur Führung der Bücher dauernde Stellung finden, wobei er noch kleine Touren zu bereifen hätte. Kost und Logis im Hause und Samstags und Feiertage gj schlossen. Offerten besorgt die Exped. d. Bl. s Nr. 1727.