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Der Israelit · 1876-07-19 · Heft 29 (19.7.1876) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 29 (19.7.1876)
Date
1876-07-19
Page
– (sequence 7)
Language
German
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671 .m zu dem opulenten Mahle rufen sollte, welches David Hirschfeld seinen Gästen hatte bereiten lassen. Sonst pflegte Frau Lprinzchen die Bereitung der Speisen selbst zu überwachen; heute aber durfte sie nicht daran denken, sie war zu ihrem Bedauern an ihren Platz gefesselt und mußte die Glückwünsche all der zahlreichen Freunde des Hirschfeld'schen Hauses entgegennehmen. Die gute Frau hätte sich behaglicher in der Küche gefühlt als im Prunksaale. In einer Nische eines großen Saales, von Blumen- und Blatt-Zier - Pflanzen halb versteckt, stehen einige junge Leute, Söhne der ersten Bank- und Handelshäuser von F., in traulicher Unterhaltung beisammen. „Da seht einmal den Franzosen!", sagte der Eine, das goldne Lorgnon vor das Auge haltend; „das ist ein Teufelskerl! Erobert sich im Fluge das schönste, reichste und liebenswürdigste Mädchen von F.! Wie dieser kaum den Kinderschuhen entwachsene Backfisch, diese sonst so spröde Maid auf seine Worte lauscht, wie wenn es lauter Offenbarungen wären!" „„Hilft ihm nichts,"" sagte ein Anderer. „„Die ist schon vergeben. Da kömmt er gerade, der Glückliche!"" „SolmSfeld meinst Du?" „„Eben den! Kann es auch eine passendere Partie geben? Er, schön, gebildet, geistreich, tüchtiger Geschäftsmann, Millionär, Baron; sie, nun zu ihrem Lobe brauche ich ja nichts zu sagen!"" „Aber er ist ja nicht religiös, während der alte Hirschfeld . . . ." „„Geh mir weg mit dem seiner Frömmigkeit! Die geht nicht tief. Bei dem ist die Religion nichts als Gewohnheitssache. Wenn er wahrhaft fromm wäre, so wäre er heute nicht der reiche Hirschfeld. Du weißt doch, wie er an seinen Reichthum gekommen?"" „Ich weiß eS. Aber das ist noch nicht das Schlimmste; nun, das Vermögen hat ihm das Gesetz zuerkannt; er hat's genommen — nun, nicht Jeder hat ein so zartes Gewissen! Daß er aber den nach jüdischem Gesetze einzig berechtigten Erben in's Elend gestoßen, ihn und seine Mutter vielleicht dem Hungertode preisgegeben, und das Alles aus persönlicher Ranküne, aus niedrigem Rachedurst, das ist ein Flecken, von dem all seine Wohlthätigkeit gegen Fremde ihn nicht befreit." „„Du hast Recht; ich möchte all sein Geld nicht um solchen Preis! Weißt Du, das ist's auch, was den Theodor drückt; ich bin ein wenig Menschenkenner und gegen nnch ist Theodor ein ganz klein wenig weniger verschlossen als gegen alle Andern."" „Hast Du bemerkt, in wie auffallender Weise er diesen jungen Franzosen cultivirt? Siehst Du, die Eroberung ist noch viel merkwürdiger als die der Schwester!" „„Kennst Du den jungen Mann näher? Du warft doch längere Zeit in Paris?"" „Ihn nicht, aber seine Pflegemutter. Diese, eine geborene Schwarzenau von hier, hat bald nach einander ihren Mann und ihren einzigen Sohn verloren. Darauf hat sie diesen jungen Mann, der ein entfernter Verwandter von ihr sein soll, adoptirt; sie hat ihn in Metz erziehen lassen; später kam er nach Paris zurück, wo er bei Godin eintrat, dessen Firma er jetzt hier vertritt." Unterdeß war die Gratulation beendet; eS sollte bald gegessen werden. David aber wollte seinen Gästen bei Tisch eine Ueberraschung bereiten, und zu diesem Zwecke mußte zuerst Frau Sprinzchen ihre Tochter in ein entlegenes Nebenzimmer führen. „Kind," sagte die Mutter, „Du bist heute achtzehn Jahre alt geworden; ich war auch achtzehn Jahre, als ich Braut wurde. Wie gefällt Dir der junge Baron Solmsfeld?" Johanna lachte. „ -Du bist eine vollendete Diplomatin, liebe Mutter,"" sagte sie. „„Sage nur dem lieben Vater, daß ich nicht den Wunsch hege, Baronin von Solmsfeld zu werden."" „Aber warum denn nicht?" „„Und das fragst Du, liebe Mutter? Ist uns nicht erst vorigen Samstag der Baron zu Pferde begegnet?"" „Das ist wahr; aber mein Kind, Dein Vater wünscht es, und der wird es besser verstehen als Du." David Hirschfeld trat herein; er hatte die letzten Worte gehört. „Gewiß versiehe ich das besser!" schrie er. „Thorheit, brauchst Dich zu sträuben, Freifrau von Solmsfeld zu werden! Eine Partie, wie es kaum eine zweite gibt in Europa!" „„Aber Vater,"" fragte Johanna, „„warum gehst Du am Samstag bei Regen, Schnee oder Sonnenhitze den weiten Weg in die Synagoge zu Fuß?"" „Unsinn! Wie kömmt das dazu?" „„Weil ich keinen Mann will, der nicht unserer heiligen Religion gemäß lebt "" „Das hat Dir gewiß Theodor in den AHpf gesetzt!" „„Ja,"" sagte FrauSprinzchen, wohlgefällig lächelnd, „„mein Theodor, es gibt keinen so braven , frommen, jungen Mann noch einmal in der Welt!""

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