Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 28 (12.7.1876)
- Date
- 1876-07-12
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2447645-2447671--12697-2468533- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
651 Lyon, im April 1876. Herr Chauveau beharrt bei dem im Jahre 1867 bekannt gegebenen Uriheil bezüglich der Tödtungsart des Schächtens. Er behauptet, daß das Bruneau'sche System nicht mehr als ein Kopfschlag und daß demnach der Unterschied zwischen diesem System und dem unsrigen, was die Schnelligkeit des Todes betrifft, wenig bemerkbar ist. Es würde sicherlich ein solches stattfinden, wenn man (zugleich) durch irgend ein Mittel das zum Gehirn gehörige Rückenmarck erreichen könnte, der Tod würde alsdann augenblicklich erfolgen. Aber dieser Tod, welcher das Herz durch eine vollständige Lähmung treffen würde, würde das Fleisch ungesund machen, indem das Blut nicht in genügender Weise ausfließen könnte. (Fortsetzung folgt.) Zeitirngsnachrichten und Correspondenzen. Beamten erwachsen möchte oder schon entstanden sei. Die Kammer der Abgeordneten theitte die Bitte, die besser von allen College» ausgegangen und dann der Dienstbehörde überreicht worden wäre, der Regierung zur Kenntnißnahme mit. Da jedoch in Württemberg seit Einführung der Civilehe am 1. Jan. 1876 kein einziger Fall vorgekommen sein wird, wo nicht auf den Civilact die religiöse Trauung folgte und es' auch in Zukunft so bleiben dürfte, und da die Rabbinen mit der Führung der Standesregister erst seit einigen Jahren vom Staate betraut worden sind, so ist nicht einzusehen, woher in Folge der neueren Gesetzgebung der Ausfall statistisch kommen soll und mit welchem Rechte ein Ersatz für den Wegfall der provisorischen Mission begründet werden will, wahrscheinlich hat deshalb auch die Petition Seitens der Collegen keine Theilnahme gefunden. Deutschland. ' Württemberg. Der Ausschuß der frei- . willigen Konferenz israelitischer Lehrer und Vor-! sänger hat in Ausführung des Beschlusses der! jüngsten Jahreskonferenz der K. Jsr. Oberkirchenj behörde am 19. Mai d. I. eine Bitte vorgetragen, die Ferien der issr. Religionsschulen betreffend,! welcher am 7. Juni d. I. schon vollkommen ent-! sprochen worden ist. In Zukunft werden hienach j in den Religionsschulen, welche nicht zugleich Volks-! schulen sind, die regelmäßigen Vakanzen für die j gleiche Zeit gegeben, für 'welche diejenige Lehranstalt des betreffenden Ortes, welche von der j überwiegenden Mehrzahl der rsr. Religionsschüler! besucht wird, Vacanz gibt, so daß die Vacanzen! beider von den isr. Schülern frequentirten Schulen j zusammenfallen. Insofern die Religionslehrer aber j auch den Gottesdienst in der Synagoge zu ver- > sehen haben, sind die Vorsänger auch während der Vacanzzeit nicht berechtigt, den Dienst in der Synagoge einzustellen, sondern dieselben haben nötigenfalls stets Urlaub nachzusuchen. Die gleichzeitig eingereichte Eingabe um Aus- ( dehnung der Pensionsberechtigung auch auf die ' Besoldungszulage der Lehrer-Vorsänger und Er-! Höhung dieser Remuneration harret noch ihrer Er-! ledigung. l Die Rabbinen von Mühringen, Buchau und! Freudenthal haben in einer Petition an die Stände- . kammer um einen Ersatz des Ausfalls aus Staats-; Mitteln gebeten, der ihnen durch Einführung der! Civilehe und Standesbuchführung durch besondere 1 Feuilleton. Proselytku. Von Friedrich Rott. VIII. Noch einen herzlichen Händedruck, dann trennten sie sich. Hermine hatte das Haus ihrer Eltern bald erreicht, hastig eilte sie die Stiegen hinan. Sie hatte während der Unterhaltung mit dem Grafen so vollständig an Alles vergessen, daß, als sie die Hand an den Schellenzug legte und sich vergebens bemühte, ihn in Bewegung zu setzen, sie sich erst jetzt wieder der Krankheit ihres Vaters erinnerte. Sie legte die Hand an die Stirn und athmete tief auf, es war ihr, als erwache sie aus einem wundervollen Traum. Mehrere Minuten stand sie so in sich selbst versunken da, die Stirn an eine der Glasscheiben der Thür, die zu ihrer Wohnung führte, gelehnt, und schien zu warten, daß durch irgend einen Zufall dieselbe sich öffne. Das geschah auch endlich; der Arzt, der den Kranken besucht hatte, trat heraus. Hermine taumelte beinahe zurück. „Ach, guten Abend, mein theures Fräulein! Es hat mich ganz unendlich gefreut, von der Frau Mama erfahren zu haben, daß Sie endlich Raison angenommen und einmal frische Luft geschöpft haben. Nun, wie ist's bekommen? Doch was frage ich; Sie sehen in Wirklichkeit ja bereits ganz anders aus."